Ein Rückblick auf die Aera Wildmoser und deren Ende: Da viele Dinge, um die sich die Löwen jetzt (2007) streiten, ihre Vorgeschichte in der KHW-Zeit haben, sollen hier ein paar denkwürdige Fakten sowie Forderungen der Fans aus dieser Epoche zu lesen sein.

K-W, der echteAbb.: »KHW«, Kaiserliche Hoheit Wilhelm II

Löwen und Enten

Zur Person Wildmosers

Karl-Heinz Wildmoser (KHW) ist gebürtiger Pasinger (5.5.1939, somit Sternzeichen Stier und Geburtstags-Vetter von Karl Marx), gelernter Metzger, war sportlich aktiv als Boxer. Seine Gastro-Karriere begann als Schankkellner und Rausschmeißer in einer etwas anrüchigen (doch sicher recht lustigen) Nachtkneipe in Pasing. In den 1970er Jahren übernahm er dann das »Ledigenheim« im Westend, eine für die Pacht sehr große Wirtschaft in einem Stiftungs-Wohnheim für Handwerker. Dort konnte man preiswert viel essen und trinken, und so blieb der wirtschaftliche Erfolg nicht aus. Wildmoser investierte in Immobilien, d.h. er kaufte alte Häuser im Westend, entmietete diese schnell und mit keineswegs unumstrittenen Mitteln, »sanierte« billigst und verkaufte wieder. Dadurch konnte er sich die Konzession für eine Entenbraterei¹ auf der Wiesn leisten – was ihm den Spitznamen »Entenmörder« einbrachte –, dazu das nach Skandalen angeschlagene »Donisl«¹ am Marienplatz und später den Ausflugs-Gasthof Hinterbrühl¹.

Wildmoser und 60

Wildmoser war schon immer 60er, das muss man ihm zugestehen. Elf Jahre nach dem Zwangsabstieg und dem unrühmlichen Ende der Präsidiums-Zeit eines gewissen Erich Riedl war 60 immer noch am Boden. KHW kandidierte 1992 als Präsident und wurde gewählt. Die genaueren Umstände erfahrt ihr bei einem Besuch des »Löwenstüberl«¹ oder anderer einschlägiger Gaststätten. Seine Fähigkeit, alle Menschen für sich zu vereinnahmen, Lieferanten zu vertrösten und die Welt äußerst positiv darzustellen, brachte einen lange nicht gekannten Aufschwung für 60 und die Fans sowie einen Aufstieg und gleich darauf noch einen. Auf der Feier zum Wiederaufstieg in die erste Liga verkündete er, 60 werde die Tradition hochhalten und weiter im Grünwalder Stadion spielen. Der ein Jahr zuvor in Amt gekommene OB Christian Ude versprach, das Stadion zu modernisieren, der Stadtrat stimmte zu. Die Welt war nur noch weiß-blau, wie im Himmel, so auf Erden.

»l'état, c'est moi«

Kurz gesagt, hier begann ein anderes Programm, ohne dass das Löwenrudel wirklich Verdacht schöpfte. KHW fing an von »wir sind der kleine FCB« zu sprechen. Langsam, aber sicher, wurden Satzung und Strukturen geändert, um den Machterhalt zu sichern. Der Passus, dass sich Mitglieder erst nach fünf Jahren zum auf der Hauptversammlung stimmberechtigten Delegierten wählen lassen können, ist ein Beispiel. Das Umfunktionieren der ARGE (Dachverband der Fanclubs) zur ausschließlichen Vertretung der Mitglieder von 1860 ein anderes. Widerrede wurde verboten, Fans wurden ausgegrenzt. Es regnete idiotische Strafanzeigen und Vereins-Ausschlüsse. Das GWS bekam von der Stadt eine neue Gegentribüne, und nicht lange danach revidierte der Chef seine Ankündigung, dort weiter spielen zu wollen. Was KHW aus dem Verein für sich und seine Spezln abzog, kann man nur vermuten. Der Umzug in das (dann meist leere) Olympiastadion führte zu einer Austrittswelle. Die Stadt München stoppte die Ausbaupläne des GWS und beschloss, das Stadion mittelfristig als bauland zu verkaufen.

Die darauf folgende Sammlung an Peinlichkeiten war beachtlich. Aus den 60ern sollte ein »kleiner FCB« werden, Kritiker wurden aus dem Stadion geworfen und mit unnötigen Zivil- und Strafprozessen drangsaliert, Verein und Satzung wurden so umgebaut, dass man heute noch von einer »Erbmonarchie« spricht, Wildmoser Junior wurde als hoch bezahlte Kraft ohne besonderen Aufgabenbereich angestellt. Langjährige Fans und Aktive schworen ab. Sportlich ging es abwärts, finanziell herrschte Dauerkatastrophe. Obwohl schon faktisch pleite, stieg 60 in ein Arena-Großprojekt ein, das sich »ganz von alleine« finanzieren sollte – was tatsächlich ein paar Getreue glaubten.

Jetzt schreit keiner mehr »Wildmoser raus«

Diese seltsame Aussage fand ich am 9. März 2004 als SMS auf meinem Mobiltelefon. Wenig später ein Anruf: »Schau mal ins Internet, es gibt Neuigkeiten … lies selbst, mir glaubst du es ja doch nicht.«

Schmiergelder: 1860-Präsident verhaftet
Offenbar sind beim Bau des neuen Münchner Fußballstadions Schmiergelder geflossen. Am Dienstagmorgen durchsuchten Beamte deshalb die Geschäftsräume der Bundesligavereine TSV 1860 München und FCB. 1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser nebst Sohn wurden verhaftet. … Der Leiter der Münchner Staatsanwaltschaft  … bestätigte auf einer Pressekonferenz, dass ein Betrag von insgesamt 2,8 Millionen Euro unter anderem an  … Karl-Heinz Wildmoser, und an dessen Sohn geflossen ist. Das Geld stamme von der Baufirma Alpine.  … Es sei eine Fülle an Beweismaterial sichergestellt worden. … Wildmoser und sein Sohn sollen der Baufirma die geheime Information aus dem Ausschreibungsverfahren gegeben haben, dass die Auftraggeber eine Maximalsumme von 280 Millionen Euro akzeptieren würden. Alpine habe ein entsprechendes Angebot eingereicht und den Zuschlag erhalten.
RP-online, 9.3.2004¹

Ich staunte nicht schlecht: Razzia bei 60, Wildmoser Senior und Junior in Untersuchungshaft, Schmiergeldskandal. Erste Interviews; KHW denkt nicht an Rücktritt. Vorverurteilung sei das, immerhin seien die Mitgefangenen alle Löwenfans. Doch die Zuversicht schwindet bald (zumal wirklich niemand »Wildmoser raus« skandierte), am 15. erklärt KHW seinen Rücktritt.

Entenfreund

Ganz grundlos war KHWs Sieger-Lächeln nicht: Er konnte später dem Gericht glaubhaft machen, von nichts gewusst zu haben, er hätte auch das Hauptbeweisstück ungelesen signiert. Wildmoser Junior nahm die Schuld auf sich und wurde verurteilt. Eine typische weiß-blaue Geschichte, wie man sie nicht besser erfinden kann.

Am 15. März 2004 erklärt KHW seinen Rücktritt.

Seine Nachfolger Karl Auer (bis März 2006) und Alfred Lehner (bis März 2007) konnten den desolaten Verein mit Mühe über Wasser und die Mannschaft in der 2. Liga halten, immerhin. Doch bleibt eine schwere Hinterlassenschaft.


Foto aus dem Fanzine »Löwenmut«¹ (Nr. 2):
»Nach Abdanken des Entenmörders versucht Löwenfan und Tierfreund Marcus G. zwischen Enten und Löwen eine Aussöhnung herbeizuführen. Zögerlich fassen vereinzelte mutige Tiere wieder Zutrauen

60 nach KHW

Auch der neue Präsident (seit 28.3.2007) Karl von Linde wird mehr oder weniger planmäßig ausgebremst – jedenfalls seit er es gewagt hatte, mit Hans Hee einen Menschen als Vize vorzuschlagen, der seinerseits unter KHW ausgetreten war (aus Protest gegen die »Inthronisierung« des Junior).

Es ist also längst noch nicht vorbei …

 

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