»schwuler FCBäh« – wen beleidigt man damit wirklich?

Sexismus und Homophobie

TittenOb uns das passt oder nicht:

Natürlich soll hier nicht den Leuten das Wort geredet werden, die anderen ihren Willen aufzwingen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es gibt Grenzen, die jeder respektieren muss.

Wir sind allerdings ebenso dagegen, eine Mehr- oder Minderheit, der man selbst gerade nicht angehört, aus sexuellen Gründen zu diskriminieren. Zumal gerade der Sport Grenzen überwindet, die ansonsten in der Gesellschaft unüberwindlich scheinen. Diskriminierung ist unsportlich, basta.

Sangesfreuden: »Schwuler FCpfui«, »Kleine Nymphomanin«

Sexuelle Diskriminierung ist nicht besser als Rassismus. Frauenfeindliche oder gegen Homosexuelle gerichtete Parolen sind keineswegs »im Stadion normal*« oder »unter Männern normal*«, sondern sie sind ähnlich unsportlich wie jenes dumme »uhh-uhh«.

Mit »schwuler FCpfui« beleidigt man die Schwulen – nicht den FCpfui!

Nichts dagegen, den Gegner gehörig zu beleidigen, das gehört dazu. Diskriminierung gehört nicht dazu. Vieles mag ja gar nicht so böse oder doof gemeint sein: Entscheidend ist letztendlich, wie die Parolen ankommen.

(*) À propos »normal«:
Wer oder was ist eigentlich normal?
Dazu ein Zitat von Arthur W. Davidson JR:
»If there is something like real love in a man's life, then it is the love to his motorbike. Anything else is kinky in my eyes.«
»Wenn es so etwas wie wahre Liebe gibt im Leben eines Mannes, dann ist das die Liebe zu seinem Motorrad. Alles andere ist in meinen Augen leicht pervers«.

Auch wenn sich immer mehr Frauen für Fußball interessieren, ist das Stadion immer noch eine Männerdomäne, ein Raum, wo sich männliche Stereotypen sehr stark gehalten haben. Hart sein, Macho-Gehabe, »Fußball ist Männersport!«

Nun haben unsere Fußball-Frauen nach 1990 zweimal (2003 und 2007) die WM gewonnen, die Männer jedoch nicht. Zu peinlich … dennoch bleibt das Macho-Gehabe, die Spieler und Fans reden dauernd von irgendwelchen Eiern (nicht nur an Ostern) und so Zeug, aber immerhin nehmen Lieder wie die »kleine Nymphomanin« ab, auch die einschlägigen Schals kommen außer Mode.

Liebe?Foto rechts (DPA):
Was die da wohl machen?
Was ihr hier jeweils seht,
liegt alleine an eurer Phantasie …

Aber lesbische Frauen oder gar schwule Männer im Stadion? Schwule Spieler am Ende? Damit hat die Fußballwelt immer noch ein Problem. Klar, das Stadion ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, aber eben doch noch ein wenig anders. Anmache und Diskriminierung wird hier viel eher als Zeichen der Stärke und Männlichkeit verstanden als außerhalb.

Kaum ein Schwuler, kaum eine Lesbe wagt es, sich in solch einem feindlichem Umfeld zu outen. Hierbei spielt auch eine Rolle, dass bisher nur ein einziger Fußballprofi diesen Schritt gewagt hat – mit extrem traurigen und abschreckenden Folgen: Der englische Fußballprofi Justin Fashanu brachte sich um, weil er nach seinem Outing von seinem Verein gekündigt wurde und keinen neuen Arbeitgeber fand. Da verwundert es nicht, dass sich kein aktiver Spieler zu seiner Homosexualität bekennt, obwohl eigentlich in jedem Kader mindestens einer dabei sein müsste: Je nach Statistik sind drei bis zwölf Prozent aller Menschen homosexuell. Homosexuelle Erlebnisse/Erfahrungen haben weit mehr – eigentlich ein Grund, nicht so laut mit zu schreien.

Die »Löwenfans gegen Rechts« sprechen sich gegen Diskriminierung jeglicher Art aus, also auch gegen Frauenfeindlichkeit und Homophobie, und unterstützen den B.A.F.F.-Forderungskatalog zur Bekämpfung der Schwulenfeindlichkeit im Fußball.

Fußball soll Menschen nicht trennen, sondern zusammen führen. Punkt.

In jede Vereinssatzung gehört ein entsprechender Antidiskriminierungsparagraph.

Der TSV ist dabei, dies umzusetzen, nicht zuletzt wegen unserer ständig wiederholten Forderungen. Im Einzelnen gilt das zum Thema »Rassismus« gesagte – es darf nicht bei Sonntagsbekenntnissen bleiben, Diskriminierung ist unsportlich und hat im Stadion keine Heimat.

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»Es ist immer noch ein Risiko«

Markus Schärflein (SZ) interviewt zwei homosexuelle Spieler; hier ein Auszug mit freundlicher Genehmigung des Verlags:

Fußball als Droge, harter Sport, großes Vergnügen und fremde Welt

Am Wochenende beginnt die Fußballsaison in den unteren Klassen. TEAM München, ein Klub für Schwule, tritt nach dem Aufstieg in der B-Klasse an. Verteidiger und Trainer Michael Weinzierl berichtet, was er mit seiner Mannschaft gegen Vorurteile tun will. Und Mittelfeldspieler Sven Kraus (Name geändert) erklärt, warum er seinen Mitspielern bei seinem Verein nördlich von München nie verraten hat, dass er schwul ist. Ein Interview über ein Thema, das in Fußballerkreisen tabu ist.

SZ: Herr Weinzierl, ist Ihre Mannschaft stark genug für die B-Klasse?

Weinzierl: Mit Sicherheit. In der C-Klasse waren wir überlegen. Deshalb war der Aufstieg so wichtig. Wenn du oft gegen Schwächere spielst, macht es auf Dauer keinen Spaß. Letztes Jahr haben wir in einem Spiel 15:1 zur Halbzeit geführt, da ist die gegnerische Mannschaft einfach heimgefahren. Die haben gesagt: Wir haben jetzt keine Lust mehr.

SZ: Sind Sie beschimpft worden?

Weinzierl: Im letzten Jahr am Hasenbergl, bei München 54, da gab es zum Schluss eine Rangelei. Dann haben sie geschrien: Ihr schwulen Schweine, beeindruckt hat es uns nicht, gewonnen haben wir dennoch, 3:1. Und mit einem anderen Verein gab es noch Ärger, ich weiß nicht mehr, wo das war.

SZ: Wie haben Sie reagiert?

Weinzierl: Wir hätten etwas Entsprechendes zurück schreien können. Aber das haben wir nicht gemacht. Wir schießen einfach Tore und gewinnen. Das trifft die am meisten. Dass sie ausgerechnet gegen Schwule verloren haben. Aber insgesamt ist sowieso nicht viel vorgefallen. Ich war mir von vorneherein sicher, dass die Gegner nicht viel sagen können.

SZ: Warum?

Weinzierl: Weil wir eben Fußball spielen wie alle anderen auch. Warum sollen wir uns da unterscheiden? Es hat jeder in einem normalen Fußballverein gespielt. Da kommt keiner mit huch und ach und irgendwelchen Handbewegungen.

Kraus: In meinem Verein kommt auch keiner auf die Idee, dass ich schwul bin. Ich habe Lesben-Freundinnen, die mir ab und zu gemeinsam beim Fußball zuschauen. Dann sagen die Mitspieler immer: Hast du wieder deine Freundinnen dabei? Die glauben eher, ich bin ein Weiberheld. Wenn ich sagen würde, dass ich schwul bin, würden sie wahrscheinlich sagen: Ja, ja, du verarscht uns. Dann müsste ich wieder erklären: Entschuldigung, es gibt auch Schwule, die keine Tunten sind.

SZ: Warum sind Sie in Ihrem Verein nicht geoutet?

Kraus: Ich will meine Ruhe haben. Dann geht es los mit den ständigen Fragen: Wie ist denn das? Dafür habe ich keinen Nerv mehr. Das habe ich schon mit so vielen Leuten hinter mir. Wenn meine Mitspieler damit konfrontiert wären, hätten sie vielleicht Berührungsängste. Wir haben einfach Gaudi, gehen saufen und in die Disco. Da umarmt man sich auch mal. Sie hätten vielleicht nachher ein Problem, so zu sein wie vorher.

SZ: Aber stört es Sie nicht, sich ständig verstellen zu müssen?

Kraus: Ich verstelle mich nicht. Das habe ich lang genug gemacht, in meiner Jugend auf dem Land. Wenn jemand mich fragen würde, hätte ich kein Problem. Aber es hat noch niemand gefragt. Wir reden über andere Themen: Wer hat gut gespielt, wer war schlecht. Wer steigt auf, wer steigt ab.

SZ: Kennen Sie andere schwule Fußballer, die im Ligabetrieb spielen?

Kraus: Viele. Man sieht die dann plötzlich abends in der Disco wieder.

Weinzierl: Ich habe es auch nie jemandem gesagt, bevor ich zu TEAM München gegangen bin. Du gehst ja immer den Weg der geringsten Reibung. Wenn du im Verein spielst und keiner weiß etwas, warum sollst du dann irgendwas aufs Spiel setzen. Wenn du sagst: Ich bin schwul, kannst du Probleme bekommen. In Bayern auf Dörfern sowieso. Dann spielst du am Wochenende, es geht heiß her, und dann werden die Zuschauer dich beschimpfen, wenn sie es wissen.

SZ: Also ist Homosexualität für Fußballer ein Risiko?

Weinzierl: Immer noch, ja. Was sich in der Gesellschaft woanders geändert hat, ist da immer noch so. Ich denke, dass ein Bundesligaspieler massive Probleme hätte, wenn er sich outen würde.

SZ: Mit wem?

Weinzierl: Mit den Fans. In England hat sich ein junger schwuler Fußballer nach seinem Coming Out umgebracht. Ich würde im Moment noch keinem raten, sich da zu outen! Zumindest im Profifußball.

SZ : Es gibt ja immer wieder Gerüchte, die und die Profis und soundsoviel Prozent von allen könnten schwul sein. Wie genau weiß die Szene Bescheid?

Weinzierl: Es gibt keine wirklichen Erkenntnisse. Auch ich als Insider weiß nicht mehr. Ein schwuler Profi muss ein perfektes Versteckspiel betreiben. Er hat kein richtiges Privatleben.

SZ: Warum ist es in der Fußballszene so viel problematischer als in anderen Bereichen der Gesellschaft, schwul zu sein?

Kraus: Es ist in der Gesellschaft verankert, dass ein Mann stark sein muss. Wer weicher ist, wird sofort als Schwuler beschimpft. Und gerade im Fußball geht es um Härte. Darum ist der Begriff schwul so negativ besetzt.

Weinzierl: Ich habe neulich wieder mit jüngeren schwulen Fußballern gesprochen, die sagten: Wir wollen nicht bei euch spielen, weil ihr zu schlecht seid; Schwule können doch nicht Fußball spielen. Das haben die gesagt, obwohl sie ja selber schwul sind und Fußball spielen!

SZ: Was erwarten Sie von der Saison?

Weinzierl: Wir können eine sehr gute Rolle spielen. Und wir hoffen auf einen prominenten Neuzugang.

Kraus: Im Winter wechsle ich wahrscheinlich zum TEAM München. Ich bin jetzt 35, und das Leistungsniveau der Streetboys ist super geworden. Wenn ich mir meinen Pass abhole, verrate ich denen auch, wohin ich wechsle.

SZ-Artikel vom 13. August 2003, nicht mehr online verfügbar

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Eine kleine Satire zum Thema

 • Christopher Street Day bei der CSU … … … … … Die Veranstaltung findet im Saale statt, und wir diskriminieren uns selbst