LÖWEN-FANS GEGEN RECHTS:   Fan-Dasein

Reisebericht Berlin vs. TSV 1860 München (30.3. bis 01.4.2001)

Vom wendland gerate ich über den schönen umweg HH-St.pauli in die neue alte hauptstadt, ins eh und je gräßliche berlin. Dorthin, wo dir nicht mal die taxler den weg erklären können, aber was will man groß erwarten von der bundeshauptstadt? Nur soviel ist mir bekannt: Man hat sich da einen »Hauptstadt-Club« zusammengebastelt, und der name ist programm, und wir haben das pech, dort heute »zu gast« zu sein … Nach erfolgreicher umquerung der offensichtlichsten dumpfbacken (kurzrasiert, schals mit durchgestrichenem st-pauli wappen, doc.martens 19 loch, weiß geschnürt und stolz wie lorenz) finden wir denjenigen eingang des nazibaus (reportersprache: »des altehrwürdigen berliner olympiastadions«), wo man den auswärtsfans gnädigerweise die wahrscheinlich teuersten away-tickets ihrer karriere verklopft – aber es sind ja schließlich sitzplätze … Die petra muss ihre springerstiefel gleich dort am einlass lassen, die sind nämlich in der hauptstadt eine waffe. Konsequent sind sie nicht, die herren vom security service (ss), neben uns latschen die kurzgeschorenen mit eben diesem schuhwerk durch. Auf nachfrage erfahre ich von den ordnern, dass man das natürlich genau so machen müsse, weil »letztes mal hats sogar jeregnet und da haben wir den einen trotzdem mit socken reinjeschickt …« naja, wat willze da noch sagen? wir wollen nicht auf einem handy reiten, auch nicht an einem quiz teilnehmen, bei dem man hertha-dauerkarten gewinnen kann, und deswegen eilen wir schnurstracks in die kurve. Dort endlich: die schönen löwen! Durchatmen, wir sind vorübergehend daheim! Die löwen selbst, also die eigentlichen, die, wegen denen wir den ganzen scheiß machen, knüpfen hemmungslos an die leistung an, die ich von auswärtsspielen so furchtbar gut kenne. Zunächst: Spielen sie auf 0:0? Wär schön, ist aber nicht wirklich so. der jörn faselt natürlich wie gehabt vom aus-aus-auswärtssieg. Dann: sie fangen sich das 0:1, und man ahnt wo's langgeht. Noch zwei tore, warens torwartfehler? Keine ahnung, denn von der wiederholung auf der anzeigentafel wenden sich die gäste mit grausen. Dazwischen: ein überdimensionales transparent mit der aufschrift »football is for you and me – not for fuckin industry« wird von der »oberen schale« in der hertha-kurve herabgelassen und »pro 15:30«-schilder erscheinen überall. Was für ein herrlicher lichtblick! Löwen fans antworten mit einem löwenarenatransparent, paule augustiner wird mit einem ausgefeilten gesang gehuldigt, die sonne scheint und es verspricht doch noch ein schöner nachmittag zu werden. Deppen in unserer kurve singen »berlin gehört zu istanbul« und meinen das anscheinend negativ. Schön wärs, denke ich mir. Ist aber nicht so. Dementsprechend gleicht unser abgang aus dem oly irgendwie einer flucht: nix wie nach kreuzberg, wo das leben hoffentlich süß ist und nicht schwarzweißrot wie rund ums oly und auch in der u-bahn, wo fast jeder bekannte fan-gesang von möchtegernfröschen auf rassistisch übersetzt zum besten gegeben wird (davon gibt's hier keine kostproben!). Und tatsächlich: kreuzberg ist eine ecke von berlin, die durchaus erträglich ist, hier werden wir köstlich undeutsch verköstigt und finden dann die optimale kneipe: in der milchbar, (manteuffelstr., nähe görlitzer bhf) gibt's punkrock und neben ratlosen berlinern (welchen berliner club willste auch supporten?) auch einen exilschalker und auf der leinwand siegt dann auch prompt fußballherz und -leidenschaft (s04) über den faden fcb des westens. In paules metal eck schließlich sorgen softmetal, billard, exilmünchner und vor allem sehr nette rostocker, die mir nochmal diesen unfall namens berlin zu erklären suchen für einen schönen ausklang. Hinweis: ohne currywurst im »Curry36« (U-bahn mehringdamm) ist so ein wochenende kaum durchzustehen!


Joey Romane


<– retour

LÖWEN-FANS GEGEN RECHTS – aktiv gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus im Stadion!

(top) Diese Seiten sind optimiert für Löwenfans ab Version 1.860 und zwei Farben: weiß und blau.