Hier die einzig wahre und historisch richtige Geschichte, wie es zum Bau der Arena in Fröttmaning und zur Namensgebung kam (Vorsicht: Satire), ein paar Geschichten, die niemand glaubt, und noch eine lustige Geschichte zum Ausgleich
Fußball ohne Fans ist wie Butterbrot ohne Brot. Der TSV 1860 hat die besten Fans der Welt: Sie lassen beinahe alles mit sich machen! Aufgemerkt, ihr Offiziellen: BEINAHE alles!
Zentrales Thema ist hier natürlich die Frage nach der Heimat, die Entfremdung, auch die Sorge um die Zukunft unseres Vereins, der sich u.a. ein Denkmal gebaut hat (genauer: ein halbes Denkmal, dessen Hälfte ihnen jetzt auch nicht mehr gehört), gegen das Neuschwanstein und alle anderen Schlösser Ludwigs des Zweiten geradezu verblassen.
Ich möchte euch eine Geschichte erzählen. Genau so hat sie sich natürlich nicht zugetragen, aber dann wäre das ja keine Geschichte.
Andere Leute erzählen schließlich auch Geschichten: Die vom Olympiastadion zum Beispiel, dass es halt nicht WM-tauglich sei. Doch genau für dieses Stadion hat München den Zuschlag als Austragungsort für sechs WM-Spiele 2006 bekommen. 1974 gab es dort bereits WM-Spiele, und zur Olympiade 1972 fasste das Stadion mit einer zusätzlichen Tribüne sogar 80000 Zuschauer. Lediglich ein Sachzwang steht den WM-Spielen 2006 im Wege: das »I WUII ABAA!« eines maßgeblichen Menschen im »Big Boii Bisiness«.
Was da nicht alles im Gespräch war: Abriss oder Totalumbau des Olympiastadions, ein Neubau im Olympiapark (ein Stadion neben dem Stadion), oder ein Neubau auf dem Land (mit Bus-Anbindung durch den Regionalverkehr Oberbayern). Nun, es kam mal wieder anders, ganz anders.
Nach der Devise »homm woin damma schoo, zoin woin damma oba need a soo« (O-Ton »Bisiness-Boarisch«) kam der Franz auf den genialen Plan: An Wuidmosa bsuffa machn und an Baddnaschafds-Pfaddrag unddaschreimm lassn. »Gäh her, Heinzerl, mir sanndd doch mia, undd mia schreimm uns uns, mia zwoa, duu und ii!« So kam es zur prominentesten eingetragenen Partnerschaft der Stadt, zur Stadion-GmbH.
Der Franzl ist dann zum Obi gefahren und hat den ersten Zementsack gekauft. Das hat richtig Eindruck gemacht. »Dhis sack gontains dhe seed for a concrete billding«. Blitzlichtgewitter der Pressefotografen. »Bin ii aa schee gnua drauf, und hobbds aa an Fuim drin?« Der Mann weiß, wie es geht.
Und schon kamen, einer Parade gleich, die dunkelblauen Limousinen der Banker vorgefahren. Die Chefs stiegen aus, huldigten und ließen viele, viele Scheine da. Oft in Alditüten eingepackt, weil die Geldkoffer ausverkauft waren. Ein Traum wurde wahr, hundert Prozent Fremdfinanzierung im Handstreich. »Dieses Stadion wird uns keinen Pfennig kosten!«, schwärmte der Franz.
»Keinen Cent. Gestatten, mein Name ist auch Kaiser, ich komme von einer großen Versicherung«, meinte ein gut gekleideter Herr, der sich unbemerkt ins Getümmel gemischt hatte. »Und wenn jetzt eine Geldbombe explodiert, was dann? Keine Bange, ich habe einen Versicherungsvertrag dabei. Und einen Stift. Ein Parker mit Brilliantclip. Können Sie behalten.« Das ließ sich der Franz nicht zweimal sagen und unterschrieb. So kam es, dass das Stadion jetzt diesen komischen Namen hat.
Wie gesagt, das ist nur eine Geschichte. Und es gibt noch viel, viel mehr Geschichten zum Stadion-Neubau, zur Partnerschaft, zur Finanzierung, zur Namensgebung, und wer wem wofür wieviel Schmiergeld abgeschachert hat. Nur glauben kann man keine Geschichte so recht. Doch das macht nichts, weil Glaubensfragen löst der Ratzinger in Rom.
Entsprechend unterschiedlich war die Einschätzung unter den Fans und in der Presse. Von »dieser Größenwahn wird uns ruinieren« bis »der liebe liebe Franziii schenkt den Löwen ein halbes Stadion« kann man alles nur Erdenkliche hören oder lesen. Die Einen befürchten den totalen Identitätsverlust, die Anderen hoffen auf viele neue Fans (ein Wunschtraum, der 1996 beim Auszug aus dem GWS jedenfalls nicht wahr wurde). Es kamen jedenfalls viele neue Besucher, um die Arena zu erleben. Ob sie Fans geworden sind, ist zweifelhaft. Mit Platz 13 in der 2. Liga zumal.
Dabei fing die Saison 2005/06 doch so gut an mit Eröffnungsspielen, bei denen 60 vor vollem Haus glänzte, mit einem Sieg und Platz Eins im ersten Heimspiel den Rest kennt ihr ja.
Der Aufstieg war Pflicht, anderenfalls drohe die Pleite. Der Aufstieg kam nicht, die Pleite auch nicht: Sie war nämlich schon längst da. Nach dem Motto »Wer ko, der ko« hat man kurzerhand die Insolvenz der Geschäftsführungs-GmbH vertuscht. So ähnlich wie 1982. So, wie man das in Bayern eben macht.
Fakt ist, dass der Tempel nicht bezahlbar ist jedenfalls nicht für 60. Der neue Geschäftsführer hat im Mai 2006 die Löwen-Anteile an der Arena-GmbH verkauft. Und gleichzeitig vertraglich festgelegt, dass die 60er weiter zahlen und weiter die Arena nutzen. Und eine nette kleine Geschichte erzählt.
»Wenn wir einmal reich sind, im Jahr 2010, dann kaufen wir die Anteile zurück. Das kostet dann 23 Millionen. Ich habe schon immer viele Millionen ausgegeben, auch beim Fernsehen, ich weiß, was Millionen sind. Wo wir die her kriegen? Aus den Eintrittskarten nicht, denn die Erlöse gehen für die Arena-Miete drauf. Aber genau so, wie sich die Arena von selbst finanziert, genau so kommen auch die Millionen zu uns. Irgendwann kommt ein LKW mit einer Palette, die fast 300 Kilo wiegt, und liefert sie bei 60 ab. Da sind 46000 Geldscheine drauf, lauter Fünfhunderter. Ja, das nehmen wir dann und kaufen die Anteile zurück.«
Also, meine Geschichte gefällt mir besser. Deshalb setze ich noch eine lustige Geschichte drauf, damit die Seite nicht so traurig endet.

Nachdem ich mir gestern/heute die halbe Nacht mit dieser Webseite um die Ohren geschlagen hatte, war es kein Wunder, dass ich von den 60ern träumte:
Dereinst stritt man sich schon wieder im Präsidium, und Mitglieder und Fans brannten darauf, diesem Treiben ein für alle Mal ein Ende zu bereiten: Wenn diese Roten einen Kaiser hatten, dann gebührte uns doch mindestens ein König! Ja genau, ein König musste her! Weg mit den Vorständen, weg mit Kandidatengerangel, Zwist und Streit! Macht die verdienteste Vorstandsfamilie zur Royalen Dynastie!
Wenig später saß er da, auf seinem Thron, in blau besetztem Hermelin bekleidet. Eitel Sonnenschein herrschte unter den Lakaien, Spielern und Fans. Da sprach der König zu mir: »Ehre und Ruhm stehen Uns wahrlich gut, findet Er nicht auch? doch fad ist Uns, furchtbar fad. Kein Widerwort, keine Faxen mehr hinter Unserem Rücken« »Oh großer König aller Löwen«, antwortete ich ihm, »ich meine wohl, dass Ihr einen Hoffnarren braucht, der Euch das Herz erfreuet! Lasst Einen von uns Euer Hofnarr sein!« und so geschah es.
Der große König der Löwen bekam seinen Hofnarren, der ihm das Herz erfreute und da der ihm immer die Wahrheit sagen durfte, kam es, dass es bei den 60ern nie wieder falsche Entscheidungen gab
und alles wurde gut
Und als ich aufwachte,
musste ich einsehen,
dass dieser
Traum
niemals
wahr werden kann:
Niemand von uns lässt sich zum Narren
machen.