Die neuen Feinde des Karlheinz W
Karlheinz hat das Sagen beim TSV. Er hat sich in einem über 10 Jahre andauernden Kampf durchgesetzt. Die Gegner wurden juristisch oder mit Vereinsausschluss vertrieben, oder sie gaben einfach auf und kehrten mehr oder weniger geräuschvoll den einst so geliebten Verein den Rücken. Gelegentlich wird er zwar in der Presse noch angeschossen, weil sich seine Säuberungen im Olympiastadion nicht vertuschen lassen: bei Löwen-Heimspiel ist nicht weiß-blau die vorherrschende Farbe, sondern grün, das Grün der leeren Sitze. Obwohl er mit seinen Erklärungsversuchen bewies, dass er auch das Talent zum irakischen Informationsminister hat, überstand er auch diese Phase dank eines Trainerwechsels souverän.
Also paradiesische Zeiten für die Führung des TSV? Nicht ganz, denn mit der Kirch-Pleite funktioniert die Geschäftsidee des Karlheinz nicht mehr.
Karlheinz ist ja in einer seiner Nebenbeschäftigung auch Immobilienhai. Und ein Fußballclub ist auch nichts anderes als ein Immobiliengeschäft. Man kauft ein Haus/Grundstück, wartet, und verkauft es wieder. Da alles steigt, ist der Verkaufspreis natürlich höher, und man hat eine Bilanz mit einem schönen Gewinn und viele Grundstücke dazu.
Karlheinz und sein genialer Freund Werner machten es genauso: sie holten viele Spieler, bevorzugt ohne Ablöse, und verkauften am Ende der Saison wieder so viele gegen Ablöse, dass die Bilanz einen kleinen Gewinn abwarf. DFB/DFL waren begeistert, der TSV erhielt die Lizenz ohne Auflagen, was Karlheinz natürlich jedem stolz verkündete. Wenn man als Fan vorsichtig darauf hinwies, dass man sich bei dem regen Wechselspielchen die Namen der Spieler nicht mehr merken konnte, wurde man mit dem Hinweis auf die Bayernliga ruhiggestellt.
Pech für Karlheinz war dann natürlich, dass genau zu dem Zeitpunkt, als der TSV mit Profis gut bestückt war, die Zeit der steigenden Spielergehälter vorbei war.
Nächstes Pech für Karlheinz war, dass keiner darauf geachtet hat, wann die Spielerverträge ausliefen.
Bei einem Kader von ca. 30 Spielern war es dummerweise nur ein Vertrag, der 2002 auslief. Für die Saison 2002/2003 bedeutete dies, ein viel zu großer Kader mit viel zu hohen Gehältern, und damit unverkäuflichen Spielern, war mit weniger TV-Millionen zu finanzieren. Diese Situation setzte Karlheinz zu, er verlor neben seinem Schnauzer auch einige Kilos und zwischendurch die Fassung. Mit »Weicheier« und »Haubentaucher« beschimpfte er sein Personal und entdeckte darunter keine Männer.
Zwischendurch griff er sich auch einzelne Spieler zum Abwatschen raus. So haben Costa, Wiesinger und auch Jentzsch seinen Groll zu spüren bekommen. Verständlich sein Ärger: das Huhn, das ihm jahrelang die goldenen Eier legte, mutiert zum Ladenhüter.
Sein neues Feindbild war geschaffen: die Spieler. Auch die Tatsache, dass 2003 acht Verträge auslaufen, vermochte ihn nicht zu besänftigen. Er nahm sich die Gehaltsliste und fand in Thomas Häßler den Hauptschuldigen für die finanzielle Misere.
Abschiedsspiel? Nach der üblen Mobbing-Attacke ist es schon ein gebührender Abschied für einen verdienten Spieler, wenn der Vertrag nicht vorzeitig beendet wird und Häßler seine 400 Bundesligaspiele voll machen kann.
Hatte der TSV die letzten Jahre immer schon Probleme, beliebte Spieler zu verabschieden, so werden jetzt nach dem Motto »zu alt, zu teuer« Spieler schnell entsorgt. Der Mangel an sozialer Kompetenz wird immer deutlicher.
Begründet wird dieses Verhalten aber mit einem Systemwechsel: Das Konzept, eine mittelmäßige Mannschaft um einen alternden Star zu scharen, mit dem der TSV seit dem Wieder-Aufstieg relativ gut über die Jahre kam (Peter Nowak, Abedi Pele, Gerald Vanenburg und jetzt Thomas Häßler), wird dem neuen Jugendwahn geopfert: billig, willig und mit der Hoffnung auf spätere Ablösesummen.
Wenn das Huhn schon keine goldenen Eier mehr legt, vielleicht machen es ja die Küken. Aber auch die DFL scheint nicht ganz überzeugt: die Lizenz gab es nur mit der Auflage, monatlich Zahlen vorzulegen, Kaiserslautern ist ja nicht so weit entfernt.
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