Nach langer Vorbereitungszeit konnte die Wanderausstellung »Tatort Stadion: Rassismus und Diskriminierung im Fußball« am 7.11.2001 in Berlin eröffnet werden, mit Unterstützung der EU und prominenten Schirmherren aus Politik und Sport. Diese Schönwetterfront bröckelt nun deutlich ab: Seit sich z.B. der Präsident des DFB Äußerungen vorwerfen lassen musste, die allzu sehr deutschtümeln, hat es den Anschein, als wollte der offizielle Fußball die Ausstellung am liebsten still und heimlich einschlafen lassen und eine große bayerische Rasensport-Event-Firma behauptet einfach, Rassismus und Gewalt sei kein Thema bei ihren Kunden. Die Löwenfans gegen Rechts konnten »Tatort Stadion« kurzfristig vom 10. bis 26.7.2002 nach München bringen.
Die Initiatoren¹: B.A.F.F.
Das Konzept¹ der Ausstellung
Momentan ist im Gespräch, die Ausstellung zu aktualisieren und wieder auf Tour gehen zu lassen.
Eigenlob stinkt, zugegeben, doch das ist kein Problem in diesem Falle, da Geruch nicht online übertragen wird. Dennoch will ich hier erst einmal das Lob der Münchner Ausstellung zitieren, wie man es bei tatort.stadion.de¹ nachlesen kann: »In unglaublich kurzer Zeit hat die unabhängige Faninitiative LÖWEN-FANS-GEGEN-RECHTS die Ausstellung TATORT STADION, Rassismus und Diskriminierung im Fußball und das Rahmenprogramm dazu auf die Beine gestellt«
Zum ersten Mal in Süddeutschland war die Wanderausstellung Tatort Stadion im Juli 2002 in München zu sehen. Es war den LÖWEN-FANS GEGEN RECHTS angesichts des ganzjährig ausgebuchten »Tatort«-Terminkalenders in einem wahren logistischen Kraftakt gelungen, ihr nach dem kurzfristigen Ausfall eines anderen Veranstaltungsortes den Zwischenstopp in der Landeshauptstadt zu ermöglichen.
Konzipiert worden war die Ausstellung Stadion vom Bündnis Aktiver Fußballfans B.A.F.F., einer vereinsübergreifenden, von der UEFA mit dem Charity Award 2001 ausgezeichneten Fan-Initiative. Die Produktion der Ausstellung wurde als Teil des Gesamtprojektes »Football Against Racism in Europe« von der Europäischen Union gefördert.
Vor allem eine Schautafel stand im Vorfeld im Brennpunkt des öffentlichen Interesses. Auf ihr wird der derzeitige Präsident des deutschen Fußballbundes (DFB), Herr Mayer-Vorfelder, mit rassistischen Äußerungen zitiert, die, wie von ihm behauptet, »aus dem Zusammenhang gerissen« seien. Ein Beispiel: »Was wird aus der Bundesliga, wenn die Blonden über die Alpen ziehen und statt dessen die Polen spielen, diese Furtoks und Lesniaks?« (Der Spiegel, 1989). Ein weiteres kommentiert den WM-Sieg der multi-ethnischen französischen Nationalmannschaft 1998: »Hätten wir 1918 die deutschen Kolonien nicht verloren, hätten wir heute in der Nationalmannschaft wahrscheinlich auch nur Spieler aus Deutsch-Südwest.«
Man mag sich die Zusammenhänge gar nicht vorstellen, aus denen diese Zitate gerissen sein sollen. Vermutlich sind sie in Herrenrunden aus abgehalfterten Provinzpolitikern nationalistischer Couleur und alkoholkranken Knallchargen respektive Fußballfunktionären mit schlichtester Stammtischmentalität durchaus salonfähig. Tatsache war und ist, dass die Ausstellung aufgrund dieser Tafel ganz offiziell der fest zugesagten (auch finanziellen) Unterstützung durch den DFB sowie faktisch wenn auch informell jeglicher Hilfestellung durch die deutsche Fußballliga (DFL) sprich durch die vom DFB noch immer nicht wirklich unabhängigen Profivereine verlustig ging.
Ungeachtet der öffentlichen Diskussion um diese eine Ausstellungstafel wollten wir als Veranstalter in erster Linie den aufklärenden Charakter und die eigentliche Intention der Ausstellung wieder in den Vordergrund rücken. Insbesondere junge Menschen sollten und sollen schließlich für die Thematik Rassismus und Diskriminierung im Fußball sensibilisiert werden.
»Des hod doch nix mit Rassismus zum doa« heißt es oft von Fans, wenn sie etwa auf »Uh-uh-uh«-Rufe gegen farbige Mitspieler oder auf »Schwule«- oder »Judensau«-Schmährufe gegen den Schiedsrichter angesprochen werden. Es sind nicht nur die Glatzen- und Bomberjacken-Träger, sondern oft die ganz normalen Fans, die einfach mitgrölen. Seit dem Umzug ins Olympiastadion hat deren Zahl deutlich zugenommen. Dies veranlasste vor rund zwei Jahren die Neuformierung der ebenfalls im Zuge der Umzugswirren zwischenzeitlich aufgelösten Initiative LÖWEN-FANS GEGEN RECHTS, deren Ursprünge noch auf die Diaspora der Bayernligazeit des TSV 1860 zurück gingen.
Seither werden wieder bisher leider unerfüllte Forderungen an den Verein gestellt, sich klar gegen rassistische und neonazistische Umtriebe zu stellen, einschlägige Events organisiert, Transparente erstellt und vor Ort gezeigt, Flugblätter verteilt, Nachforschungen über die Rolle des Vereins während der Nazizeit angestellt und vieles Andere mehr.
Leider
versucht die rechte Szene im Umfeld des Münchner Olympiastadions immer öfter offen in
Erscheinung zu treten. Uns geht es nicht um Zahlenspiele, selbst einige wenige wären uns
zuviel. Um die Öffentlichkeit und die Vereine zu sensibilisieren, hatten wir Tatort Stadion
nach München geholt. Auf die Präsentation der Wanderausstellung in München gab es
ausnahmslos positive Reaktionen aus Politik und Fan-Szene, leider kam nichts von Seiten der
Vereine. Auch der Bayerische Fußballbund verweigerte jegliche Zusammenarbeit (und das auch
noch keineswegs offen und ehrlich, vielmehr mittels einer schlichten, durch schamlose Lügen
realisierten Verzögerungstaktik).
Eine pauschale Stigmatisierung von Fußballfans oder einzelner Fangruppen war und ist weder von uns noch durch die Schöpfer der Ausstellung beabsichtigt. Es sollte und soll aber sehr deutlich auf offene oder verdeckt existierende Tendenzen von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung in den Stadien hingewiesen werden.
Lehrer und Schüler wurden von uns gezielt zu einem Besuch der Ausstellung eingeladen. Schulklassen und Vereine erhielten auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten inhaltliche Führungen, die eine intensive Auseinandersetzung in Wort und Bild mit der Thematik von Rassismus und Diskriminierung ermöglichten. Wir stellten umfangreiches Informationsmaterial zur Vertiefung der Problematik in nachfolgenden Unterrichtseinheiten zur Verfügung.
Begleitend zur Ausstellung fanden an mehreren Abenden Veranstaltungen mit Entertainment, Satire, Kabarett und Podiumsdiskussionen statt, natürlich thematisch eng mit dem Fußball und seiner Fan-Kultur verknüpft.
Die LÖWEN-FANS GEGEN RECHTS bedanken sich sehr herzlich bei der DGB-Jugend München, der Stadt München, dem Fanprojekt München sowie den vielen anderen Sponsoren und den aufführenden Künstlern für deren Engagement. Besonders danken wir auch dem Kulturzentrum Einstein für die tatkräftige Unterstützung bei der Organisation und Präsentation der Ausstellung und für die Gastfreundschaft.