Zahlen zur Arena und zur »Rückkaufsoption«, der Kuhhandel mit den Roten, dazu Auszüge aus dem ersten ergiebigen Interview zum Thema mit Herrn Dr. Ziffzer, dem kaufmännischen Geschüftsführer der GmbH (Leider keine Satire). Die Protestaktion (es war abstoßend, aber notwendig) dazu findet ihr im Inhaltsverzeichnis.

Der Kuhhandel

Zahlen zu 60 in Fröttmaning:
 • Stadionmiete 2005/2006 für 1860: 3 Millionen Euro pauschal
 • plus 10 Prozent der Einnahmen aus den Eintrittskarten (0,85 Mio aus 17 Heimspielen)
 • plus Miete der Werbebande 1 Mio
 • plus »Catering« 2 Mio
 • Gesamtkosten knapp 7 Millionen Euro für diese Saison, Einnahmen durch Karten: knapp 8 Mio.
 •
Ein schlecht besuchtes Kleinstadion (Schnitt 15000 Zuschauer) hätte alleine durch Eintrittskarten locker 2,5 Mio Gewinn gebracht …

Zahlen zur Arena:
 • Einnahmen aus dem Spielbetrieb pro Jahr ca. 14 Mio.
 • Einnahmen aus Ladengeschäften und Gastronomie: Wahrscheinlich Null, weil die Betreiber Arena-Sponsoren bzw. Dauermieter für den Rasen sind.
 • Einnahmen aus Sponsoring und sonstigen Erlösen (je nach Quelle) 10-15 Mio.
 • Einnahmen aus VIP-Logen: 10 Mio.
 • Bauunterhalt und Betriebskosten: unbekannt; je nach Schätzung 5-10 Mio.
 • Die Tilgungs- und Zinskosten betragen, da komplett fremdfinanziert, insgesamt 30 bis 40 Mio jährlich – je nach dem, wie die Schätzungen die Anteile an günstigen Bankkrediten und teuren Investmentkrediten gewichten.
 • Es bleibt also ab 2007 (nach der WM und den damit verbundenen einmaligen Einnahmen) mit einem jährlichen Fehlbetrag von 5-10 Mio zu rechnen, oder mehr, falls das Fußballinteresse nach der WM nachlassen sollte.
 • Dieser Fehlbetrag von 100 bis 200 Mio (in der Laufzeit von 20 Jahren) ist nur durch nachträgliche versteckte Subventionen aufzubringen.
 • Dazu kommen die öffentlich getragenen Erschließungskosten (150-200 Mio, je nach dem, was die Quellen jeweils einrechnen) und der Verzicht auf Mieteinnahmen für den Gewerbegrund.
 • Insgesamt also kein Gewinn für München, sondern ein teurer Spaß für den städtischen Etat.

Zahlen zum Kuhhandel:
 • Der FC B***** zahlt 11 Millionen an 60 für deren Anteile an der Arena-GmbH. Diese Summe wird in drei Raten ausbezahlt, der Großteil vermutlich direkt an Gläubiger (z.B. Arena-GmbH).
 • Der TSV kann in drei oder vier Jahren die Anteile zu 6,5 Prozent Zins zurückkaufen. Nach vier Jahren betragen alleine die Zinsen 2,6 Mllionen Euro (Grundlage: drei jährliche Teilzahlungen in gleicher Höhe, nur die tatächlich ausbezahlten Teilbeträge zu verzinsen).
 • 60 zahlt (als Zweitligist) bis zum Rückkauftermin nur 1 Mio (bei Abstieg 0,5 Mio) statt 3 Mio Grundmiete pro Saison, muss den Rest jedoch bei Anteilsrückkauf zum gleichen Satz verzinst zurück zahlen. Bei vier Jahren 2. Liga in der AA werden also weitere 9,3 Millionen fällig
 • Der Rückkauf der 2006 für 11 Millionen Euro abgegebenen Anteile würde 2010 also über 22 Millionen kosten – zwar bei gleichzeitiger Wertsteigerung durch Tilgung – dennoch eine Illusion, die als Option anzupreisen untragbar ist.

Die Profi-Abteilung von 1860, die Geschäftsführungs-GmbH der ausgelagerten KGaA, ist seit Jahren nicht mehr in erforderlichem Maße zahlungsfähig und hätte nach geltendem Recht längst Insolvenz anmelden müssen. Strafrechtliche Konsequenzen stehen noch aus. Die neue Geschäftsführung (Ziffzer) hat nun am 27. April 2006 die Insolvenz erst einmal dadurch abzuwenden versucht, dass er seine Kumpels aus der S*benerstraße angepumpt hat. Er erhält nun 11 Millionen Euro für die Anteile an der Arena-GmbH (mit Rückkaufklausel), um laufende Rechnungen begleichen zu können. Für die Lizenzauflagen der DFL reicht der Betrag allerdings nicht. Viele Mitglieder und Fans sind stocksauer, fühlen sich verraten und verkauft. Die Abmachung, dass die 60 (egal in welcher Liga) mindestens bis 2010 zu diktierten Tarifen im FC******-Stadion weiter spielt, dürfte eine persönliche Absprache zwischen den alten Spezln Ziffzer und H***** sein – rechtlich geht eine Koppelung mit dem Anteilsverkauf wohl kaum. Woher Ziffzer die 15 Millionen für die DFL-Lizensierung zum Verbleib in der 2. Liga nehmen will, war nicht zu erfahren.

… 10. Mai 2006: Die ersten klaren Worte von Dr. Ziffzer
(Quelle: Merkur Online¹)

MO: Der Eindruck in der Öffentlichkeit ist nun, dass die Blauen am Tropf der Roten hängen.
… weil man den Deal vielleicht immer noch nicht richtig verstanden hat. Es wird immer noch von einem Kredit gesprochen. Wir haben Anteile verkauft, wir sind raus aus dem Stadion. Wir sind Mieter …
Wer immer sich in der Vergangenheit dafür eingesetzt hat, dass 1860 als gleichgewichtiger Partner in dieser Arena spielt und sie besitzt, und gleichzeitig einen Mietvertrag unterschrieben hat, der egal für welche sportliche Situationen unveränderte Konditionen vorsieht, der sollte sich gut überlegen, was er sagt. Wer immer das war.
MO: Das war Wildmoser.
Ich bin heute noch nicht willens, öffentlich zu sagen, wer da was gemacht hat. Aber diese Entscheidung war für den Verein gravierender und katastrophaler als alle Entscheidungen, über die spekuliert wird.
Normalerweise haben Sie in einem Stadion eine Mietbelastung, die ungefähr zehn Prozent der Einnahmen abdeckt. Das war auch im ersten Partnerschaftsvertrag so vorgesehen. Wenn wir diese Konditionen noch hätten, wäre in dieser Saison im Himmel Jahrmarkt gewesen. …
Wir zahlen diese zehn Prozent nach wie vor, aber nur auf den regulären Kartenverkauf. Wir zahlen darüber hinaus eine Garantie von drei Millionen Euro für die Business-Seats, dazu eine Million, damit die Werbebanden überhaupt zur Verfügung gestellt werden, und darüber hinaus rund zwei Millionen für den Caterer. Alles klassenunabhängig.
MO: Macht sechs Millionen Euro Garantiesumme. … 1860 hat mit einem Saisonschnitt von fast 43000 Zuschauern einen Rekord aufgestellt. Durch die Mehreinnahmen aus dem normalen Kartenverkauf lassen sich die Mindereinnahmen bei den Business Seats nicht ausgleichen?
Nein. Diese Garantie, drei Millionen Business Seats plus eine Million Werbung, ist unabhängig von allem anderem zu leisten. Dadurch hat die Arena acht Millionen pro Jahr, dazu kommen die Logen, die sie allein vermarktet, und das Sponsoring der Allianz. Das ist das wesentliche Finanzierungspotenzial. Die variablen Karteneinnahmen sind im Verhältnis zum Rest fast nur ein Tropfen auf den heißen Stein. …
Rechnen wir mal mit glatten Zahlen. Ein Schnitt von 60000 Zuschauern, das heißt, knapp eine Million in der Saison. Bei uns ist die Einnahme im Schnitt 12 Euro pro Kopf – macht zwölf Millionen im Jahr. Zehn Prozent davon sind 1,2 Millionen. Das ist das Maximum, was sich die Arena aus der normalen Miete erwarten könnte. …
Wir können keine Bedingungen akzeptieren, wo wir offenen Auges ins Verderben rennen. Das mit einer Dolchstoßlegende den Bayern in die Schuhe zu schieben, halte ich für zu kurz gegriffen. Es gab Leute, die für Sechzig diese Verträge unterschrieben haben. Das hätte nie passieren dürfen. Nie. Der Geburtsfehler liegt darin, dass man die Verträge unterschrieben hat. …
Was dann in der Folge passierte, ungefähr vor Jahresfrist, ist, dass man in der Unkenntnis der Realität falsche Annahmen getroffen hat über die Vermarktungsmöglichkeiten der Arena. …
Man hat Geld ausgegeben, weil man entweder nicht erkennen wollte oder nicht erkennen konnte, dass man das Geld eigentlich gar nicht mehr hat. Es kann ja nicht sein, dass ich am 1. April komme und am 5. April feststelle, dass wir insolvent sind. Da muss ja vorher was passiert sein.
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Kirch lässt grüßen …

Gut informierten Quellen zufolge kann auch die Stadion-GmbH in Zukunft ihre laufenden Zins-, Tilgungs- und Unterhaltskosten nicht decken. Dieses Jahr (2006) ist noch alles in Ordnung, da die WM viel Geld bringt. 2007 dürfen wir mit einer Überraschung rechnen, vielleicht auch erst 2008. Plan (oder besser gesagt: Wunsch) und Realität passen nicht zusammen. Wenn die Blase platzt, haben die (nicht öffentlich benannten) Gläubiger und Bürgen ein Problem. Wir können davon ausgehen, dass letztlich die Bayerische Landesbank gebürgt hat, aus Steuermitteln, versteht sich. Wir hamms ja.

Jedenfalls war das bei Kirch so. Wir erinnern uns an den Medien-Jungunternehmer mittleren Alters, der über Bezahl-Fernsehen nicht nur für sich, sondern auch für die ganze Bundesliga Goldene Zeiten versprochen hat. Er hat dann schon mal viel Geld verteilt, damit ihm die Sportfunktionäre seinen Schmarrn auch glauben. Wie wir wissen, ist die Rechnung nicht aufgegangen – draufgezahlt hat letztlich die Landesbank, sprich: der Freistaat, der Steuerzahler. Und zwar richtig viel Geld.

»Aus Schaden wird man klug«, sagt der Volksmund. Vermutlich einer der verhängnisvollsten Irrtümer der Menschheit. Der Geschäftsführer der Kirch Media AG hieß Ziffzer. Er ist mit unserem jetzigen (Mai 2006) GmbH-Geschäftsführer nicht verwandt – es handelt sich um die gleiche Person. Der Vorstandsvorsitzende der Landesbank hieß Lehner, auch er ist mit unserem jetzigen Präsidenten nicht verwandt, sondern identisch. Beide haben nicht gelernt, dass man aus einem Projekt, das sich nicht rechnet, sofort aussteigt. Statt dessen wurde ein völlig absurderer Finanz-Traum durch einen anderen ersetzt.

Wer in einem öffentlichen Amt scheitert, wird Honoratior bei einem Fußballverein, so wie die Ex-Kultusministerin jetzt bei 60 im Aufsichtsrat sitzt. Wer in einem Wirtschaftsunternehmen scheitert, ebenso. Aber was passiert, wenn man dann bei den Kickern scheitert? Nichts, denn zum Glück gibt es ja die Politik. Schließlich wurde der Ex-Löwenpräsident Riedl nach Pleite und Zwangsabstieg ja auch nicht in den Knast gesteckt, sondern er wurde Finanzexperte bei der CSU. Um die Herrschaften muss man sich also keine Sorgen machen.

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Wir haben Heimweh!

60erMag das FC*-Stadion modern, groß, laut und gewaltig sein – es ist zu teuer, es macht uns zu den »Kleinen Bayern« – ja, das müssen wir uns jetzt dauernd anhören, sogar von Freunden! – es gehört nicht uns, es gehört nicht unserer Stadt – es gehört denen, mit denen wir nichts zu tun haben wollen. Wir gehören da jedenfalls nicht hin.

 

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