Auzug aus den Aktionen und Geschehnissen des Jahres 2008

ARCHIV 2008

Desinformation
20.12.2008 – In einer komplett überzogenen Campagne meldeten Rundfunk und Presse »Ausschreitungen«, »Randale« sowie »eine neue Dimension der Gewalt« im Zusammenhang mit dem Heimspiel des TSV-II gegen Waldhof. Vor Ort war keiner der Berichterstatter; alle schrieben einen Polizeibericht ab, dessen Verfasser wohl ein zu groß dimensioniertes Polizeiaufgebot rechtfertigen wollte. Es stimmt, dass mit Prügeleien am Rande des Spiels gerechnet werden musste, das Mannheimer Umfeld ist dafür bekannt. Passiert ist das Befürchtete jedoch nicht. Etliche Löwen haben das abgrundtief schlechte Spiel vorzeitig genervt verlassen; die Polizei hatte sich noch nicht zur Fan-Trennung an den Ausgängen postiert und reagierte panisch. Es ist äußerst unverantwortlich, bürgerkriegsähnliche Zustände herbeizureden, um von Fehlern in der Einsatzplanung abzulenken. So löst man keine Probleme, so schafft man neue.
 
Presseerklärung
3.12.2008 – »Erklärung der Löwenfans gegen Rechts zur Zukunft des TSV 1860: Aus gegebenem Anlass hat sich unsere allmonatliche Vollversammlung gestern fast ausschließlich mit der aktuellen Situation und den Zukunftsaussichten unseres Vereines und seiner für den Profifußball zuständigen Tochter, der KGaA, beschäftigt. … Vor diesem Hintergrund haben die Löwenfans gegen Rechts gestern einstimmig beschlossen, sich in Zukunft neben ihren ursprünglichen Zielen mit all ihrer Kraft auch der Lösung der für den TSV 1860 über Sein oder Nichtsein entscheidenden Stadionproblematik anzunehmen.«  (weiterlesen)
 
Neujahrsempfang
2.12.2008 – Wir laden zum Neujahrsempfang am 5. Januar 2009 ab 18 Uhr 60 in die Stadionwirtschaft.
 
Stadiondiskussion
1.12.2008 – Effektiv kann sich der TSV den Spielbetrieb im teuersten Stadion Deutschlands nicht leisten. Alleine das Präsidium und die KGaA-Geschäftsführung hängen noch fest am lieb gewonnen Luxus der VIP-Lounge. Sogar der Vermieter äußert Einsicht und öffnet den Weg für einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Vertrag. 60 steht vor einer existenziellen Entscheidung.
 
Delegiertenversamlung
22.11.2008 – Hauptversammlung des TSV 1860 e.V.im Paulaner-Festsaal am Nockherberg: Wer eine professionell durchgeführte Veranstaltung erwartet hatte, wurde mal wieder enttäuscht. Teils selbsternannte »Ersatzdelegierte« und »Gäste« in größerer Anzahl offenbarten die Untauglichkeit des Delegiertensystems. Unkenntnis der Vorgaben (vor allem zur Durchführung von Wahlen und Abstimmungen – »mir san doch scho Demokraten«) und Chaos prägten das Bild.
Peinlich: Der Ordnungsdienst versuchte, einen geladenen Redner handgreiflich vom Vortrag abzuhalten; Anlass dafür waren dumpfe Unmuts-Äußerungen irgendwo aus dem Publikum.
Nach volkstümlichen Brauch hatten einige der Anwesenden bereits vorgetankt, bzw. hatten sich unter Annahme von Arge-Freibier zum Abstimmverhalten instruieren lassen – andere wiederum hatten überhaupt keine Vorbereitungen getroffen: Speziell der Wahlleiter (ein Mitglied des Wahlausschusses – sollte also bescheid wissen) musste erst durch Rechtsanwalt Dr. Kambli über die Durchführungsbestimmungen unterrichtet werden. So wurden erst nach Stunden die notwendigen Formalia angegangen, als bereits ein beträchtlicher Teil der Delegierten und Nichtdelegierten geistig und/oder körperlich abwesend war.
Obwohl etliche KGaA-Themen in unnötiger Ausführlichkeit diskutiert wurden, wurde über den geplanten Verkauf von KGaA-Anteilen (10 Prozent zum Preis 2,5 Millionen Euro) geschwiegen – wie üblich erfährt die Presse solche Dinge zuerst.
Sollte sich wider Erwarten ein Interessent finden, reicht der Erlös leider nicht zur Deckung des Defezits der laufenden Saison – dieses wurde auf 3 Mio beziffert.
Mehrfach wurde betont, dass es für Präsidium, Management, Aufsichtsrat und deren Freundeskreis keine Alternative zum VIP-Bereich der Arena in Fröttmaning gebe. Die Tatsache, dass der TSV an der Finanzierung dieser Luxuseinrichtung bereits am Untergehen ist, scheint für die Verantwortlichen kein Problem darzustellen, das irgendwelche Priorität hätte. Warum auch – sie wurden alle mit überwältigender (wenn auch ungenau ermittelter) Mehrheit bestätigt.
Immerhin gab es zwei wichtige Ergebnisse: 1. muss im ersten Quartal 2009 eine außerordentliche DV zur Satzung abgehalten werden, 2. verpflichtet sich der Verein, die Rechte an Logo und Namen wieder zu bekommen.
 
KGaA-Aufsichtsrat
29.10.2008: Nach Presseberichten wird der Aufsichtsrat der Profi-Geschäftsführungs-GmbH & Co KGaA um ein Mitglied erweitert – Hermann Mairhofer, Verwaltungsratspräsident des Sponsors Trenkwalder. Damit besteht der AR neben den 9 Mitgliedern des Vereins-AR und den drei Mitgliedern des Vereins-Präsidiums aus insgesamt 13 Leuten. Gründe wurden nicht genannt, es könnte sich um den Vorgriff auf einen Anteilsverkauf handeln:

Nach Bestimmungen des BGB und §§ 95-96 AktG besteht der Aufsichtsrat einer KGaA prozentual anteilig aus den Inhabern der Aktienanteile (wobei die Anzahl auf bis zu 21 Mitglieder begrenzt ist und durch drei teilbar sein muss – hier stehen wohl weitere Veränderungen an). Bei einem 15-köpfigen Aufsichtsrat etspricht ein Sitz bis zu 10 Prozent Anteils-Eigentum. Ein Anteilsverkauf wirde schon lange als Option diskutiert, um u.a. die von der DFL geforderte Aktivkapital-Erhöhung zur Lizenzerteilung 2009/2010 zu erfüllen.
 
Fan-Rat
22.10./7.11.2008: Aus verschiedensten Gruppierungen (Amateure-Fans, Allesfahrer, Arge, CN, LFGR, Pro-1860, Southside-Supporters) wurde ein Fan-Rat gegründet, um die Kommunikation zwischen e.V., KGaA, Ordnungshütern und Fans auch ohne Einschalten der Lokalpresse zu ermöglichen. Wir finden, dass das ein Schritt in die richtige Richtung ist. Mitglieder sind: Wolfgang Cubasch, Florian Dallmeir, Daniel Graßold, Franz Hell, Ulla Hoppen, Andy Kern, Steffen Kläne, Matze Kulla, Christian Poschet, Gerhard Schnell, Rupi Schranner, Nermin Sujic, Petra Wagenbüchler, Lothar Wollenweber. Herbert Schröger hat zugunsten von Wolfgang Cubasch das Amt abgegeben.
 
Julius-Hirsch-Preis
Seit 2005 vergibt der DFB diesen Preis als Auszeichnung für Aktionen und Aktivitäten für Toleranz und Menschenwürde und gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Am 19. November 2008 wird der Preis in Berlin an drei Initiativen aus Düren, Leipzig und Bremen verliehen.
 


Fußball kann
schädlich sein
für Ihre Nerven

Nach seltsamen Vorfällen beim Mannheim-Spiel des TSV-II am 15.8.2008 wurde in einer noch seltsameren »Hau-Drauf-Aktion« die »CN« faktisch verboten. Schon zwei Monate später hat der TSV diese Maßnahme zurückgenommen. Die von vielen Fans geforderte Entschuldigung kam zwar nicht, dafür gab es aber immerhin eine sehr brauchbare Einigung.


 
Amateure-Fest
12.9.2008, 19 Uhr: Nach den stimmungsvollen Spielen gegen Lautern und Regensburg in unserem altehrwürdigen Giesinger Fußballtempel werden sich in der Vorrunde 08/09 zu genau zwei Spielen im GWS alle diejenigen treffen, die sich zur sanges- und supportfreudigen Fanszene bei 1860 zählen. Keine Frage: durch den Verzicht auf große Medienkampagnen werden wir nicht an die XX-Tausend-Dimension, aber eines steht schon heute fest: die Leute sind heiß, sie werden alle da sein, die Stehhalle wird unter dem Roar des Löwenanhanges abermals erbeben …
 
Neues Präsidium
27.5.2008: Pünktlich zur Geisterstunde tritt nach einer Marathon-Aufsichtsratssitzung ein neues Präsidium vor die Presse: Rainer Beeck, Franz Maget und Michael Hasenstab. Maget spricht von »Neuanfang«. Wir wünschen dem Team alles Gute. Es gibt viel zu tun …
 
Altes Präsidium
26.5.2008: Albrecht von Linde und Karsten Wettberg haben das unrühmliche Gerangel mit Ziffzer, Trenkwalder und Arge nicht überstanden. Wir sagen hier ausdrücklich vielen Dank, auch für die Art der Amtsübergabe ohne weiteren Schaden für den TSV. Auch wenn das ein paar Leute anders sehen – Linde und Wettberg haben die Weichen gestellt für eine Löwen-Zukunft jenseits der altbekannten Seilschaften.
 
Heimatabend
24.5.2008: Das XX-Tausend-Fest war – bis auf den Wurstsalat, der sich nach einem unverdienten 0:1 wieder vom Rasen schlich – ein unvergessliches Erlebnis. Über 12000 Löwen feierten ihre U-23 in der alten Heimat. Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst. An dieser Stelle ein Dankeschön an die Dritte Mannschaft »grün-weiß München«, die sich diesmal freundlich und dezent im Hintergrund hielt, ohne unsere weiß-blaue Farbenpracht zu verunstalten.
 
GF gesucht
11.5.2008: Nach dem gerade-noch-Klassenerhalt der Profis und einer grenzwertigen Pressekonferenz ist Dr. Stefan Ziffzer nicht mehr Geschäftsführer der KGaA. Ein Nachfolger wird gesucht; Bewerbungen bitte an das Präsidium des TSV 1860, Grünwalder Str. 114, 81547 München. Zitat Sport1.de¹: [Ziffzer:] »Dieser Präsident ist eine Schande.« Von Linde hielt ihm kurz darauf entgegen: »Sie sind fristlos entlassen.« Inzwischen (15.5.) ist klar, dass beide Vize mit unterzeichnet haben. Nach einer Medien-Schlammschlacht mit einer für das eher ruhige Oberbayern unüblichen Dynamik hat Albrecht von Linde deutlich gemacht, dass er keineswegs an seinem Amt klebt und zu einer geordneten Übergabe an einen geeigneten Nachfolger bereit ist. Für September 2008 war sowieso eine Rotation innerhalb des Präsidiums vereinbart (mit Steiner, der allerdings sein Vize-Amt nie wirklich antrat).
 

Foto: Thomas Müther, BFV
 • KICKER, KÄMPFER UND LEGENDEN, eine Ausstellung der ev. Versöhnungskirche Dachau reist als Wanderausstellung durch die Lande (und kann auch angefordert/gezeigt werden) … … … … … Jüdische Sportler, Funktionäre und Journalisten haben den Fußball in Deutschland entscheidend geprägt. 1933 waren ihre erfolgreichen Karrieren schlagartig beendet. Bis zum 10. November 1938 durften Juden nur noch in jüdischen Vereinen spielen. Danach wurden alle Sportaktivitäten für sie verboten, und sie teilten das Schicksal aller europäischen Juden.
Teile dieser Ausstellung wurden in Februar/März 2009 beim Bayerischen Fußball-Verband im »Haus des Fußballs« in München gezeigt. Dazu gibt es im Löwenmut Nr. 8¹ ein Interview mit dem Vizepräsidenten des BFV, Reinhold Baier (Foto: Thomas Müther, BFV, Ausschnitt)

 
Gäste aus London:
Anfang Mai hatten wir Besuch von den »Old Sedcopians«¹, einer Freizeitkicker- und Fangruppe aus London. Im Löwenmut¹ Nr 7 gibt es einen ausführlichen Bericht darüber. Es war unter anderem sehr lustig. Hier ein Link zu den Fotos¹ der München-Tour. – Netter Abschluss: – Als einer der Gäste nach dem Besuch des »Paulaner-Krug« nur minimal bekleidet über die Straße tänzelte, kam – wer wohl – die Polizei daher. Auf die Erklärung, das seien hoch-ehrenwerte Gäste der Löwen aus London, meinte der Copilot des Streifenwagens: »Sind die alle halbwegs irgendwie ok? Nicht dass uns da jemand vor einen Bus läuft?«, gab sich dann immerhin mit der Auskunft zufrieden, ja, die seien allesamt im Vollbestiz ihrer geistigen Kräfte, außerdem führe um diese Zeit ja eh kein Bus. Dies leuchtete den Polizisten ein, sie wünschten einen guten Morgen und fuhren weiter auf ihrer edlen Mission für das Gute. Wirklich nette Leute, haben nicht einmal geschossen …
 
Nicht lustig:
Am 26.2.2008 drangen bisher Unbekannte in das umzäunte Gelände des GWS ein, beschmierten die Wand des Aufgangs G-H sowie den Sockel der Anzeigetafel und strichen den oberen Westkurvenbereich flächendeckend an – allerdings in einer nicht zu tolerierenden Farbgebung.
 

VERSAMMLUNGSGESETZ
In Bayern soll demnächst strafbar sein, wenn sich zwei bis drei Leute mit gleichen Schals öffentlich auf der Straße unterhalten. Nachdem nun mal auch Löwen als Versuchstiere für Bürgerkriegs-Übungen des SEK herhalten müssen, geht uns das mehr an als uns lieb ist. Näheres und Aktuelles dazu bei Verdi München.¹ Nötigenfalls dort etwas suchen.
 

Stadionverbote
Am 21.2.2008 wurde bekannt, dass der TSV 38 bundesweite Stadionverbote verhängt hat. Wir werden hierzu Stellung nehmen, sobald konkrete Einzelheiten auch außerhalb der Gerüchteküche bekannt werden. Wir sind gegen grundlose und willkürliche Hausverbote, haben allerdings auch keine Lust, uns versehentlich für die falschen Leute einzusetzen. Wir bleiben dran.
 
Hausordnung
Zur Rückrunde 2008 hat der TSV per Hausordnung die Einlassbestimmungen der Stadionordnung erweitert. Ziel ist, ein eindeutges Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung jeder Art zu setzen. Die Umsetzung wird kontrovers diskutiert – das darf und soll so sein –, doch begrüßenswert ist auf alle Fälle, dass jetzt eindeutige Regelungen bestehen, an denen man sich nicht vorbeimogeln kann. Definitiv haben Besucher, die Erkennungszeichen der »rechten Szene« tragen, keinen Einlass mehr. Dazu gehören auch Kleidermarken wie Thor Steinar. Damit soll keine Schikane gegen bestimmte Modegegenstände und deren Träger ausgeübt werden, sondern es soll verhindert werden, dass die Zielgruppe mit entsprechender Pseudo-Uniformierung weiter versucht, einzelne Blöcke zu dominieren. Zitat TSV: »Wer mit derartigem Gedankengut sympathisiert, ist bei uns Löwen nicht willkommen!«
 
DFB-Pokal
Am 29. Januar 2008 trafen Dany Schwarz (2:1, 83.), Mustafa Kučuković (2:2, 85.) und Fabian Johnson (2:3, 88.) in Aachen. Das Viertelfinale am 27.2. scheiterte in letzter Minute der Verlängerung – vielen Dank an die Foulspiel-Strategen – Weltklasse geht anders. Schade, das war ein unglaublich guter Kampf unserer Löwen! Der Wackelsieger darf sich nun (28./29.3.) am VfL Wolfsburg messen, Dortmund an Jena. Das losgrlück beschert den »Großen« Heimspiele und der Liga entsprechende Umsätze.
 
Ama-Testspiel 1:1
26. Januar 2008 – Beim Verkauf der Arena-Anteile übersahen hochdotierte Fachleute des TSV eine alte Vereinbarung, dass bis 2025 jährlich ein »Freundschafts-Derby« ausgetragen werden muss, und zwar finanziell komplett zugunsten der Arena-Finanzierung. Während U. H. groß auftrumpfte: »Wir nehmen das Derby sehr ernst und werden volle Pulle spielen, um zu gewinnen« (ZDF Sport, 24.1.¹), bot 1860-Trainer Kurz im Hinblick auf das bevorstehende Pokalspiel eine leicht verstärkte U-23 auf, die dann mit dem 1:1 von Manuel Duhnke in der 75. Minute klar machte, dass ein Heimsieg gegen 60 mindestens so schwierig ist wie ein Auswärtssieg gegen Bielefeld.
 

 

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