»Mir als Sponsor war bisher nicht klar, dass demokratische Prozesse geschäftsschädigend sein sollen«

Die außerordentlich erfrischend-ehrlichen Pressemeldungen von Manfred Stoffers sollen der »Nachwelt« erhalten bleiben und werden deshalb hier veröffentlicht.

Löwenfans gegen Rechts:
Pressemeldungen des Hauptsponsors Festina
gegen Ende der Zusammenarbeit mit 1860

April/Mai 2006, Manfred Stoffers

Pressemeldung vom 27. April 2006

BLAU bleiben!Festina verabschiedet sich als Löwen-Sponsor
»Mehr geht nicht, also geht's nicht mehr!«

Die Geschäftsleitung der Festina-Uhren-GmbH teilt mit:
Festina wird mit Ablauf dieser Bundesliga-Saison nicht mehr als Hauptsponsor des TSV 1860 von München zur Verfügung stehen.

Aufmerksam registrieren wir die Bemühungen der Geschäftsführung der Fußball-GmbH 1860 München, die Insolvenz des Unternehmens abzuwenden und die Lizenzierung für die 2. Liga zu sichern. Die damit verbundenen Mehrkosten  u.a. für Zinszahlungen an den finanzierenden FC Bayern  können nur durch entsprechende Mehreinnahmen gedeckt werden. Die von uns kurzfristig und ultimativ eingeforderte drastische Erhöhung der Sponsorgelder in einem Verlängerungsvertrag steht für uns in keinem angemessenen Verhältnis von Preis und Leistung. Deswegen machen wir schweren Herzens für einen Sponsor Platz, der gewillt ist, diese Mehrinvestition zu tragen.

Wir wünschen der Geschäftsführung, dem Aufsichtsrat, dem Präsidium und vorab auch schon ihren unausweichlichen Nachfolgern, wie auch unserem Nachfolger in der Funktion des Hauptsponsors viel Erfolg.

Den Löwen, d.h. den Fans und Sympathisanten, bleiben die Festina-Löwen als engagierte Fans aus Leidenschaft verbunden. Denn: Einmal Löwe, immer Löwe!

Ainring, 27.04.2006

Manfred Stoffers, Mitglied der Geschäftsleitung

 

… und vorab auch schon ihren unausweichlichen Nachfolgern …

… einfach ein genialer Spruch! …
 

 

nach oben …

Pressemeldung vom 6. Mai .2006

Klasse statt Rasse!
Eine gemeinsame Aktion von Löwenfans und Festina gegen Rassismus

Der scheidende Hauptsponsor des TSV 1860 München, der spanische Uhrenhersteller Festina, verzichtet beim letzten Heimspiel der Münchner Löwen in der Allianz-Arena am 7.5. auf einen Teil seiner Marken-Werbung auf den Videowalls und wird stattdessen eine Aktion zum Abbau von Fremdenfeindlichkeit und Rassenhass im Fußball starten. Die Aktion wurde in Kooperation mit den »Löwenfans gegen Rechts« und zahlreichen unorganisierten Löwenfans entwickelt. Die Botschaft ist einfach und einladend:

Löwen kommen aus aller Welt!
Fußball ist ihre Heimat!
Bei uns!
 

»Wir wollen damit deutlich machen, dass Fußball eine weltumspannende Heimat ist, in der es nur eine Sprache gibt – und die heißt Fußball«, erläutert Manfred Stoffers aus der Geschäftsleitung von Festina. »Und ein Teil dieser Heimat ist hier bei uns, bei den Münchner Löwen. Jeder, der Fußball genauso mag wie wir, soll sich hier zuhause fühlen, egal ob seine Hautfarbe weiß, schwarz, gelb, braun oder blass ist.«

Fußball sei, so Stoffers provozierend, »vom Ursprung her organisiert ausgelebte Feindseligkeit«. Den Gegner zu lieben, verhindere den Erfolg. Abneigung bis hin zum Hass seien »die Aufputschmittel für Fußballer, die auf keiner Dopingliste stehen«. Wutverzerrte und hasserfüllte Gesichter von Fußballprofis sprächen in dieser Hinsicht Bände. Allerdings seien die Profis in der Lage, ihr Wut- und Hassaggregat nach Bedarf an- und abzustellen. Nötigenfalls besorge dies der Schiedsrichter durch gelbe und rote Karten.

Bei den Fans sei dies jedoch anders. Bei ihnen sei die Feindschaft gegenüber anderen Clubs nicht einfach auszuschalten, sondern sei sehr tief verwurzelt. Wäre das nicht so, würde den Fans der Sieg über einen »niedergemachten« Gegner kaum so viel Freude bereiten, und das Leiden bei einer Niederlage wäre nur halb so genussvoll. Als Sponsor, der inzwischen zum Fußballfan geworden ist, berichtet Stoffers: »Wir Fans schreien, singen und toben uns die Emotionen aus der Seele. Anders als die Fußballer auf dem Rasen können wir den Gegner nur mit Worten und Gesten bekämpfen. Wir tun dies ausgiebig, einfallsreich und radikal rücksichtslos«. Wenn der Gegner nicht nur eine andere Trikotfarbe, sondern auch noch eine andere Hautfarbe habe, gehe die Feindseligkeit gegenüber dem Auswärtsclub leider viel zu oft eine explosive Verbindung mit der Feindseligkeit gegenüber dem andersfarbigen Fußballer ein. Massenhaft gegröltes »Uh, uh, uh … !« zeuge von ungebändigter Fremdenfeindlichkeit und offenem Rassenhass. »Leider«, so Manfred Stoffers, »gibt es dann meist keinen Schiedsrichter, der die gelbe oder rote Karte zeigt.« In diesem Augenblick habe die im Fußball fest verankerte und tolerierbare Feindseligkeit gegenüber dem sportlichen Gegner das Stadion verlassen und richte sich gegen Ausländer, Angehörige anderer Rassen und gegen Fremdartiges generell.

»In einemUnternehmen, das in 65 Ländern weltweit vertreten ist, wissen wir als Mitarbeiter, was es heißt, Fremder in einem Land zu sein, in dem einem Feindseligkeit entgegen schlägt«, so begründet Stoffers als Mitarbeiter des spanischen Uhrenherstellers Festina die eigene Betroffenheit von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Deswegen habe Festina als Sponsor auch so sensibel auf rassistische Äußerungen in den Fankurven reagiert und den Kontakt zu Fan-Initiativen aufgenommen, die sich dieses Problems annehmen. »Unsere Fan-Partner bei dieser Aktion und wir wüden uns riesig freuen, wenn wir andere Fan-Gruppen und Unternehmen mit unserer kleinen Aktion auf die Idee bringen könnten, selber aktiv zu werden.« Es wäre schön, so Stoffers, wenn im Fußball das gelten würde, was bei Festina Prinzip geworden sei: »Bei uns zählt Klasse statt Rasse«.

Ainring 6.5.2006

Manfred Stoffers

 

nach oben …

Heimat aller Loewen
Video-Einblendung zum letzten Heimspiel mit Festina als Hauptsponsor (7. Mai 2006 gegen Saarbrücken)
nach oben …