Aus Ärger, bei einer Hochzeit nicht geladen zu sein, warf die Göttin Eris¹ einen goldenen Apfel mit der Aufschrift »für die Schönste« in den Kreis ihrer Kolleginnen Hera, Pallas Athene und Aphrodite. Diese stritten sich fortan um dessen Besitz; die Trojanischen Kriege sollen daraus entstanden sein. Bei 60 streitet man sich auch gerne und heftig. Was sind die Gründe?

60 und der goldene Apfel

Natürlich gibt es bei 60 keinen goldenen Apfel; den hätte man längst verkauft. Doch ein Teil des ewigen Streits geht tatsächlich um geldwerte Dinge, ein anderer um die Vorherrschaft im Verein, wieder ein anderer um die (mit Verlaub) idiotische Zuordnung der nicht sportlich aktiven Fans zur Fußball-Abteilung.

Vorab: Diese Zusammenstellung ist keineswegs vollständig und wird wohl noch erweitert werden.

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Turnen, Sport und Fußball

Die Anfänge des Sports in der Neuzeit

Mit der Entwicklung eines neuen Natur-, Gesundheits-, Hygiene- und Körperbewusstseins im 19. Jahrhundert (von Friedrich Wolf über Rudolf Steiner bis Friedrich Ludwig Jahn quer durch die Palette unterschiedlicher Weltanschauungen) entstanden zahlreiche Turnvereine in Deutschland – elitär-schöngeistige Zirkel waren darunter, auch militaristische Körperertüchtigungs-Brigaden, Ausgleichssport-Gruppen für Arbeiter, auch gab es Sportvereine, die rein als Tarnung für ansonsten verbotene anti-monarchistische »Umtriebler« dienten. Letzteres war der Vorwurf, der zum Verbot des Voräufers unseres TSV führte.

Gründung von Verein und Fußballabteilung

Am 17. Mai 1860 war es dann so weit – die Gründung des »Münchner Turnvereins« wurde von Gnaden Max des Zweiten, König von Bayern, der der Kunst wie auch dem Fortschritt zugeneigt war, gestattet. Fußball spielte man damals bereits – in England. Bei uns konnte sich diese als disziplinlos verachtete und dem glücksspielerischen Zufall unterworfene Sportart erst um die Jahrhundertwende durchsetzen (ab 1899 gab es die TSV-Fußballabteilung, 1902 das erste Turnier), richtig akzeptiert wurde sie erst, als sie um 1900 olympisch wurde oder, nach anderen Quellen, als 1908 das Militär den Fußball als Übung für Team- und Kampfgeist entdeckte.

Aufbauarbeit, Stadionkauf und -verlust

Die Turner leisteten also von Anfang an Aufbauarbeit für die Fußballer, pachteten 1911 das heutige GWS-Gelände und errichteten dort in Eigenarbeit die erste Tribüne. Der Kauf des Grundstücks durch einen Mäzen kam dann 1924 zustande, zeitgleich mit der vom Turnerverband angeordneten Trennung der Turner vom restlichen TSV, die sich damit auch um die Früchte ihrer Förderarbeit gebracht sahen. Als 1934 die Abteilungen wieder vereint wurden, waren die Fußballer trotz hervorragender sportlicher Erfolge so hoch verschuldet, dass das Stadion an die Stadt München verkauft werden musste. Die Turner hatten also 25 Jahre lang aufgebaut, was die Fußballer in nur 10 Jahren unnötig verzockt haben. Als »Gegenleistung« blickten die »modernen« Fußballer auf die »altmodischen« Turner herab. Umgekehrt natürlich ebenso.

Neuanfang, Meisterschaft und Lizenzentzug

1959 hatte der TSV etwas über 3000 Mitglieder, zum Anfang der Bundesliga etwa 4000 und nach der Meisterschaft 1966 knapp 6500. Entsprechend stieg die Dominanz der Fußballer im Verein. Dennoch blieb kein Geld übrig, einziges größeres Besitztum des Vereins blieb die Turnhalle mit dem Vereinsheim in der Auenstraße.

Dieser Beitrag hat offensichtlich zu Missverständnissen geführt. Wir bitten in derartigen Fällen, uns einfach eine Mail zu schicken – es lässt sich alles klären.

Es geht hier nicht um Parteinahme, sondern alleine um die Tatsache, dass es schwere Vorwürfe von einigen Vereinsmitgliedern an andere gibt, die bisher leider nicht in einer für alle Beteiligten akzeptierten Form geklärt werden konnten.

Insbesondere wird hier nicht behauptet, eine Abteilung hätte eine andere betrogen. Es geht alleine darum, die schweren Vorwürfe, die nach wie vor zu Streit und Misstrauen führen, zu benennen.

Wir wissen insbesondere nicht, ob die Vorwürfe berechtigt sind – immerhin geht es um Dinge, die über zwanzig Jahre zurück liegen –, aber wir wissen, dass sie immer noch als ungelöstes Problem im Raum stehen. Und das darf man ansprechen, muss es sogar.

1980 wurde die Turnhalle verkauft; das Geld wurde festverzinst angelegt, um auf gepachtetem städtischen Grund eine neue Halle zu bauen. Immerhin konnte man zeitweise eine Baugrube besichtigen, doch nach dem Lizenzentzug 1982 (trotz Verkauf aller Spitzenspieler, u.a. Rudi Völler) war der Neubau nicht mehr zu finanzieren. Die Turner sahen das erlöste Geld selbstverständlich nie wieder; es wurde auf Beschluss der Mitglieder der Fußballabteilung »umgewidmet« und in den Bau des Jugendinternats gesteckt – so lautet jedenfalls der Vorwurf.

Wiederaufstieg und Mitgliederentwicklung

Mit dem erneuten Aufstieg 1995 stieg die Mitgliederzahl auf 11500 – mit der Regelung, dass (a) nur noch Mitglieder Dauerkarten kaufen können und (b) auswärtige Mitglieder den halben Preis zahlen, gar auf 23500 (Höchststand 2001).

Im Moment, 2007, hat der TSV etwas über 20000 Mitglieder, davon nur etwa ein Zehntel aktive Amateursportler. Sollte die Aktion »Mitgliederzahl verdoppeln« funktionieren, wird sich dieses Missverhältnis entsprechend erhöhen.

Die Turnabteilung gibt es nicht mehr, sie wurde vom Vereinsrat (ein bei 60 mit unüblicher Machtfülle ausgestattetes und von der Fußballabteilung dominiertes Gremium) nach der Wahl eines nicht genehmen Abteilungsleiters kurzerhand aufgelöst und den Freizeitsportlern untergeordnet.

Fazit

Naturlich gab es auch Situationen, in denen Turner und Tennisspieler sich in Entscheidungen der Fußballabteilung einmischten – vor der Auslagerung des Profi-Managements in eine Wirtschaftsgesellschaft –, doch hier geht es nicht um Aufrechnung. Es geht um die Dominanz einer übermäßig gewachsenen Abteilung, die für Streit-Stoff sorgt. Es geht um den Schutz der Interessen von Minderheiten, die den TSV genauso prägen wie die vielen Fans der Fußball-Profimannschaft.

Als Abhilfe könnte man sich vorstellen, nach dem Beispiel diverser Clubs, die nicht-aktiven Mitglieder (sprich: Fußballfans) aus der Amateurabteilung auszugliedern und den Amateuren mit einem eigenen Beirat in eigener Sache mehr Entscheidungsfreiheit zu geben.

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Machtverhältnisse und Vereinsstrukturen

Hierzu sei auf die Themen »Satzung« und »KHW« verwiesen. Die Notwendigkeit von Reformen und einer gründlichen Umstrukturierung sieht jeder, doch herrscht die Angst vor, man könnte dabei selbst irgendwelche Vorteile verlieren. Doch wie soll man den Löwen waschen, ohne ihn nass zu machen?

Auch diese Darstellung gilt dem Verständnis um die Vorgänge, die zu der Entfremdung von Fangruppen führte, nämlich um Ausgrenzung zugunsten machtpolitischer Vorteile. Der Autor ist der Ansicht, dass man Probleme erst dann wirksam beheben kann, wenn man sie erkannt hat.

Die Fragestellung ist hier also: »Wo liegen die Probleme?«, es geht nicht um die Schuldfrage.

Ein spezielles Problem ist die Rolle der »Arge«, ehemals als Vertretung der Fanclubs gegründet, und von KHW zum Machterhaltungs-Instrument umgebaut. Sie sieht sich zum Teil immer noch als alleinige Vertretung für alle Fans – ein Anspruch, den sie (ebenso wie andere Gruppierungen) nicht erfüllen kann. Zumal deren Mitglieder überwiegend Nicht-Münchner sind, einschließlich Vorstand. Es gibt viele Fanclub-Mitglieder, die diesen Anspruch gerne revidieren möchten; möge die Vernunft siegen.

Unter anderem wurde unter KHW dafür gesorgt, dass die Delegierten für die Hauptversammlung ausschließlich aus Reihen der Arge kamen – anderweitige Kandidaten-Vorschläge wanderten in den Müll. Dies hat sich erst 2006 mit der Gründung des Pro-1860 e.V. und dessen gemeinsamer Liste geändert; vereint konnte man die bis dahin unorganisierten Fans nicht mehr ignorieren. Doch auch dies hat in gewisser Weise weiter polarisiert, so hat eben jeder (Streit-) Apfel zwei Hälften.

Zum Glück finden sich aus allen Lagern Leute, die miteinander sprechen, die Probleme gemeinsam lösen wollen. Vergessen wir die mal nicht.

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Misstrauen

Das größte Problem ist das Misstrauen, die prinzipielle Annahme, das Gegenüber führte Böses im Schilde. So auch im Falle der Diskussion um diesen Beitrag. Die eine oder andere Gegenüberstellung kontroverser Ansichten wäre durchaus geeignet, die Sachlage weiter zu klären bzw. dem nach Information suchenden Leser zu verdeutlichen, wo der Löwe begraben ist. Mögen sich doch alle Beteiligten darüber im Klaren sein, dass auch die erbittertsten Gegner in der einen oder anderen strittigen Frage schließlich alle Mitglieder, Fans oder Freunde des TSV sind.

Wir veröffentlichen gerne auch abweichende Darstellungen zu unseren Artikeln. Wir halten unsere Mit-Löwen für durchaus kritikfähig genug, sich aus unterschiedlichen Quellen zu informieren, und dann selbst zu entscheiden, was sie glauben wollen. Gleichschaltung, Zensur und Diktatur haben sich in der gesellschaftlichen Evolution nun mal nicht bewährt.

 

 


Wie oben gesagt, gibt es selbstverständlich noch mehr Streitpunkte. Bei Gelegenheit wird das Thema fortgesetzt.

 

 

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