Auzug aus den Aktionen und Geschehnissen des Jahres 2004
ARCHIV 2004
Die Aera KHW oder
»Alles hat ein Ende, nur die
Wurst hat zwei«
Zum Rücktritt von Karl-Heinz Wildmoser am 15. März 2004
Statt souverän die Verantwortung zu übernehmen, ließ sich KWH in einer
Marathon-Sitzung zum Rücktritt betteln. Mit ihm gingen die Stellvertreter Kurt Sieber und Paul
Wonhas. Den Vorsitz hat Karl Auer übernommen. Die Nachfolge von W. Junior (fehlte bei der
Sitzung entschuldigt) blieb noch offen.
»Kein Abschied auf der Welt fällt schwerer als der Abschied von der
Macht«
(Charles Maurice de Talleyrand, kein Fußballer)
»Es ist besser, den Abschied zu nehmen, wenn viele Menschen noch sagen:
"Schade!"«
(Hildegard Hamm-Brücher, keine
Fußballerin)
Siehe auch: »Löwen und Enten« (Inhaltsverzeichnis)
Iimmer noch spukt es im Verein:

- das AG-Gespenst: Es ist zwar (man denke an Erich R.) sinnvoll, den
Profi-Bereich, in dem viel Geld gewonnen oder verloren werden kann, auszugliedern, doch birgt diese
Konstruktion das Risiko, dass der TSV irgendwann für kommerzielle Zwecke verkauft wird.
- das KHW-Gespenst: Mitgliederversammlungen finden nur alle drei Jahre statt, ansonsten
bestimmen handverlesene Delegierte. Einerseits werden Leute, die sich gar nicht aktiv im Verein
betätigen wollen, über die Dauerkartenregelung zur Mitgliedschaft gezwungen, andererseits
haben »gewöhnliche« Mitglieder im Verein nichts zu sagen.
- das
ARGEspenst: Mit der ARGE wurde ein Gremium geschaffen, das außerhalb des Vereins und
dessen satzungsgemäßen Organen steht und dennoch über den Verein
bestimmt. Wir brauchen kein »House of Lords«!
Im Verein wird an einer neuen Satzung gearbeitet. Wir fordern den TSV auf, hierbei auch die
Rechte (Mitbestimmung) und Pflichten (im Sinne der gemeinnützigen Ziele) der Mitglieder klar
zu regeln.
Immer noch aktuelle Forderungen an den TSV
Leider meinte der TSV bisher immer, das Thema »Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im
Stadion« durch Wegdenken (Mahner ignorieren, Briefe nicht beantworten, Versprechen nicht
halten) lösen zu können.
- unsere
Forderungen an den TSV (Flugblatt vom April 2004, .pdf als .zip gepackt,
für Acrobat Reader, darf gerne gedruckt und verteilt werden)
- sowie unser Flugblatt mit den
Forderungen der UEFA (.pdf).
Unseren Forderungskatalog sowie die Vorgaben des DFB, auf die wir uns u.a. berufen,
findet ihr in ausführlicher Form bei »Löwen und Enten«
Kurznachrichten
Shoah-Gedenktag in italienischen Fußballstadien
»Wo es schwierig wird, die Pfiffe und Beleidigungen zu überhören,
kann man sie auch einfach mit Applaus überdecken. Applaus für eine mutige Initiative der
italienischen Fußballfunktionäre«
»Shoah« ist das hebräische Wort für die Verfolgung und den Massenmord an
den Juden im III. Reich. Wer jetzt sagt »nicht schon wieder«, möge bitte noch ein
paar Zeilen weiter lesen.
Das Thema wird leider erst dann »abgefeiert« sein, wenn nur noch ein paar wenige
Unverbesserliche Sympathien mit den Mördern hegen, die Verbrechen in ihren Ausmaßen
leugnen und Gedenkstätten schänden.
Doch dies ist im Moment nicht abzusehen: Es kommt sogar zu seltsamen Koalitionen zwischen
Gegnern der israelischen Kriegspolitik und Neonazis.
Um so erfreulicher, wenn auch andere europäische Staaten die Mittäterschaft ihrer
damaligen Regierungen offen legen (z.B. Zurückweisung von Flüchtlingen aus formalen
Gründen), an Verfolgung und Diskriminierung in ihrer eigenen Vergangenheit erinnern (Ghettos,
Sondergesetze, erster Papstbesuch einer Synagoge erst im Jahr 2000 durch Johannes Paul II) und der
Shoah gedenken damit endlich auch das Jammer-Argument »Ihr zeigt doch alle nur
auf uns« entkräftet wird: Die Judenverfolgung ist ganz sicher nicht nur ein deutsches
Problem, die industriell angelegte Massenvernichtung allerdings sehr wohl.
Am 27. Januar 2004 wird es in italienischen Fußballstadien Benefitz-Spiele zum Tag der
Befreiung des KZ Auschwitz, dem Shoah-Gedenktag, geben. Dazu ein Interview der Süddeutschen
Zeitung (SZ online,
23.1.2004) mit Dr. Riccardo Pacifici, dem Sprecher der Jüdischen Gemeinde in Rom:
»Es ist eine sehr riskante Sache. Die Erinnerung an einen so tragischen Moment
der Geschichte wie die Shoah, die Vernichtung des jüdischen Volkes, wird in die
Fußballstadien getragen, also dorthin, wo man sich amüsieren und austoben will. Es war
eine schwierige, auch durchlittene Entscheidung. Auch von jüdischer Seite gab es Kritik. Aber
am Ende haben wir gemeint, dass wir auf diese Weise die stärkste Wirkung in den Medien haben
und die meisten Menschen erreichen.
Es ist eine Prüfung für Italien, ganz
Europa wird am nächsten Wochenende auf unsere Stadien schauen. Und vielleicht wird es ja
irgendwann in den Stadien anderer Länder eine ähnliche Aktion geben.«
Laut Aussage der Autorin (Birgit Schönau) war das Spiel in Rom ein großer
Erfolg! Vgl. »60. Gedenktag«
BAFF-Treffen 23.-25. Januar 2004 bericht hierzu
Fan-Kongress mit 10-Jahres-Feier in Oer-Enschwick
Oer-Erkenschwick¹
gibt es tatsächlich. Es liegt im Kreis Recklinghausen (NRW). Wir werden also hinfahren und
mitfeiern. Freie Plätze auf (rechtzeitige) Anfrage. Näheres zur Veranstaltung bei BAFF¹ direkt.
BAFF-CD: »Music for the terraces«
Bei den BAFF-Treffen haben bisher viele Bands gespielt, eine Auswahl davon findet
ihr auf der neuen CD¹.
BAFF-Buch: »BALLBESITZ IST DIEBSTAHL«
»BALLBESITZ IST DIEBSTAHL Fußballfans zwischen Kultur und
Kommerz« wird denmächst erscheinen, mehr dazu bei BAFF¹ oder beim Werkstatt-Verlag¹,
sobald es erhältlich ist.
Beim Jahrestag 2005 waren wir leider nicht vertreten.
Delegiertenversammlung 2004
Am 23. 11. 2004 fand die Delegiertenversammlung des TSV statt. In der Presse gab es allen
möglichen Vorab-Rummel, man munkelte gar von einer Palastrevolution und einer Kampfabstimmung
um das Präsidentenamt.
Nichts dergleichen Auer wurde mit über 80
Prozent bestätigt und war seinerseits voll des Lobes für Trainer Bommer.
Die
Versammlung begann mit den üblichen Formalien; der TSV achtete streng darauf, alles
genauestens und rechtlich einwandfrei durchzuführen von Erbdynastie-Abläufen
keine Spur mehr.
Die Anträge zur Satzungsänderung bezogen sich auf einen zweiten
Jugendvertreter; weiter gehende Änderungen (Anti-Rassismus-Paragraph) gab es aktuell nicht
(der Verein hat nach anderweitigen Verlautbarungen vor, die Satzung zum Umzug ins neue Stadion zu
reformieren wir bleiben dran!).
Finanzen: Zwar hat die KGaA (der Profi-Ableger
des TSV) durch Altlasten aus dem »Hype« (als man mit 1000 Pokalspielen und traumhaften
TV-Einnahmen rechnete) 2003/04 noch ein operatives Defezit von 1,4 Mio Euro, doch hier sind die
Spielertransfer-Einnahmen (über 6 Mio) aus dem laufenden Geschäftsjahr nicht
berücksichtigt. Bei den verbuchten Abschreibungsverlusten von 2,9 Mio handelt es sich um
Ausgaben, die bereits getätigt und finanziert wurden (und die steuerrechtlich nur über
mehrere Jahre verteilt geltend gemacht werden können). Die Pressemeldungen »4,3 Mio
Minus« sind also nicht korrekt, es gibt keine Schuldenkrise wie zu Riedls Zeiten.
Auch
das Bier schien den Anwesenden besser zu munden als das des vorherigen Sponsors
insgesamt kann man, den Umständen entsprechend, von einer brauchbaren Gesamtsituation
reden.
Skinheads wehren sich
Anlässlich eines Neonazi-Aufmarsches in
Recklinghausen am 18.12.2004 beteiligte sich u.a. eine Gruppe Skinheads an der Gegendemonstration:
»Echte Skinheads sind keine Nazis
Wir wollen damit zum Ausdruck bringen,
dass
Rechte unseren Kult, den es schon seit 35 Jahren gibt, nur ausnutzen, um
Straftaten zu begehen.«
Quelle: Mut
gegen Rechte Gewalt¹
Herausragend widerwärtig
Mit dem Betreff »Herausragend
widerwärtige Szenen in Dresden am 05.12.2005« hat sich der Fan-Arbeitskreis Energie
Cottbus bei den
Dresdner
Fans¹ in einem offenen Brief entschuldigt: »Wir distanzieren uns deutlich von
Geschehnissen und Artikulationen dieser Art. Diese 'JUDEN'-Fahne und das damit in Verbindung zu
bringende Meinungsbild ist weder Ausdruck des Denkens, noch des Handelns der insgesamt intakten
Cottbuser Fanszene und wird von uns allen auf das Schärfste verurteilt.« Während
sich die Presse hauptsächlich darüber aufregt, das trotz der vielen Ordner große
Mengen an Feuerwerkskörpern in den Kurven gezündet werden konnten, titelt
Stern Online¹ immerhin: »Ostderby Feuerwerk und
Nazi-Parolen«, verharmlost den Vorfall allerdings leider als Aktion von
»Chaoten«. Die Polizei, die sonst jeden filmt, der auch nur in der Nase bohrt, hat
angeblich kein Beweismaterial. Der FCE Cottbus will daraufhin selbst ermitteln und gegen diese
»Fans« vorgehen. Dazu die
Süeddeutsche¹: »Die Ersteller
konnten
offenkundig auf die Mithilfe einer Reihe von Energie-Fans zählen, denn nach Angaben des DFB
wurde das Banner zunächst 'nach hinten durchgereicht', als die Stadionordner versuchten, es
zu konfiszieren. Es habe daher keiner Person zugeordnet werden können.
Laut Polizei
wurde das Plakat der Staatsanwaltschaft übergeben. Diese prüfe nun, 'ob ein
strafrechtlich relevanter Sachverhalt vorliegt' und Anzeige gegen Unbekannt erstattet werden
kann.« Wir fragen uns, wie so ein Transparent an der Eingangskontrolle vorbei kommen kann
und schließen uns den Worten des Cottbus-Trainers Petrik Sander an: »Es gibt eine
Sicherheitsberatung nach der anderen, doch nichts passiert.« Die
Leipziger
Volkszeitung¹ zitiert Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm: »Wir
wissen auch nicht, ob es eine zielgerichtete Unterwanderung gibt«. Gemessen an der
Präsenz seiner Außendienst-Mitarbeiter in den Stadien, kann es für dieses
Nicht-Wissen eigentlich nur einen Grund geben: Man will es nicht wissen. Immerhin plagt ihn die
Sorge, »dass so etwas auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft passieren
könnte«. Leider ist Herr Schönbohm nur ein Beispiel für viele Verantwortliche,
die das Problem durch Wegschauen lösen wollen: Auch unsere Sechzger ignorieren bisher die
Vorgabe des DFB und der DFL, in Vereinssatzungen und Stadionordnungen Rassismus (in all seinen
Formen) ausdrücklich zu untersagen.
Zum Neuanfang nach der Aera Wildmoser siehe »Löwen und Enten
Immer noch sind »monarchistische« Satzungsänderungen aus dieser
Zeit gültig, z.B. das Delegiertenprinzip mit seinen seltsamen Eigenheiten: »Als
Delegierter ist nur dasjenige Mitglied wählbar, welches seit mindestens fünf
Jahren dem Verein angehört«. Ansonsten, auch für den Vorstand, gilt:
»Wählbar sind volljährige Mitglieder, die dem Verein seit mindestens einem
Jahr angehören«): Siehe »die Satzung«.
Europameisterschaft 2004
Abgesehen davon, dass uns die Farben der Trikots der Sieger recht gut gefallen haben, gab es am
Rande der EM ein paar weniger schöne Zwischenfälle rassistisches
Gebrüll, Keltenkreuz-Transparent kroatischer »Ultras« doch auf
Intervention von FARE hin haben die Veranstalter schnell und
eindeutig reagiert!
Hugo Hackl
Am 16. Juli 2004 verstarb 77-jährig der ehemalige Spieler, Mannschaftsbetreuer und
Zeugwart Hugo Hackl aus Straubing (Ehrenmitglied des TSV). Hugo Hackl war einer Derer, der den
alten Charme der Löwen verkörperte, und wird für viele Fans unvergessen
bleiben.
Spieler
Auch wenn die beiden Spieler aus Haifa nicht kommen (Arik Benado und Adoram Keise): Die
jüdische Online-Zeitung »Hagalil« hat sich Gedanken gemacht, was Spieler aus
Israel in Deutschland bzw. speziell bei den Löwen erwarten würde und dazu einen Vertreter
von uns interviewt.
Hagalil: »Was erwartet Benado und Keise in Deutschland¹«
»Sollten
die beiden israelischen Spieler tatsächlich zu 1860 wechseln, werden sie mit Sicherheit nicht
auf einer Insel der Glückseligen landen. Der in Deutschland weitverbreitete Rassismus und
Antisemitismus hat auch in den Fußballstadien ein Zuhause.
Dennoch haben sie im
Verein 1860 München relatives Glück, denn hier gibt es im Gegensatz zu manch anderem
Verein keine organisierte neonazistische Szene in der Fan-Kurve.
Der Fanclub
Löwen gegen Rechts und andere demokratisch gesinnte Anhänger des Vereins
wären noch mehr als bisher genötigt, für antifaschistische und antirassistische
Strukturen im Verein zu kämpfen.«
Die Herrenmenschen streichen die Segel
Am 17. Januar 2004 hatte die NPD Oberbayern zu einem »Reichsgründungsfest« im
Wasserburger Raum eingeladen. Der genaue Ort der Veranstaltung war geheim, die Teilnehmer sollten
sich am Wasserburger Bahnhof treffen und von dort weitergeleitet werden.
Deshalb hatte der Ortsverband Wasserburg, Bündnis 90/Die Grünen als Gegenveranstaltung
eine Mahnwache angemeldet und die Wasserburger Bevölkerung dazu aufgerufen, dem braunen Mob zu
zeigen, dass sie in Wasserburg nicht erwünscht sind. Obwohl diese Mahnwache sehr kurzfristig
angesetzt war und vom Landratsamt zwischendurch mitgeteilt wurde, die
»Reichsgründungsfeier« fiele aus (was sich als Ente entpuppte), fanden sich
über 150 (handgezählt) Gegendemonstranten ein und setzten somit ein durchaus
beträchtliches Zeichen gegen die Umtriebe der ewig Gestrigen.
Nur Nazis gab es zum Glück kaum welche zu sehen. Diese hatten es vorgezogen, ihren
Treffpunkt nach Waldkraiburg zu verlegen und zwar, wie uns vom anwesenden
Staatsschützer bestätigt wurde, eben aufgrund der Tatsache, dass eine Gegenkundgebung
angemeldet war.