BolzplatzWir sind Fußball-Fans, genauer gesagt Löwenfans, also solche, die sich aus für andere Leute unverständlichen Gründen statt beim lokalen Dauermeister lieber im Umkreis eines liebenswerten, leicht chaotischen Clubs herumtreiben. Damit dieser Club liebenswert bleibt, treten wir für das ein, was wir gerne mögen, und gegen das, was uns stört. Dabei sind wir offen für alle, die ähnlich denken wie wir – zur Not arbeiten wir sogar mit aktiven Fans der Unsäglichen zusammen. So geschehen während der WM 2006 in Sachen Fan-Demo und Notfalltelefon – mit der »Schickeria«. Hätten wir uns nicht träumen lassen, ist aber gut so. 26.5.2007

Wr über uns – Aktive Fans


Aus dem Löwenforum:

Wenn jemand, der 35 Jahre nach Kriegsende geboren ist, partout der Überzeugung ist, nur die Angehörigen seiner eigenen »Herrenrasse« seien wirkliche Menschen, dann kann ich das nicht ändern – dafür gibt es Psychiater.

Was ich allerdings verlange, ist, dass die Leute einsehen, dass der Fußballplatz nicht der geeignete Austragungsort ist für solche Dinge, und dass sie die Regeln des »Fairplay« einhalten. Mehr nicht.


»schlechtwetterloewe« am 19. Juli 2006

Am Anfang war ein Transparent

Angefangen hat alles mit einem Transparent, das ein paar Fans ins Olympiastadion mitgenommen haben, da ihnen die ständigen Versuche reichsnationaler Brülltrupps, die Akustik der Fankurve zu dominieren, zu blöd wurden. Auf dem Transparent stand »LÖWENFANS GEGEN RECHTS«. Die Leute mit dem Transparent wurden von anderen angesprochen, das Echo war unerwartet positiv. So wurde aus der Transparent-Aktion irgendwann ein Stammtisch. Wer kommt, macht mit, und wer etwas zusagt, hält sein Versprechen ein. Es gibt keine Mitgliedschaft, kein Aufnahmeverfahren. Wir sind kein Verein, auch kein Ableger des offiziellen TSV, sind diesem somit nicht weisungsgebunden und huldigen ihm auch nicht, sondern verstehen uns ebenso als kritische Stimme wie als konstruktiver, aktiver Teil der Fan-Szene. Viele, die bei uns mitmachen, trifft man auch als Delegierte beim TSV, bei Pro-1860, bei anderen Fanclubs oder beim Fanzine »Löwenmut«.

Der Verein war in der Vergangenheit nicht gerade kooperativ. Zwar gab es vereinzelte Aktionen, die der TSV mitgetragen hat, z.B. im Olympiastadion ein Transparent »FUSSBALLSPASS STATT RASSENHASS«, doch ansonsten war die Unterstützung recht dürftig; Zusagen wurden nur ausnahmsweise eingehalten. Selbstverständlichkeiten wie Rechenschaft über die Finanzen fielen diversen »Spezln« (»Amigos«) zum Ofper, die den TSV eher als persönliche Geldquelle sahen. Fans nahm man nur wahr, wenn sie »bravb« waren – etwa auf Weihnachtsfeiern von Fanclubs. Alle anderen wurden als »Krawallmacher« abgestempelt. Die Fanclubs wiederum wurden für ein beinahe geniales Machterhaltungssystem missbraucht. Nicht nur wegen der Vorliebe für streng hierarchische Strukturen galt (bzw. gilt) der TSV in Teilen der Öffentlichkeit gar als »Naziverein«.

Wir verstehen uns als Teil derjenigen, die das ändern wollen – und haben auch schon einiges erreicht. So stehen uns mehrere Offizielle im Wort, dass endlich der dunkelste Teil der Geschichte des TSV offengelegt wird:

Nicht zuletzt als Ergebnis unserer ständigen Schwerarbeit mit der Nervensäge sehen wir die Tatsache, dass ab Saison 2007/08 die Stadionordnungen derart geändert werden, dass Nazi-Symbole und deren unbelehrbare Träger draußen bleiben werden. Auch wird bei der anstehenden Neufassung der Satzung die alte Forderung (u.a. von DFB/DFL) einfließen, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit als vereinsschädigendes Verhalten benannt wird – und damit in letzter Konsequenz als Ausschluss-Grund.

Dass wir gute Kontakte zu anderen Fan-Initiativen und Sportsfreunden haben, z.B. zum TSV Maccabi München¹, versteht sich voin selbst.

nach oben • zum Inhaltsverzeichnis

BLAU bleiben!Nazi-Image und Gegenmaßnahmen

Wir wollen einfach nicht von Leuten dominiert werden, die letztenendes dem Fußball an sich in der Öffentlichkeit ein Nazi-, Schläger- oder Sonstwas-Image angedeihen lassen. Wir wollen keine schweigend duldenden Mitläufer sein.

Insbesondere Rassismus und Propaganda im Stadion sind Politik – Politik der übelsten Sorte. Wir werden solche Dinge nie ganz verhindern können – manche Leute können sich leider nur dadurch gut fühlen, indem sie andere Menschen herabstufen. Das ist – siehe Kasten oben – eher eine Aufgabe für Psychologen. Was wir erreichen wollen, ist, dass all diejenigen, die solche Minderwertigkeitskomplexe nicht haben, sich davon distanzieren, einfach nicht mitmachen. Wir wollen Fußball und Spaß im Stadion – und eben nicht diese Art schmutziger Politik. Dafür sind wir aktiv.

Wir wollen nicht die Welt verbessern, nur die Stimmung in der Kurve. Genauso wie man sich die Füße wäscht, obwohl man weiß, dass davon die ganze Welt nur unwesentlich sauberer wird.

nach oben • zum Inhaltsverzeichnis

Fußball ist für ALLE da

Was macht Fußball so besonders? Für den aktiven Spieler: Klar, die Herausforderung, das eigene Können zeigen, an die Grenzen gehen, auch das Glück herausfordern, Situationen nutzen – in der Gemeinschaft des Teams, in das man sich so gut einbringt wie man halt kann. Und es gelten Regeln; anders als im »Richtigen Leben«® ist Beschiss verpönt; Fairplay wird von allen gefordert, nicht nur von den Schwächeren. Und es ist ein Spiel für alle – man muss sich nicht erst ein Pferd oder einen Rennwagen leisten können, um mitzumachen.

Fußball ist nicht elitär. Insofern sind auch alle Bemühungen, daraus einen »Bessere-Leute«-Konsumsport zu machen, für den Eimer. Deshalb sind wir auch gegen die Kommerzialisierung unseres Lieblingssports.

In der Mannschaft wie in der Fankurve ist unwichtig, ob der Andere arm oder reich ist, evangelisch oder katholisch, einheimisch oder auswärtig, CSU oder SPD, wasauchimmer.

So soll es bleiben: Wenigstens in der Kurve wollen wir nur Löwen sein und uns um alles andere einen Dreck scheren – nicht Generaldirektor oder Müllmann, sondern nur Löwe. Einmal wenigstens nicht darauf schauen, was uns trennt, sondern darauf, was uns eint. Vielleicht ist es ja dies etwas Anarchische, das die Faszination Fußball ausmacht.

nach oben • zum Inhaltsverzeichnis

Warum »gegen Rechts«?

Wir sind gegen Fremdenfeindlichkeit, eigentlich überhaupt gegen Feindlichkeit, wir sind für Fairness und Toleranz. Wir sind gegen Sexismus und für die Liebe. Wir sind gegen Kommerz und für niedrige Bierpreise. Wir sind gegen die Roten und für die Blauen. Es gäbe viele Möglichkeiten, unsere Initiative zu benennen. In erster Linie sind wir Löwenfans, und dehalb steht dieses Wort am Anfang unseres Namens. Die Initiative ist entstanden, als Nazis im Olympiastadion versucht haben, die Brüll-Mehrheit zu erringen. Insofern könnten wir uns »Löwenfans gegen Nazis« nennen. Da die Zielgruppe sich allerdings öffentlich von ihren Idolen distanziert und sich lediglich als »rechts« bezeichnet, nennen wir uns eben »Löwenfans gegen Rechts«: Damit die Zielgruppe auch kapiert, dass sie gemeint ist. Die Namens-Ähnlichkeit mit anderen Initiativen »gegen Rechts« ist durchaus gewollt, insbesondere die mit einer Vorgänger-Initiative gleichen Namens, die zu GWS-Zeiten aktiv war.

the blue brothers
nach oben • zum Inhaltsverzeichnis

Wir wünschen euch auch viel Spaß auf unseren Seiten, oder auch, wenn ihr unsere Aktionen oder unseren Stammtisch besucht. Bei uns wird organisiert und gearbeitet, aber auch gründlich gefeiert. Das gehört dazu, wir sind schließlich Löwen. Wenn LFGR eine langweilige, fade Veranstaltung wäre, gäbe es uns nämlich schon lange nicht mehr …