Das alte Spiel »Guter Fan – Böser Fan« wurde im August 2008 um eine besonders schwachsinnige Variante bereichert: Das Verbot der Fan-Organisation »CN« durch Weltmeister Reuter. Ein Gutes hatte die Aktion: Fangruppen, die sich in der Vergangenheit nicht besonders mochten, standen plötzlich vereint und solidarisch zur »CN« und gründeten einen Fan-Rat.

60 und die CN

Nach seltsamen Vorfällen beim Mannheim-Spiel des TSV-II am 15.8.2008 wurde in einer noch seltsameren »Hau-Drauf-Aktion« die »CN« faktisch verboten. Schon zwei Monate später hat der TSV diese Maßnahme zurückgenommen. Die von vielen Fans geforderte Entschuldigung kam zwar nicht, dafür gab es aber immerhin eine sehr brauchbare Einigung: Demnächst wird ein Fan-Rat entstehen, vielleicht ein Vorbote komplett anderer Strukturen innerhalb des TSV. Zukünftig sollen dort Probleme besprochen und gelöst werden, ohne vorher die Lokalpresse einzuschalten. Das begrüßen wir sehr. Die Fan-Kultur findet also doch wieder statt.

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Wer ist die »CN«?

Die »Guter Fan – Böser Fan«-Geschichte ist sattsam bekannt, sie soll hier nicht groß aufgewärmt werden.


»Mach das Fenster zu,
ich glaub, die Zukunft kommt!«

zitat: horst müller, futurologe


Auch das »friaras hods des ois ned geem«. Früher war nun mal alles früher, abgesehen von den Anpfiff-Zeiten am Samstag. »Früher« gab es ein Defezit an Toleranz, das wir uns ganz bestimmt nicht zurück wünschen. Und es gab eine Fan-»Kultur«, die beliebig ausgeübte Gewalt irgendwie lustig fand, und bei der Diskriminierung zum »guten Ton« gehörte. Auch das wünschen wir uns nicht zurück.

Es gibt verschiedene Arten, Fan zu sein, und es gibt nur ein paar wenige Dinge, die nicht zu tolerieren sind.


Versammlung der CN und solidarischer Fans am Streetwork-Bus – 17. August 2008 auf dem Parkplatz gegenüber der städtischen Betriebsanlage »Gut Marienhof«¹
(der Autor dieses Artikels ist nicht auf dem Bild, er fachsimpelt gerade hinter dem Bus mit Gerd, dem Piloten, über das Thema »Hubraum statt Spoiler«)

Nach dem Vorbild italienischer »Ultrà«-Fangruppen gründeten junge Löwen-Fans 2001 die »Cosa Nostra«¹, um mit Choreographien, Fan-Aktionen und lautstarkem Gesang für Stimmung in der Kurve zu sorgen.

»Cosa Nostra« heißt schlichtweg »unsere Sache«, und das sind nun mal unsere Löwen.
Wer die Anspielung auf die gleichnamige italienische Firma falsch versteht,
sollte seinen Wohnsitz am besten nach Stuttgart verlegen.

Klar, dass die CN bei manchen anderen Fans (etwa bei »Alt-Hools« oder konservativen Fanclubs) auf Ablehnung stießen – jung, laut, anders; damit kommt nicht jeder klar (auch wenn die meisten Leute selber mal jung waren, vielleicht sogar laut und anders als ihre etablierten Zeitgenossen). Auch im Verein, wo man lange ausschließlich die klassischen Fanclubs wahrnahm, hatte die CN wenig Freunde – unter anderem gab es teils wegen Nichtigkeiten Stadionverbote.

Dies änderte sich spürbar, als Fangruppen plötzlich anfingen, miteinander zu reden. So sind Freundschaften entstanden, und letztlich die Idee, zusammen einen Fan-Rat zu gründen – möglicherweise als Vorläufer einer eigenen Fan-Abteilung im Verein.

Nach wie vor ist eines der Hauptprobleme, das zur »Ultrà«-Kultur auch Feuerwerk gehört, und dass die Auflagen hierfür in Deutschland sehr streng sind (strenger als z.B. in der Schweiz, wo man nicht nur die landestypischen »Fruäfürzli« ganzjährig kaufen und zünden darf). Jedenfalls ist das mit Stadionverboten nicht zu lösen, egal wie man zu dem Thema steht.

Was leider sehr wenig gewürdigt wird, ist die Tatsache, dass die CN auf gefährliche Feuerwerkskörper verzichtet und sich schon seit langer Zeit auf Rauchpulver beschränkt hat. Entgegen einschlägiger Pressemeldungen handelt es sich dabei keineswegs um »Rauchbomben«, wie sie bei militärischen Übungen Verwendung finden. Derartige Übertreibungen helfen niemand. Rauchpulver raucht und stinkt und ist in seiner Giftwirkung vergleichbar mit der Atemluft an der Landshuter Allee.

Allerdings ist die Verwendung von Rauchpulver in Stadien durch die DFL verboten und führt zu Strafmaßnahmen gegen den jeweiligen Verein.

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15.8.2008 – Mannheim

Beim Auswärtsspiel der U-23 in Mannheim wurden Leuchtraketen abgeschossen. Diese haben die unangenehme Eigenschaft, nicht einfach nur zu leuchten, sondern anschließend als heiße, schnell fliegende Gegenstände irgendwo unkontrollierbar aufzutreffen. Zu Recht wurde das Spiel unterbrochen. Zu Unrecht wurde die CN dafür verantwortlich gemacht. Wochen später tauchte ein Polizei-Video auf (warum so spät? Hat da jemand das Band zum Entwickeln ins Labor geschickt?), der CN wurde nun angelastet, den Täter »gedeckt« zu haben – ein Vorwurf, den man jedem Stadionbesucher machen kann, wenn aus der Menge heraus irgendwelcher Mist gebaut wird. Schon zwei Monate später einigte man sich – immerhin.

Die LFGR haben auf die schwachsinnige Aktion, die CN faktisch zu verbieten, sofort reagiert und nachfolgenden Kommentar auf die Website gestellt. Die Reproduktion der Einigungs-Verkündigung durch den Verein ersparen wir uns und unseren Mitmenschen lieber.

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Stellungnahme der LFGR zum CN-Verbot


WIR TRAUERN UM DIE FANKULTUR BEIM TSV 1860 MÜNCHEN

Beim ersten Saison-Auswärtsspiel des TSV-II in Mannheim am 15.8.2008 wurden aus der Menge der 60er-Fans heraus Signalgeschosse in Richtung Spielfeld abgefeuert; das Spiel wurde für 1/2 Stunde unterbrochen. Alle relevanten Fan-Organisationen, insbesondere auch die CN, verurteilen derartige Gefährdungen anderer Menschen und arbeiten seit Jahren darauf hin, dass Derartiges jedenfalls aus eigenen Reihen nicht passiert – bisher mit Erfolg.

Die CN legt Wert auf die Feststellung, dass die Täter weder aus den Reihen noch aus dem Umfeld ihrer Fangruppe kamen.

Den Ordnungskräften gelang es nicht, den/die Täter dingfest zu machen, ebenso wie sie offensichtlich unfähig waren, einen massiven Angriff Mannheimer »Fans« mit Flaschen- und Steinwürfen auf die nach dem Spiel in der Gästekurve verbliebenen Löwen sowie auf Mannschafts- und Fanbusse zu verhindern.

Das alleine ist traurig genug. Doch die Führung von TSV-e.V. und KGaA hat dies noch getoppt und wird ihr Vorgehen bei der nächsten Delegiertenversammlung rechtfertigen müssen:

Am 21.8.2008 wurde über die Presse angekündigt, künftig die CN bzw. deren Fahnen und Symbole zu verbieten, darüber hinaus Stadionverbote nach wilhelminischer Tradition der Sippenhaft auszusprechen:
»Erstmals wird der TSV 1860 München auch eine Fan-Gruppierung kollektiv zur Verantwortung ziehen« (Zitat tsv1860.de¹).

Noch dazu war man sich nicht zu schade, diese offizielle Kampfansage mit Bildern, die völlig andere Szenen an einem anderen Ort darstellen, demagogisch zu verfälschen. Dies muss wohl als zumindest schwer vereinsschädigendes Verhalten seitens der Vereinsführung gewertet werden; eine andere Interpretation gibt es nicht.

Selbstverständlich wurde diese Aktion nicht mit dem für solche Dinge zuständigen und obendrein öffentlich finanzierten Fanprojekt abgesprochen, was de facto eine Rückkehr zur Vereinslinie vor dem 9.3.2004 bedeutet.

Die Löwenfans gegen Rechts verurteilen diesen Vertrauensbruch und die Kampfansage von Vereinsführung und KGaA gegen treue Fans unserer Löwen aufs Schärfste und fordern schonungslose Aufklärung, Rücknahme sowie eine offizielle Entschuldigung bei den Betroffenen wie auch bei all denen, die man damit vor den Kopf gestoßen hat.

Mit dieser Aktion hat die Führung von e.V. und KGaA die Arbeit – auch die unsere – von über vier Jahren weg von der Ausgrenzung, hin zu einer gemeinsamen Fan-Kultur ad absurdum geführt.

 

ALS LÖWENFANS GEGEN RECHTS BEKUNDEN WIR HIERMIT UNSERE SOLIDARITÄT MIT UNSEREN FREUNDEN DER CN!

 


Hier besagter Artikel, Stand 22.8.2008, als »screendump«, falls es jemand nicht glaubt:

tsv1860.de

Wir haben uns erlaubt, die beiden besonders fraglichen Absätze mit einem senkrechten schwarzen Balken zu kennzeichnen. Die Bildschirmfotografie ist vom 22.8.2008 gegen 22 Uhr; ohne dass wir dies beweisen können, scheint sie im Vergleich zur Vortagsversion schon ein wenig entschärft zu sein.



Wir distanzieren uns ausdrücklich von der propagandistischen Darstellung des Sachverhaltes.


Dieses Bild stammt offensichtlich aus dem Archiv und hat nichts mit dem Artikel zu tun, den es vermeintlich illustriert.


So geht das nicht, wirklich nicht.

 

Wir fordern die Verantwortlichen von e.V. und KGaA auf, diese Angelegenheit mit allen Beteiligten zusammen – und unter Einbeziehung des Fanprojekts der Stadt München – zu klären und aus der Welt zu schaffen, so lange noch etwas zu retten ist.

 


Um so erfreulicher die Solidatitätsaktionen aus allen erdenklichen Ecken der Fußball-Welt

Collage: »Cosa Nostra«¹

Stellungnahme der Cosa Nostra 1860 zur Pressemitteilung des TSV 1860 vom 21.8.2008

Heute Nachmittag veröffentlichte der TSV eine offizielle Presserklärung, in der neue repressive und willkürliche Maßnahmen in einer bisher noch nie da gewesenen Dimension gegenüber der aktiven Fanszene und insbesondere gegenüber uns, der Gruppierung Cosa Nostra 1860, bekannt gegeben wurden. Wir werden pauschal beschuldigt, die 'Ausschreitungen' in Mannheim und die damit verbundene Spielunterbrechung verursacht zu haben.

Wir wehren uns vehement gegen die in der Pressemitteilung des TSV 1860 genannten Maßnahmen, die für uns einem 'Existenz-Verbot' gleich kommen. Die Verantwortlichen der KGaA des TSV haben sich es wieder einmal einfach gemacht: Anstatt den gemeinsamen Dialog mit uns zu suchen BEVOR man nicht haltbare Anschuldigungen veröffentlicht, werden wir wieder einmal durch unseren Verein und die Presse für einen Vorfall verantwortlich gemacht, den wir als Cosa Nostra nicht zu verantworten haben. Man muss sich die Frage stellen, ob diese Aktion auch nur ansatzweise durchdacht wurde. Wir fragen uns insbesondere, ob es dem TSV 1860 jemals einfallen wird, sich einmal »in dubio pro reo« vor uns zu stellen, bis Beweise auf dem Tisch liegen. Bei diesem Vorgehen ist es auch nicht weiter überraschend, dass das Fanprojekt der Stadt München und die eigene Fanbetreuung zum wiederholten Male nicht an der Entscheidung beteiligt wurden.

Es handelt sich beim Verbot aller Utensilien der Cosa Nostra 1860 um eine erneute Pauschalverurteilung und Diskriminierung aller Mitglieder unserer Gruppe. Die Beschneidung grundlegender Freiheitsrechte, namentlich das Verbot von Materialien unserer Gruppe bei Heimspielen durch die Hausordnung, ist für uns ein skandalöser Vorgang. Auch die Androhung einer erneuten Welle von Stadionverboten ohne auf die momentane Beweislage Rücksicht zu nehmen ist für uns absolut nicht nachvollziehbar. Uns wird de facto die alleinige Schuld an den Vorfällen im Carl-Benz-Stadion in Mannheim gegeben und dass ohne bisher auch nur einen Schuldigen ermittelt zu haben.

Wir als gesamte Gruppierung Cosa Nostra 1860 distanzieren uns von dem Abfeuern von Leuchtraketen in Mannheim, einer sinnlosen und inakzeptablen Aktion und erklären hiermit, dass kein Mitglied unserer Gruppierung dafür verantwortlich ist! Die CN 1860 hat in ihrer fast 7-jährigen Geschichte noch nie Leuchtspurmunition verwendet und wird dies auch in Zukunft nie tun!

Wir behalten uns rechtliche Schritte vor, suchen jedoch auch weiterhin das Gespräch mit dem Verein und der KGaA und bekennen uns nur dessen schuldig, dass wir mit unseren Fahnen, Choreographien und Aktionen zu einem für alle Spieler und Fans unvergesslichen Ereignis beitragen wollen: Der besten Unterstützung für unseren TSV!

Unsere Farben – Unser Verein – Unsere Sache!

 


 

 

 

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