Auzug aus den Aktionen und Geschehnissen des Jahres 2004

ARCHIV 2004

Die Aera KHW oder
»Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei«

Zum Rücktritt von Karl-Heinz Wildmoser am 15. März 2004

Statt souverän die Verantwortung zu übernehmen, ließ sich KWH in einer Marathon-Sitzung zum Rücktritt betteln. Mit ihm gingen die Stellvertreter Kurt Sieber und Paul Wonhas. Den Vorsitz hat Karl Auer übernommen. Die Nachfolge von W. Junior (fehlte bei der Sitzung entschuldigt) blieb noch offen.

»Kein Abschied auf der Welt fällt schwerer als der Abschied von der Macht«
(Charles Maurice de Talleyrand, kein Fußballer)
»Es ist besser, den Abschied zu nehmen, wenn viele Menschen noch sagen: "Schade!"«
(Hildegard Hamm-Brücher, keine Fußballerin)

Siehe auch: »Löwen und Enten« (Inhaltsverzeichnis)

Iimmer noch spukt es im Verein:Spuk
Im Verein wird an einer neuen Satzung gearbeitet. Wir fordern den TSV auf, hierbei auch die Rechte (Mitbestimmung) und Pflichten (im Sinne der gemeinnützigen Ziele) der Mitglieder klar zu regeln.
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Immer noch aktuelle Forderungen an den TSV

Leider meinte der TSV bisher immer, das Thema »Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im Stadion« durch Wegdenken (Mahner ignorieren, Briefe nicht beantworten, Versprechen nicht halten) lösen zu können.

Unseren Forderungskatalog sowie die Vorgaben des DFB, auf die wir uns u.a. berufen, findet ihr in ausführlicher Form bei »Löwen und Enten«


Kurznachrichten

Shoah-Gedenktag in italienischen Fußballstadien

»Wo es schwierig wird, die Pfiffe und Beleidigungen zu überhören, kann man sie auch einfach mit Applaus überdecken. Applaus für eine mutige Initiative der italienischen Fußballfunktionäre«

»Shoah« ist das hebräische Wort für die Verfolgung und den Massenmord an den Juden im III. Reich. Wer jetzt sagt »nicht schon wieder«, möge bitte noch ein paar Zeilen weiter lesen.

Das Thema wird leider erst dann »abgefeiert« sein, wenn nur noch ein paar wenige Unverbesserliche Sympathien mit den Mördern hegen, die Verbrechen in ihren Ausmaßen leugnen und Gedenkstätten schänden.

Doch dies ist im Moment nicht abzusehen: Es kommt sogar zu seltsamen Koalitionen zwischen Gegnern der israelischen Kriegspolitik und Neonazis.

Um so erfreulicher, wenn auch andere europäische Staaten die Mittäterschaft ihrer damaligen Regierungen offen legen (z.B. Zurückweisung von Flüchtlingen aus formalen Gründen), an Verfolgung und Diskriminierung in ihrer eigenen Vergangenheit erinnern (Ghettos, Sondergesetze, erster Papstbesuch einer Synagoge erst im Jahr 2000 durch Johannes Paul II) und der Shoah gedenken – damit endlich auch das Jammer-Argument »Ihr zeigt doch alle nur auf uns« entkräftet wird: Die Judenverfolgung ist ganz sicher nicht nur ein deutsches Problem, die industriell angelegte Massenvernichtung allerdings sehr wohl.

Am 27. Januar 2004 wird es in italienischen Fußballstadien Benefitz-Spiele zum Tag der Befreiung des KZ Auschwitz, dem Shoah-Gedenktag, geben. Dazu ein Interview der Süddeutschen Zeitung (SZ online, 23.1.2004) mit Dr. Riccardo Pacifici, dem Sprecher der Jüdischen Gemeinde in Rom:

»Es ist eine sehr riskante Sache. Die Erinnerung an einen so tragischen Moment der Geschichte wie die Shoah, die Vernichtung des jüdischen Volkes, wird in die Fußballstadien getragen, also dorthin, wo man sich amüsieren und austoben will. Es war eine schwierige, auch durchlittene Entscheidung. Auch von jüdischer Seite gab es Kritik. Aber am Ende haben wir gemeint, dass wir auf diese Weise die stärkste Wirkung in den Medien haben und die meisten Menschen erreichen. … Es ist eine Prüfung für Italien, ganz Europa wird am nächsten Wochenende auf unsere Stadien schauen. Und vielleicht wird es ja irgendwann in den Stadien anderer Länder eine ähnliche Aktion geben.«

Laut Aussage der Autorin (Birgit Schönau) war das Spiel in Rom ein großer Erfolg! • Vgl. »60. Gedenktag«

Hier der ganze Artikel im Wortlaut

BAFF-Treffen

BAFF-Treffen 23.-25. Januar 2004 bericht hierzu

Fan-Kongress mit 10-Jahres-Feier in Oer-Enschwick

Oer-Erkenschwick¹ gibt es tatsächlich. Es liegt im Kreis Recklinghausen (NRW). Wir werden also hinfahren und mitfeiern. Freie Plätze auf (rechtzeitige) Anfrage. Näheres zur Veranstaltung bei BAFF¹ direkt.

BAFF-CD: »Music for the terraces«

Bei den BAFF-Treffen haben bisher viele Bands gespielt, eine Auswahl davon findet ihr auf der neuen CD¹.

BAFF-Buch: »BALLBESITZ IST DIEBSTAHL«

»BALLBESITZ IST DIEBSTAHL – Fußballfans zwischen Kultur und Kommerz« wird denmächst erscheinen, mehr dazu bei BAFF¹ oder beim Werkstatt-Verlag¹, sobald es erhältlich ist.

Beim Jahrestag 2005 waren wir leider nicht vertreten.
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Delegiertenversammlung 2004
Am 23. 11. 2004 fand die Delegiertenversammlung des TSV statt. In der Presse gab es allen möglichen Vorab-Rummel, man munkelte gar von einer Palastrevolution und einer Kampfabstimmung um das Präsidentenamt.
Nichts dergleichen – Auer wurde mit über 80 Prozent bestätigt und war seinerseits voll des Lobes für Trainer Bommer.
Die Versammlung begann mit den üblichen Formalien; der TSV achtete streng darauf, alles genauestens und rechtlich einwandfrei durchzuführen – von Erbdynastie-Abläufen keine Spur mehr.
Die Anträge zur Satzungsänderung bezogen sich auf einen zweiten Jugendvertreter; weiter gehende Änderungen (Anti-Rassismus-Paragraph) gab es aktuell nicht (der Verein hat nach anderweitigen Verlautbarungen vor, die Satzung zum Umzug ins neue Stadion zu reformieren – wir bleiben dran!).
Finanzen: Zwar hat die KGaA (der Profi-Ableger des TSV) durch Altlasten aus dem »Hype« (als man mit 1000 Pokalspielen und traumhaften TV-Einnahmen rechnete) 2003/04 noch ein operatives Defezit von 1,4 Mio Euro, doch hier sind die Spielertransfer-Einnahmen (über 6 Mio) aus dem laufenden Geschäftsjahr nicht berücksichtigt. Bei den verbuchten Abschreibungsverlusten von 2,9 Mio handelt es sich um Ausgaben, die bereits getätigt und finanziert wurden (und die steuerrechtlich nur über mehrere Jahre verteilt geltend gemacht werden können). Die Pressemeldungen »4,3 Mio Minus« sind also nicht korrekt, es gibt keine Schuldenkrise wie zu Riedls Zeiten.
Auch das Bier schien den Anwesenden besser zu munden als das des vorherigen Sponsors – insgesamt kann man, den Umständen entsprechend, von einer brauchbaren Gesamtsituation reden.

Skinheads wehren sich
Anlässlich eines Neonazi-Aufmarsches in Recklinghausen am 18.12.2004 beteiligte sich u.a. eine Gruppe Skinheads an der Gegendemonstration: »Echte Skinheads sind keine Nazis … Wir wollen damit zum Ausdruck bringen, dass … Rechte unseren Kult, den es schon seit 35 Jahren gibt, nur ausnutzen, um Straftaten zu begehen.« Quelle: Mut gegen Rechte Gewalt¹
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Herausragend widerwärtig
Mit dem Betreff »Herausragend widerwärtige Szenen in Dresden am 05.12.2005« hat sich der Fan-Arbeitskreis Energie Cottbus bei den Dresdner Fans¹ in einem offenen Brief entschuldigt: »Wir distanzieren uns deutlich von Geschehnissen und Artikulationen dieser Art. Diese 'JUDEN'-Fahne und das damit in Verbindung zu bringende Meinungsbild ist weder Ausdruck des Denkens, noch des Handelns der insgesamt intakten Cottbuser Fanszene und wird von uns allen auf das Schärfste verurteilt.« Während sich die Presse hauptsächlich darüber aufregt, das trotz der vielen Ordner große Mengen an Feuerwerkskörpern in den Kurven gezündet werden konnten, titelt Stern Online¹ immerhin: »Ostderby – Feuerwerk und Nazi-Parolen«, verharmlost den Vorfall allerdings leider als Aktion von »Chaoten«. Die Polizei, die sonst jeden filmt, der auch nur in der Nase bohrt, hat angeblich kein Beweismaterial. Der FCE Cottbus will daraufhin selbst ermitteln und gegen diese »Fans« vorgehen. Dazu die Süeddeutsche¹: »Die Ersteller … konnten … offenkundig auf die Mithilfe einer Reihe von Energie-Fans zählen, denn nach Angaben des DFB wurde das Banner zunächst 'nach hinten durchgereicht', als die Stadionordner versuchten, es zu konfiszieren. Es habe daher keiner Person zugeordnet werden können. … Laut Polizei wurde das Plakat der Staatsanwaltschaft übergeben. Diese prüfe nun, 'ob ein strafrechtlich relevanter Sachverhalt vorliegt' und Anzeige gegen Unbekannt erstattet werden kann.« Wir fragen uns, wie so ein Transparent an der Eingangskontrolle vorbei kommen kann und schließen uns den Worten des Cottbus-Trainers Petrik Sander an: »Es gibt eine Sicherheitsberatung nach der anderen, doch nichts passiert.« Die Leipziger Volkszeitung¹ zitiert Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm: »Wir wissen auch nicht, ob es eine zielgerichtete Unterwanderung gibt«. Gemessen an der Präsenz seiner Außendienst-Mitarbeiter in den Stadien, kann es für dieses Nicht-Wissen eigentlich nur einen Grund geben: Man will es nicht wissen. Immerhin plagt ihn die Sorge, »dass so etwas auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft passieren könnte«. Leider ist Herr Schönbohm nur ein Beispiel für viele Verantwortliche, die das Problem durch Wegschauen lösen wollen: Auch unsere Sechzger ignorieren bisher die Vorgabe des DFB und der DFL, in Vereinssatzungen und Stadionordnungen Rassismus (in all seinen Formen) ausdrücklich zu untersagen.

Zum Neuanfang nach der Aera Wildmoser siehe »Löwen und Enten

Immer noch sind »monarchistische« Satzungsänderungen aus dieser Zeit gültig, z.B. das Delegiertenprinzip mit seinen seltsamen Eigenheiten: »Als Delegierter ist nur dasjenige Mitglied wählbar, welches seit mindestens fünf Jahren dem Verein angehört«. Ansonsten, auch für den Vorstand, gilt: »Wählbar sind volljährige Mitglieder, die dem Verein seit mindestens einem Jahr angehören«): Siehe »die Satzung«.

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Europameisterschaft 2004
Abgesehen davon, dass uns die Farben der Trikots der Sieger recht gut gefallen haben, gab es am Rande der EM ein paar weniger schöne Zwischenfälle – rassistisches Gebrüll, Keltenkreuz-Transparent kroatischer »Ultras« – doch auf Intervention von FARE hin haben die Veranstalter schnell und eindeutig reagiert!

Hugo Hackl
Am 16. Juli 2004 verstarb 77-jährig der ehemalige Spieler, Mannschaftsbetreuer und Zeugwart Hugo Hackl aus Straubing (Ehrenmitglied des TSV). Hugo Hackl war einer Derer, der den alten Charme der Löwen verkörperte, und wird für viele Fans unvergessen bleiben.

Spieler
Auch wenn die beiden Spieler aus Haifa nicht kommen (Arik Benado und Adoram Keise): Die jüdische Online-Zeitung »Hagalil« hat sich Gedanken gemacht, was Spieler aus Israel in Deutschland bzw. speziell bei den Löwen erwarten würde und dazu einen Vertreter von uns interviewt.

Hagalil: »Was erwartet Benado und Keise in Deutschland¹«
»Sollten die beiden israelischen Spieler tatsächlich zu 1860 wechseln, werden sie mit Sicherheit nicht auf einer Insel der Glückseligen landen. Der in Deutschland weitverbreitete Rassismus und Antisemitismus hat auch in den Fußballstadien ein Zuhause. … Dennoch haben sie im Verein 1860 München relatives Glück, denn hier gibt es im Gegensatz zu manch anderem Verein keine organisierte neonazistische Szene in der Fan-Kurve. … Der Fanclub Löwen gegen Rechts und andere demokratisch gesinnte Anhänger des Vereins wären noch mehr als bisher genötigt, für antifaschistische und antirassistische Strukturen im Verein zu kämpfen.«

Interview¹ mit K.J./LFGR
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Die Herrenmenschen streichen die Segel
Am 17. Januar 2004 hatte die NPD Oberbayern zu einem »Reichsgründungsfest« im Wasserburger Raum eingeladen. Der genaue Ort der Veranstaltung war geheim, die Teilnehmer sollten sich am Wasserburger Bahnhof treffen und von dort weitergeleitet werden.

Deshalb hatte der Ortsverband Wasserburg, Bündnis 90/Die Grünen als Gegenveranstaltung eine Mahnwache angemeldet und die Wasserburger Bevölkerung dazu aufgerufen, dem braunen Mob zu zeigen, dass sie in Wasserburg nicht erwünscht sind. Obwohl diese Mahnwache sehr kurzfristig angesetzt war und vom Landratsamt zwischendurch mitgeteilt wurde, die »Reichsgründungsfeier« fiele aus (was sich als Ente entpuppte), fanden sich über 150 (handgezählt) Gegendemonstranten ein und setzten somit ein durchaus beträchtliches Zeichen gegen die Umtriebe der ewig Gestrigen.

Nur Nazis gab es zum Glück kaum welche zu sehen. Diese hatten es vorgezogen, ihren Treffpunkt nach Waldkraiburg zu verlegen – und zwar, wie uns vom anwesenden Staatsschützer bestätigt wurde, eben aufgrund der Tatsache, dass eine Gegenkundgebung angemeldet war.

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