Warum kommt uns das so bekannt vor? »Aba leana, leana dua ma nix«. Einigen Fans kam der Umzug in die Event-Arena in Fröttmaning vor wie eine desaströse Neuauflage alter Fehler. Ein kleiner Rückblick auf die Situation von 1995/96, und eine kleine Reminiszenz an die bisher letzte Saison im GWS 2004/05
Für viele Fans brach eine Welt zusammen für die Stadt München übrigens auch, sie hatte großzügig Mittel zur Sanierung des Grünwalder Stadions bereit gestellt , als unser Präsident den »endgültigen Umzug« zur Pflicht erklärte. Er versprach Reichtümer und hinterließ einen faktisch insolventen Verein. Ja, bei Diktatoren kommt so etwas schon mal vor.

K.-H. Wildmoser im Frühjahr 1995
Wenn man sich die Zuschauerzahlen anschaut, verblasst das Rechenkunstwerk des Ex-Präsidenten. Kaum kamen mehr als in das Grünwalder gepasst hätten. Und es wurden immer weniger, nicht nur »Schönwetter-Löwen« bleiben weg: Der TSV ist eben durch den Umzug keineswegs attraktiver geworden. Das erste Heimspiel 2004/05 im Grünwalder dagegen war in Windeseile ausverkauft.
In der Tat ist es schade um die die viel gepriesene, legendäre und beim Gegner so gefürchtete Heimspiel-Atmosphäre: Wir erinnern uns mit Freude an das Spiel im Grünwalder, bei dem nach Zuruf aus der Westkurve an Peter Nowack das entscheidende Tor fiel. Es war sicher kein Zufall, keine Inszenierung von Querulanten, dass am letzten Spiel der Saison 2004/2005 im GWS auf die Lobhudel-Ansprache zur Arena statt Applaus ein Pfeifkonzert folgte.
1996-2004, Olympiastadion: Viele der seit Jahren Getreuen blieben weg. Gleichzeitig stieg der Anteil der Nazis in der Kurve deutlich sichtbar an. Sind das die »Dazugewonnenen« aus KHWs obiger Bilanz? Das politische Verhalten des Vereins (faktische Duldung der Nazis, Abwiegeln der Gegner) könnte man jedenfalls so deuten.

Ein Hauptgrund zur Ablehnung des Olympiastadions waren die »Roten«. Das wusste der TSV, bzw. dessen Chef, sehr genau, als die neue Arena geplant wurde. Doch man erhoffte sich Geld, viel Geld, ohne zu überlegen, wo es denn nun her kommen sollte.
Natürlich kann man mit einem supermodernen Stadion viel Geld einnehmen. Aber es kostet auch immens viel. Das offizielle Statement dazu: »Die Arena finanziert sich selbst«. Das kennen wir doch: Ein gewisser Herr Kirch, der uns das Pay-TV gebracht hat, sprach ebenfalls von traumhaften Einnahmen und versprach diese schon mal den Fußballvereinen. Übrig blieben Schulden in Milliardenhöhe, die dann eben der Allgemeinheit aufgebrummt wurden, z.B. über staatliche Bürgschaften, die letztendlich aus Steuereinnahmen gedeckt werden müssen. Und Einnahme-Ausfälle, die so manchen Verein knabbern lassen. Nun, wir haben Glück, denn Kirchs Manager rettet uns gerade.
»Unsere« neue Arena wurde subventioniert: Die Erschließung kostete etwa 150 Millionen Euro (trotzdem reichen die Kapazitäten von U-Bahn und Straßenanbindung nicht aus). Einen Teil gab es von der EU, den Rest legte die Stadt München drauf, die ansonsten sparen muss, wo es nur geht oder auch nicht wirklich geht. Egal, ist ja fürs Prestige. Der Bau selbst ist komplett fremdfinanziert, an die 400 Millionen, die innerhalb von zwanzig Jahren abbezahlt sein sollen. Mit Zinsen dürfen wir also von etwa 700 Millionen Euro ausgehen, d.h. pro Jahr 35 Millionen oder pro Spieltag knapp zwei Millionen plus Betriebskosten und Bauunterhalt.
So ein Riesen-Kredit muss natürlich gegenfinanziert werden. Auch wenn darüber beharrlich geschwiegen wird, kommen wohl nur staatliche Bürgschaften in Frage, sprich: nachträgliche Subventionen im Fall, dass das Geld nicht anderweitig reinkommt. Bis dahin knabbert der TSV erst einmal an Nebenkosten in Millionenhöhe, von denen zum Zeitpunkt der Entscheidung für den Neubau niemand gesprochen hat.
Nicht nur Pessimisten sehen hierin ein zwangsläufiges Debakel. Doch bis das spruchreif wird, sind die verantwortlichen längst aus ihren Ämtern geschieden. Immerhin, ein Trost.

WIR brauchen keine Event-Arena. Glitzer und tand können wir im Fernsehen anschauen, am Wochenende wollen wir nur unseren Fußball, das reicht vollkommen. Niemand hat etwas gegen neue Klos und bessere Rollstuhlplätze, aber der Sitzzwang ist für den A*sch, und das VIP-Catering auf Kosten des TSV-Etats ist eine Frechheit. Unsere Heimat ist in Giesing, nicht im Olympia-Denkmal und nicht in Großlappen. Deshalb bleibt unsere Forderung:
Allein die Millionen, die völlig unnütz in irgendwelchen Quatsch (VIP-Catering, Business-Seats usw.) fließen, könnten uns ein Zuhause und den Erhalt unserer Identität sichern. Es wird Zeit, wenigstens mal (wieder) darüber nachzudenken.