Keineswegs beschränkt sich das Thema Rassismus auf Fankurve und Ballspiel, vielmehr liegt die Ursache für solchen fremdenfeindlichen Schwachsinn außerhalb des Stadions, im sogenannten »Richtigen Leben« ®.
Nur die Farbe trennt uns
die Farbe der Hemden -> Rassismus ist eine extreme Form der Fremdenfeindlichkeit, die letztlich auf Angst beruht. Angst ist etwas ganz Natürliches, ein Schutzmechanismus, der uns hilft, zu überleben (»soll ich diese süße gefleckte Katze streicheln? Nein, lieber nicht«). Doch der menschliche Überlebensvorteil besteht in weit größerem Maße in der Fähigkeit, Angst zu überwinden und das Fremde kennen zu lernen. Offenheit erweitert den Horizont und schafft Vorteile.
Toleranz dagegen ist die Bedingung für friedliches Zusammenleben. Toleranz bedeutet nicht, alles hinzunehmen, sondern die Unterschiedlichkeit der Menschen anzuerkennen, andere Ansichten, sofern sie nicht feindselig sind, anzuhören und letztlich aus der Gesamtheit der Unterschiede gegenseitig zu profitieren.
1. Direkt zu den Vorfällen: »Super Fans«¹
2. »Mal wieder was ganz neues: Politik in der Löwenkurve«¹ anlässlich einer roten(!) Fahne mit Che Guevara drauf
Insgesamt sehr positiv man könnte glatt das Vorurteil des Fußballfans als rassistischen, dauerbesoffenen Proll verlieren!
Bereits die (leider) »alltägliche« Fremdenfeindlichkeit ist Rassismus. Niemand verlangt, dass wir alles Fremde sofort toll finden (außer es kommt aus den USA und kostet viel Geld). Was der Bauer ned kennt, frisst er ned. Aus Angst oder Dummheit, ist egal. Angst und Dummheit sind eigentlich nicht so schlimm. Schlimm wird es erst, wenn daraus Voreingenommenheit wird (das bedeutet: etwas bereits zu bewerten, bevor man es kennt), oder Hass. Solcher Hass gegen Unbekanntes, Fremdes führt zu Gewalt, endet letztlich in Krieg und Völkermord. Deswegen sind Rassismus und Fremdenfeindlichkeit keine »Meinung«, kein harmloses Phaenomen, sondern eine menschenverachtende und damit verbrecherische Weltsicht. Und das Gleiche gilt für Ideologien, die die eigene Gruppe auf Kosten von Minderheiten oder Nachbarn zu höher- und damit die Anderen zu minderwertigen Menschen erklären.

Was also können wir tun? Ganz einfach. Fangen wir bei uns an. Da die Sprache das Denken bestimmt (oder denken wir in Videos? Nein.), streichen wir jetzt, sofort, alle Schimpfwörter aus unserem Gebrauchswortschatz, deren Hintergrund rassistisch oder gegen Minderheiten gerichtet ist (also wirklich alles, »Neger«, »Kanak«, bis »Jud« und »Schwuchtel«) das ist eine Frage der Menschenwürde. Und als Nächstes fangen wir an, bei den leider zahlreichen entsprechenden Gelegenheiten unseren Mitmenschen klar zu machen, dass wir solches Zeug nicht hören wollen. Es funktioniert. Es werden nur Diejenigen nicht damit aufhören, die sich mit voller Absicht als Mega-Blöd-Schwachkopf outen wollen.
ist speziell in Deutschland ein trauriges Kapitel: In den 1930ern hat die NSDAP die Sportvereine, besonders die Fußballvereine der Arbeiter und der »kleinen Leute«, dazu missbraucht, sich in Szene zu setzen und die Sympathien der unpolitischen »Masse« zu gewinnen. Fußball gehört jedoch dem Fußball, nicht der Propaganda. Wir wollen solche Dinge nie wieder erleben müssen. Und wieser, etwa seit den 1980ern, versuchen organisierte Rechte, die Fankurve für ihre Zwecke zu vereinnahmen leider mit Erfolg.
Rassistische Parolen und Gesten und sind keine Seltenheit, auch nicht das Zur-Schau-Stellen entsprechender Gesinnung in Form von Glatze, Bomberjacke, schwarz-weiß-rotem Schal und eindeutigen Aufnähern. Leider wird das zu oft stillschweigend hingenommen, denn unsere Herren Nazis und Rassisten verstehen dieses Wegschauen als Zustimmung, sehen sich gar als Sprachrohr einer Art »schweigenden Mehrheit«, was sie zum Anlass nehmen, immer dreister die Stadion-Öffentlichkeit für ihre Propaganda zu missbrauchen. Das Verhalten (bzw. Stillhalten) der sonst so bemühten Ordnungskräfte verstehen sie gar als Solidarität der offiziellen Seite
Angesichts wachsender und immer brutaler werdender rechtsradikaler Übergriffe in ganz Deutschland kann es nicht angehen, dass ein Fußballstadion als politikfreie Insel angesehen wird. Man muss den Nazis entschlossen und deutlich entgegentreten. Aber nicht nur den offen erkennbaren Nazis: Nach wie vor ist das berühmte »uuh-uuh-uuh«-Rufen an die Adresse farbiger Gegenspielern auch unter sogenannten »normalen Fans« verbreitet. Spricht man sie darauf an, kommt als Antwort meist »Des hod doch nix mit Rassismus zum doa«.
Das hat nichts mit Rassismus zu tun? Mit was denn sonst, bitte?
Wir werden auch weiter optisch mit T-Shirts, Transparenten und Aufklebern dem rechten Sumpf Paroli bieten. Sie sollen merken, dass sie bei den Löwen, und nicht nur da, nichts zu suchen haben. Wir werden uns einmischen bei der Vereinspolitik, bei der Parteipolitik, bei Demos und wir werden eindeutig Stellung beziehen.
Wir werden aber auch feiern, Spaß haben, Auswärtsfahrten machen, andere Fans treffen und uns durch die Nazis unsern Spaß nicht verderben lassen!

Während des Spiels Kroatien-Frankreich am 18. Juni kam es von kroatischen Fans wiederholt zu »Uff-uff-uff«-Geschrei und Rufen wie »Geht zurück nach Afrika«. Transparente mit neonazistischer Symbolik (Keltenkreuz, »Kroatische Ultras Mostar«) waren zu sehen.
Aufgrund des Ausmaßes der Beschimpfungen hat sich FARE zu einer ungewöhnlichen Maßnahme entschlossen: Das Netzwerk hat die UEFA aufgefordert, noch während des laufenden Turniers sofortige Strafmaßnahmen einzuleiten mit Erfolg! Es gibt ein Abmahnverfahren gegen den kroatischen Fußballverband, und nach Aussagen unserer Exklusiv-Berichterstatter vor Ort gab es vor jedem folgenden Spiel Durchsagen gegen Rassismus (auch in den Landessprachen der Teams), mit der Aufforderung, sich an antirassistischen Fanprojekten zu beteiligen.
Natürlich gab es blöde Szenen. Doch überwiegend war die Stimmung so, dass das Motto »die Welt zu Gast bei Freunden« gelebt wurde. Der dumme Nationalismus ist in einem Meer aus schwarz-rot-goldenen Fähnchen untergegangen. So ist das in Ordnung, wirklich.
Sueddeutsche Zeitung, Panorama, 17.11.2003:
Dass rassistische Vorurteile kein Zeichen für ausgeprägte Klugheit sind, mag nicht überraschen. Doch erstmals konnten Hirnforscher und Psychologen nun messen, wie sehr Antipathie gegenüber Schwarzen das Denkvermögen weißer Studenten ruiniert weiter bei sz online¹
Sueddeutsche Zeitung, München, 18.11.2003:
»Ja, ich bin Mitglied der Münchner CSU.« Seit 1995 schon. Das bestätigt Thomas S. Fischer, Jahrgang 1969, gerne. Und nein, bei ihm habe sich die Partei nicht gemeldet, um ihn wegen der Aktivitäten zur Rede zu stellen, die er sonst entfaltet. (Der Artikel ist nicht mehr verfügbar online)¹
Den Höhepunkt an Dummheit aber gab es am Sonnabend (Samstag): ZDF-Sportstudio, Moderator Rudi Cerne. Der frühere deutsche Eiskunstlauf-Meister hatte den Dortmunder Otto Addo zu Gast. Und dann diese an Dummheit nicht mehr zu überbietende Frage: »Otto Addo, wenn Sie sich eine Hautfarbe wählen könnten, für welche würden Sie sich entscheiden?«
Cerne las diese Frage von einem Zettel ab. Und Addo schluckte. Addo, in Hamburg geboren, spricht perfektes Deutsch. Er ist Deutscher und Ghanaer. Und Ghanaer haben in der Regel die Hautfarbe schwarz. Sie haben sich die Farbe nicht ausgesucht; sie können sich auch, selbst wenn sie es wollten, keine Farbe aussuchen. Genau wie unsereiner.
Hätte Otto Addo, der ein lieber Mensch und ein hervorragender Fußballer ist, die Wut und auch den Mut von Rudi Völler gehabt, dann wäre er bei der Frage nach der Hautfarbe einfach gegangen. Und wenn das ZDF mutig wäre, hätte es diese saudumme Frage irgendwann in einem Rückblick auf Höhe- und Tiefpunkte des Sportstudios gezeigt.
Besonders peinlich: Die Hautfarben-Frage wurde nicht spontan unmittelbar nach einem Spiel gestellt (da häufen sich die peinlichkeiten bekanntermaßen), sie war Stunden vor der Sendung schon unbeanstandet »im Kasten«.
Den ganzen Artikel »Nachspiel« gibts beim Hamburger Abendblatt¹ (von Dieter Matz, 15.9.2003).