März 2008, Fanheim, jemand legt einen alten »Löwenzahn« auf den Tisch. Wir blättern das Heft durch und finden einen Artikel mit Interview des damaligen Präsi KHW. Uns hat es die Sprache verschlagen, jedenfalls für einen Moment: 1994, also ein Jahr vor seinem Sinneswandel, spricht er sich gegen das Olympiastadion aus, für einen kontinuierlichen Ausbau des GWS – und träumt laut von einem gemeinsamen Fußballstadion mit den Roten! Hier ein Auszug – unkommentiert …

Löwen 2000 – KHWs Pläne von 1994

Ein Dach überm Kopf?

… Wie gehts weiter mit dem 60er-Stadion? Zu diesem Thema befragten drei Löwenzahn-Leute Präsident Wildmoser. Der will das Stadion auf jeden Fall ausbauen. Und dagegen hat auch die Stadt München nichts. Der Verein soll das Stadion in Erbpacht übernehmen, allerdings ist derzeit noch kein Vertrag ausgearbeitet.

… Bisher bietet die Stadtführung den 60ern einen Zuschuss exakt in Höhe des monatlichen Erbpachtzinses – das Stadion an sich wäre quasi umsonst. Das ist unserem Präsidenten bei weitem zu wenig …

Eines vorweg: Präsident Wildmoser erteilte einem Generalumzug ins Olympiastadion eine klare Absage. Dafür ist auch seiner Meinung nach der momentane Zuschauerschnitt zu gering. …

Über den Ausbau des Stadions bestehen allem Anschein nach fertige Pläne. Als erstes soll die Osttribüne renoviert und aufgestockt werden … »Die Ostkurve hätte dann 4800 Sitzplätze und 1900 Stehplätze. Hinzu kommt ein Gastronomiebereich. … Die Haupttribüne wäre der größte Brocken, der kostet stramme 10 Millionen (D-Mark), wobei die Ostkurve im Moment mit 7 Millionen veranschlagt wird. Die Haupttribühne müsste nach rechts und links erweitert werden, bis in die Kurven rein. Der dritte Bauabschnitt sollte dann die Überdachung der Westkurve sein, aber dann sind wir bei einem Gesamtvolumen von 25 Millionen.« …

Über die Rolle der Zuschauer sagt Wildmoser: »Für mich ist der Zuschauer der wichtigste Sponsor. Nur der hohe Zuschauerschnitt von 19200 aus der Vorrunde hat uns ermöglicht, die Mannschaft zu verstärken und die Schulden abzubauen, um die Weichen für die Löwen 2000 zu stellen. Das haben nur die Zuschauer ermöglicht, nicht die Sponsoren, die nur den normalen Spielbetrieb gewährleisten. Das Verhältnis von Sponsoren und Werbung zu den Zuschauereinnahmen ist exakt 50:50. Alles, was über einen Zuschauerschnitt von 10000 geht, muss vernünftig angelegt werden.« …

Zum Schluss dieser Ausführungen, quasi als Schmankerl: … »In München gibt es zwei große Fußballclubs, aber es gibt kein Fußballstadion – da müssen Gedanken legitim sein, dass sich die zwei Fußballvereine zusammensetzen und sagen: Es gibt eine Möglichkeit, an einem Verkehrsknotenpunkt ein reines Fußballstadion zu bauen. Ganz rotzfrech sage ich einmal, die eine Hälfte des Stadions ist rot, und die andere Hälfte ist blau.« …

… Aber auf einen Verkehrsknotenpunkt haben wir sicher keinen Bock, da können wir uns auch keine irgendwie geartete Atmosphäre vorstellen, noch dazu im rot-blauen Ambiente – na, wirklich ned. …

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