Zum Saisonstart 2006/07 wackelten die Stühle, dass man meinen könnte, ein Erdbeben wäre auf das andere gefolgt. Hier die Chronik und ein Ausblick auf die Delegiertenversammlung 2006
Die Folgen des »Systems Wildmoser« sind heute noch spürbar: Die Satzung wurde so weit abgeändert, dass die Macht auf ganz wenige Personen im Verein konzentriert ist. Somit verzögert sich der viel beschworene Neuanfang auf unbestimmte Zeit.
Der Verbleib der Mitgliedsbeiträge der Abteilung (die Rede war von etwa einer Million Euro) sorgte für kontroverse Diskussion, ebenso für Vorwürfe gegen den Abteilungsleiter. Der Kassier wurde nicht entlastet.
Andreas Kemmelmeyer wurde am 21. Mai 2006 als Leiter der Fußball-Abteilung wiedergewählt, Gegenkandidaten gab es nicht.
Präsident Lehner hat sein Amt zur Verfügung gestellt; er war von vorne herein nur als Übergangskandidat angetreten. Im Aufsichtsrat ist nun doch Otto Steiner nachgerückt, der dies anfangs abgelehnt hatte und jetzt als Kandidat um die Nachfolge Lehners gilt.
Auf der Mitgliederversammlung 2006 der Fußballabteilung wurden alle Kandidaten der Liste »Pro-1860«, die als Gegengewicht zur Fanclub-Arge antrat, als Delegierte gewählt. Auch in Reihen der Arge gab es einige Umstrukturierungen, offenbar haben ein paar Hardliner ihre Ämter abgegeben. Es gab einige Gespräche zwischen den einst stark rivalisierenden Fan-Gruppierungen, sogar in Sachen Stinkfahne. Die Arge scheint sich von ihrem Anspruch, alleinige Vertretung der gesamten Fan-Szene sein zu wollen, zu verabschieden.
Die Fanbeauftragte des TSV, Jutta Schnell, betreut weiterhin die Fanclubs und hat zur Unterstützung zwei neue Kollegen aus dem Bereich der Münchner Fans bekommen: Axel Dubelowski, als »loewenbomber« in diversen Foren bekannt und Alex Rieger, Mitbegründer der Initiative »Pro-1860«. Die Zusammenarbeit verläuft erstaunlich gut.
KGaA-Geschäftsführer Ziffzer hat erstmals Bilanzen veröffentlicht, was auch von seinen Kritikern sehr begrüßt wurde.
Nachdem der Wahlausschuss klar gemacht hatte, dass es nur eine Vorschlagsliste für den Aufsichtsrat (Amtszeit laut Satzung drei Jahre oder bis zum Ausscheiden von mehr als zwei Mitgliedern) geben wird, einigten sich die Arge und Pro-1860 auf eine gemeinsame Liste.
Manchen Beobachtern war all die Harmonie schon höchst verdächtig und womit? Mit Recht!
Entgegen üblicher Gepflogenheiten wird der Wahlausschuss beim TSV nicht von den Mitgliedern, sondern vom Vereinsausschuss gewählt, der seinerseits aus dem Präsidium, den Leitern der Abteilungen, den Jugend- und Seniorenvertretern besteht sowie einem Vertreter des Aufsichtsrats (ohne Stimmrecht). Diese Konstellation diente einst der Machterhaltung und erschwert jetzt, konsensfähige Kandidaten zu nominieren.
Nach der Entscheidung des Wahlausschusses, für die Aufsichtsratswahl nur drei der insgesamt acht von Pro1860 vorgeschlagenen Kandidaten zu nominieren, haben sich die Kandidaten Christoph Öfele, Karl Rauh und Christian Waggershauser ihre Kandidatur in der vom Wahlausschuss vorgestellten Konstellation zurückzuziehen.
Pro1860, ARGE und Otto Steiner hatten sich am Sonntag Vormittag auf eine gemeinsame Liste für die Wahl des Aufsichtsrates geeinigt und diese dem Wahlausschuss vorgelegt. Der Wahlausschuss lehnte diese gemeinsame Liste, die in der Delegiertenversammlung voraussichtlich mehrheitsfähig gewesen wäre, ab.
Pro1860 und die von Pro1860 vorgeschlagenen Kandidaten haben stets betont, dass ihr Weg von Transparenz, Ehrlichkeit und Offenheit gekennzeichnet ist und weiterhin sein wird. Die drei nominierten Kandidaten haben daher den Wahlausschuss über ihre Rückzugsentscheidung unter den vorgelegten Bedingungen informiert.
Rainer Volkmann, Vorsitzender des Wahlausschusses war etwas verärgert. Der Grund: Die drei Kandidaten aus der Gruppierung PRO 1860 waren kurzfristig abgesprungen. »Die Einladung für die Delegiertenversammlung geht morgen mit sechs Namen raus um die vorgeschriebene Frist zu wahren.«
»Wir haben eine sehr ungewöhnliche Situation«ö, erklärte Volkmann, der PRO 1860 noch ein Hintertürchen offen lassen will. Die Fan-Gruppierung hat am Montag, 09.10.2006, ein Treffen. Dabei kann sie ausdiskutieren, ob sie das Angebot mit den drei Aufsichtsratsplätzen annehmen möchte. Ansonsten würden für Christian Wackershauser, Karl Rauh und einem dritten Kandidaten, der nicht genannt werden wollte, Prof. Dr. Peter Lutz, Manfred Schwabl und Dr. Carl Woebcken nachrücken. Spätestens am Dienstag sollen die Briefe an die Delegierten mit den drei weiteren Namen verschickt werden. Bisher hat der Wahlausschuss sechs Kandidaten benannt. Mit Christian Ude, Alfred Heiß und Otto Steiner gehören drei bereits dem bisherigen Aufsichtsrat an. Dazu kommen noch Josef Brauner, Prof. Curt Cress und Dr. Dirk-Reiner Martens.
Der Wahlausschuss dagegen favorisiert nach wie vor ein 3:3:3-Verhältnis drei Kandidaten aus dem Umfeld von Otto Steiner, drei von PRO 1860 und drei von der ARGE, der Arbeitsgemeinschaft der 1860-Fanklubs.
Egal wie es jetzt weiter geht, hofft Volkmann, dass die Delegiertenversammlung am 23. Oktober 2006 auf alle Fälle den Präsidenten bestätigt. »Dann kann Herr Lehner bis März 2007 im Amt bleiben, und der neue Aufsichtsrat hätte genügend Zeit, sich auf einen neuen Präsidenten zu einigen«.
Die ursprüngliche Vorschlagsliste von Pro-1860: Als Präsident Karsten Wettberg (Postoberamtsrat a.D., Fußballtrainer), als Vize und Schatzmeister Dr. Albrecht von Linde (Unternehmer), für den Aufsichtsrat Hans Hee (Unternehmer), n. n. (Abteilungsdirektor der Bayerischen Landesbank i.R.), Peter Janka (Mitglied der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung), Willi Mantel (Unternehmer), Christoph Öfele (Geschäftsführer), Karl Rauh (Sportpädagoge, Dozent und Ausbildungsleiter für Sportlehrer), Christian Waggershauser (Kaufmann, Betreiber der Muffathalle) sowie Peter Zacher (Ehemaliger Löwen-Profi, Verwaltungsangestellter für Bauwesen und Wasserversorgung). Neuntes Aufsichtsratsmitglied sollte nach allgemeiner Übereinstimmung OB Ude bleiben.
Karsten Wettberg zur Presse: »Ich werde auf der Versammlung [Pro-1860, 9.10.2006] sagen, dass es nicht gelungen ist, uns zu sprengen. Zumal wir bis an die Grenze der Kompromissfähigkeit gegangen sind.«
Zitat TZ¹, 9.10.2006: Rainer Volkmann: »Diese Forderungen haben die Arbeit des Wahlausschusses sehr schwer gemacht. Vom Stil her war das Ganze eine Zumutung für den Verein«. Und er schob als Begründung hinterher: »Wir wollen keine Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat.« Vor allem keine, die einen Präsidenten Wettberg gebären könnten. Dieses Eindrucks konnte man sich nicht erwehren auf der gestrigen Pressekonferenz. Als beispielsweise die Rede darauf kam, dass Wettberg OB Ude von der neuesten Entwicklung informieren wolle, knurrte Josef Seidl vom Wahlausschuss: »Wos geht n des an Wettberg o«.
Eines kann man schon vorher sagen: Sie wird interessant werden. Es wird der Entwurf der neuen Satzung vorgestellt werden, möglicherweise wird ein neuer Präsident gewählt (Ex-Trainer Karsten Wettberg / Medien-Manager Otto Steiner), auf jeden Fall muss der Aufsichtsrat neu gewählt werden. Die Kontroverse um die vorgeschlagenen Kandidaten und die Weigerung des Wahlausschusses, mehrere Listen zur Wahl zu stellen (vgl. Satzung Par. 14.3.3), garantieren jetzt schon eine gehörige Kontroverse.