Im WM-Jahr 2006 eröffnete das Centrum Judaicum in Berlin eine Ausstellung über jüdische Fußballer. Als Wanderausstellung ist sie 2008 in der ev. Versöhnungskirche auf der KZ-Gedenkstätte Dachau zu sehen. Jüdische Sportler, Funktionäre und Journalisten haben den Fußball in Deutschland entscheidend geprägt. 1933 waren ihre erfolgreichen Karrieren schlagartig beendet. Bis zum 10. November 1938 durften Juden nur noch in jüdischen Vereinen spielen. Danach wurden alle Sportaktivitäten für sie verboten, und sie teilten das Schicksal aller europäischen Juden.
Liebe Freundinnen und Freunde,
von Amts wegen und auch persönlich möchte ich Euch herzlich zu der Ausstellungseröffnung »Kicker, Kämpfer, Legenden Juden im deutschen Fußball« am Donnerstagabend, den 5. Juni 2008, 19.30 Uhr, in die Versöhnungskirche einladen.
Vor der EM spielen wir diesen Ball: Ohne den visionären und auch die ganz praktischen Ansätze der namhaften jüdischen Fußballpioniere hätte sich das »englische Spiel« in Deutschland so nicht entwickelt. Ein guter Grund, sich zu freuen und darüber umfassend zu informieren.
Das Judaicum Berlin hat diese Erinnerungsausstellung konzipiert und in seinen Räumen der Öffentlichkeit gezeigt. Die Versöhnungskirche hat mit der finanziellen Unterstützung der Kulturstiftung des DFB die Ausstellung bearbeitet, so dass sie ohne großen Aufwand in unterschiedlichen Räumlichkeiten präsentiert werden kann, z.B. auch im Vereinsheim der Löwen etc.
Die Ausstellung gehört der Versöhnungskirche und wird auch an Schulen in München und darüber hinaus ausgeliehen. Sie bezieht die aktuelle Situation im Stadion und in der Gesellschaft mit ein.
Dr. Rainer Koch, Präsident des BFV wir können ihn mittlerweile einen guten Freund der Fußballdenkwerkstatt München (Löwenfans gegen Rechts, Maccabi München, Versöhnungskirche) nennen wird die Ausstellung eröffnen. Frau Knobloch ist eingeladen, und über sie der Vorstand der IKGM und alle interessierten Gemeindeglieder, ebenso wie Vertreter Münchner Fußballvereine und des ASV Dachau, der OB von Dachau sowie Verantwortliche aus dem Münchner Rathaus.
Eine große Freude wäre es, wenn die Löwenfans gegen Rechts und ihre Freunde in großer Zahl bei der Ausstellungseröffnung dabei sein würden.
In Vorfreude auf eine interessante und einmalige Veranstaltung grüße ich Euch herzlich mit Shalom, auch im Namen von Klaus Schultz,
Eberhard Schulz
Wenige Tage vor dem Beginn der Europameisterschaft eröffnet am Donnerstag, den 5. Juni 2008, um 19.30 Uhr im Gesprächsraum der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau der Präsident des Bayerischen Fußballverbands und der Vize-Präsident des DFB Dr. Rainer Koch die Ausstellung »Kicker, Kämpfer, Legenden Juden im deutschen Fußball«. Anschließend berichtet Frau Dr. Swantje Schollmayer, die die Ausstellung konzipiert hat, in einem Vortrag über die Bedeutung der jüdischen Fußballer für den deutschen Fußball.
Jüdische Fußballer, Trainer, Journalisten und Funktionäre haben den
Fußball in Deutschland populär gemacht. Sie waren Pioniere, sie wurden umjubelt,
verehrt und respektiert, galten als Vorbilder im Sinne des sportlichen Gedankens des Fairplay.
Ihre revolutionären Visionen und Methoden setzten Maßstäbe, die den deutschen
Fußball lange prägten.
Wer kennt heute noch den Stürmer und Nationalspieler Julius Hirsch (1892-1943), der unter anderem mit dem Karlsruher FV Deutscher Meister wurde? Oder Gottfried Fuchs, den der spätere Bundestrainer Sepp Herberger »mein Idol« nannte? Der begnadete Mittelstürmer schoss bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm in einem Spiel gegen Russland zehn Tore ein bis heute in Deutschland ungebrochener Rekord.
Oder was ist mit Walther Bensemann (1873-1934), der als einer der Gründerväter des deutschen Fußballs gelten darf? Englische Mitschüler hatten ihn auf einem Internat im schweizerischen Montreux mit dem Fußballfieber angesteckt. Zurück in Deutschland, hob der Enthusiast zahlreiche Vereine aus der Taufe und war an der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Jahr 1900 beteiligt. Er, der an die »Völkerversöhnung durch den Sport« glaubte, organisierte das erste internationale Spiel in Deutschland; damals trat eine süddeutsche Auswahl gegen ein englisches Team an. 1920 gründete Bensemann die Fußballzeitschrift »Der Kicker«.
1933 wurden ihre erfolgreichen Karrieren dann schlagartig beendet. Die Nationalsozialisten veranlassten, dass jüdische Sportler, Trainer und Funktionäre aus den Vereinen ausgegrenzt und ausgeschlossen wurden. Bis zum 10. November 1938 durften Juden nur noch in jüdischen Vereinen spielen. Danach wurden alle Sportaktivitäten für sie verboten. Sie teilten das Schicksal aller europäischen Juden, wurden verfolgt und zum Teil in Konzentrationslager ermordet. So spiegelt das Schicksal der jüdischen Fußballer sowohl das Bemühen deutscher Juden um Integration wie ihre Ausgrenzung und Ermordung in der NS-Zeit wider. Es zeigt exemplarisch die Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen und deren Mechanismen im Nationalsozialismus.
Nach dem 2. Weltkrieg sollten deutsche Juden nie wieder eine vergleichbare Rolle im deutschen Fußball spielen. Ihre Verdienste wurden verdrängt und gerieten in Vergessenheit. Der Vortrag und die Ausstellung »Kicker, Kämpfer und Legenden«, die vom Centrum Judaicum in Berlin erstellt wurde, will dieses Kapitel deutscher Fußballgeschichte wieder in Erinnerung rufen, setzt sich aber auch mit den heutigen Entwicklungen im Fußball auseinander.