
Der Turn- und Sportverein mit seiner nationalkonservativen Haltung in der Turnabteilung mit antisemitischem Drall prägte die Einstellung des Gesamtvereines, und somit auch die 1899 gegründete Fußballabteilung.
Trotz seiner proletarischen Mitgliedschaft aus dem Arbeiterviertel Giesing gehörte der Verein ganz klar der politisch konservativ-bürgerlichen Bewegung an. Klassenbewusste, politisch links eingestellte Arbeiter hatten sich in einer eigenen Sportbewegung zusammengeschlossen.
Schon weit vor der Machtübernahme der NSDAP ließ der Verein Reichswehr, Freikorps und spätere Mitglieder der SA auf dem Vereinsgeländer trainieren, obwohl eine solche Kooperation laut Versailler Vertrag ausdrücklich verboten war.
Im Herbst 1930, bei der 70-jährigen Stiftungsfeier, gab sich der Verein betont national und vaterländisch. Schon vor dem Amtsantritt Hitlers unterzeichnete der Verein seine Korrespondenz mit »Heil Hitler«.
1934 schloss die Einheitssatzung der Vereine jüdische Mitglieder aus.
Diverse ausländische Spieler, wie z.B. Ernst Willimowski, der für Polen 22 Länderspiele absolvierte, wurden ab Kriegsbeginn eingedeutscht.
Der am Erfolg von 1860 maßgeblich beteiligte glänzende Techniker Alois Pledl war als Einarmiger, und somit Behinderter, für die Nationalmannschaft nicht akzeptabel.
Der Vorstand des Vereins wurde nicht durch die Mitglieder gewählt; ein »Vereinsführer« wurde von der lokalen Parteileitung abgesegnet. Ein »Dietwart« war für die wöchentliche politische Schulung und staatspolitische Prüfung zuständig.
Mit Präsident Fritz Ebenböck war der TSV seit 1934 unter SA-Leitung.
1936 wurde Emil Ketterer Vorstand, ein ebenfalls aktiver Nationalsozialist. Er blieb Vorstand bis zum Kriegsende. Seine engen Kontakte zur Stadt und zu Nationalsozialisten in führenden Positionen, wie Hitlers persönlicher Adjutant Brückner, ermöglichten es dem hochverschuldeten TSV, unter Umgehung der staatlichen Aufsichtsorgane das Stadion an der Grünwalder Straße (an die Stadt München) zu verkaufen und so dem drohenden Konkurs abzuwenden.
1940 wurde Sebastian Gleixner, SA-Obersturmbannführer und Ratsmitglied der Stadt, Leiter der Fußballabteilung. Als Hauptschuldiger im Entnazifizierungsverfahren wurde er zu fünf Jahren Arbeitslager, 19-jährigem Berufsverbot und Vermögensentzug bis auf 1.000 DM verurteilt.
Während der Nazizeit war die Vereinszeitung ein nationalsozialistisches Kampfblatt. Pressewart Franz Grundner, der zur Wahl der NSDAP ausrief und antisemitische Hetzartikel abdruckte, wirkte in den 50-ern, trotz der enormen Vorbelastung, als Geschäftsführer des Vereins.
Die Zugehörigkeit zum TSV 1860 zur Nazizeit wog in München schwerer als die Zugehörigkeit zur NSDAP.
Bis heute ist vom TSV 1860 keinerlei Stellungnahme zu den Vorgängen in der Zeit von 1933 bis 1945 zu hören oder lesen. In der Chronik zum 100-jährigem Jubiläum 1960 beklagt der Verein sogar die Behandlung des ehemaligen Vereinspräsidenten Ketterer, ein Nazi der schlimmeren Sorte. Dieser sei gänzlich ungerechterweise von den Alliierten interniert worden. In der Chronik zum 125. Jahrestag verzichtete man dann ganz auf die Abhandlung des Themas.
Die Faninitiative »Löwenfans gegen Rechts« forderte 2000 unter anderem eine öffentliche Stellungnahme zur Rolle des TSV 1860 während der Nazizeit. Eine Reaktion des Vereines blieb bis heute aus.
ein Beitrag von unserer Stellwand der Ausstellung »Tatort Stadion«
Beim TSV 1860 München fielen seit Anfang der 80-er Jahre immer mal wieder rechtsgesinnte Fans auf.
Als die Löwen noch im Grünwalder Stadion spielten, regelten sich die Probleme mit rechten Gedankengut bzw. Äußerungen oft unter den Fans.
Beispielsweise hängten bei einem Spiel gegen Türk Gücü alte NPD-Anhänger in der Kurve ein Banner mit rassistischem Inhalt auf, dass aber nach kürzester Zeit von anderen Löwen-Fans entfernt und vernichtet wurde.
Nach dem Umzug ins Olympia-Stadion lösten sich die alten Fanstrukturen auf, es kam regelrecht zu einer Umstrukturierung der Stehplatzblöcke. Außerdem änderte sich die Fanzusammensetzung, da alte 60-er ausblieben und neues Erstligapublikum dazukam.
Erst führte das zu viel Anonymität unter den Fans, dann auch zu neuen Gruppenbildungen.
Doch die Verantwortung, auch für das was andere sagen oder tun, und der Zusammenhalt unter den Fans wurde nicht annähernd mehr so gut wie im Grünwalder Stadion.
Diese Gründe führten unter anderen dazu, dass einzelne rechte Gruppen es leicht hatten, sich im Olympiastadion zu präsentieren und damit nicht auf viel Gegenwehr stießen.
Heute findet man in der Nordkurve vereinzelt nach außen hin erkennbare, rechtsgesinnte Fans aber noch viele Mitbrüller u. -läufer. Diese werden von anderen Fangruppierungen teilweise akzeptiert, solange Stimmung gemacht wird, von anderen als »harmlos« abgetan.
Verbotene, rechte Aufnäher bzw. Schals oder der Hitlergruß werden von vielen nur als Provokation gesehen.
Das Müncher Fanprojekt, gleichermaßen für 1860 und FC Bäh zustündig, kümmert sich um gewaltbereite Fans im Stadion (Kategorie C), egal aus welchen Beweggründen.
Aktionen, Workshops oder ähnliches zum Thema Rassismus im Fußball wurden in letzter Zeit nicht initiiert, da das Fanprojekt eher an den Interessen der Fangruppen arbeitet, z.Z. Choreographien und Stimmung bei Heim- und Auswärtsspielen.
Stadt, Land u. DFB, die das Fanprojekt zu je 1/3 finanzieren, scheint das Thema »Rassismus im Stadion« auch nicht sonderlich zu interessieren, denn bislang wurden noch keine Informationen über rechte Tendenzen eingefordert.
Der TSV 1860 hat mit der Fanprojektarbeit gar nichts zu tun.
Ebenso verhält sich der Verein, wenn es um das Thema Rassismus und Diskriminierung im Stadion geht. So hat er die Vereinbarungen einiger Vorschlägen von der Faninitiative »Löwenfans gegen Rechts«, wie etwa Verbesserung der Stadionordnung, offizielle Stellungnahme zum Thema Rassismus, Durchsagen des Stadionsprechers usw. seit dem 08.10.2001 noch nicht umgesetzt. Einzige Reaktion war die Finanzierung des Transparentes »Fußballspass statt Rassenhass«, das einige Fans vor jedem Heimspiel aufhängen.
Ein nicht gerade schmeichelhaftes Licht fällt außerdem auf den Verein, wenn sich der Präsident Karl-Heinz Wildmoser, nicht zum erstenmal, folgendermaßen äußert: »Er ist weiß, und außerdem tut der nicht so wie viele farbige Spieler auf dem Spielfeld umanandawutzln«. (auf die Frage, warum der neue brasilianische Verteidiger auch vom Aussehen her ganz gut zu 1860 passen würde; Rasant auf TV München am 25.2.2002).