60 Jahre nach der Befreiung des Konzentrazionslagers Auschwitz durch die Rote Armee der UdSSR hat unser Verein, der seinerzeit der erste war, das »judenfrei« an die Parteizentrale zu vermelden, den Opfern und auch den vielen ausgeschlossenen Vereinsmitgliedern und Spielern einen Artikel in der Stadionzeitung und eine Durchsage vor dem Spiel gewidmet.

Der 60. Gedenktag

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Am 27. Januar 1945 rückten Truppen der UdSSR in Auschwitz ein und betraten das Gelände des KZ. Was sie dort sahen, war schlimmer als alles, was sie bisher für Propaganda gehalten hatten. Der 27. Januar gilt seither als Tag der Befreiung der Gefangenen von Auschwitz und wird als Gedenktag der Opfer des millionenfachen, industriell durchgeführten Massenmordes der »Herrenmenschen«-Diktatur, als Shoah°-Gedenktag begangen.

Am 27. Januar 2004 fanden in mehreren Fußballstadien in Italien Benefizspiele statt unter dem Motto »27. Januar: Tag des Erinnerns, um nicht zu vergessen« (vgl. Süddeutsche Zeitung, 23.1.2004, Birgit Schönau interviewt Riccardo Pacifici).

Birgit Schönau mailte uns später, dass das Spiel in Rom ein großer Erfolg war!

Der 27. Januar 2005 war der 60. Jahrestag. Die DFL hat die Vereine aufgefordert, in den Stadien auf diesen Tag hinzuweisen und insbesondere der Fußballspieler und anderer Sortler unter den Opfern zu gedenken. Da die Zahl »60« für uns etwas Besonderes darstellt, und wegen der wenig rühmlichen Vergangenheit unseres Clubs, freuen wir uns auch ganz besonders, dass der TSV sich an der Aktion beteiligt hat.
 

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27. Januar 2005

Vorgeschichte
Mit Interesse lasen wir den Bericht der SZ über die Aktion in Italien. Wir fragten uns, warum ausgerechnet in einem Land, das für große Probleme mit rechtsradikalen Fans bekannt ist, so eine Aktion stattfindet und weite Unterstützung findet, bei uns jedoch, in dem Land, dessen Regierung damals den Massenmord in den KZs befohlen hat, nicht. Nachdem wir als Löwenfans mit aussichtslosen Aktionen vertraut sind, schrieben wir kurzerhand die Italien-Korrespondentin der SZ an und erhielten prompt Antwort: In gleicher Sache hätten Leute vom Kuratorium der evangelischen Versöhnungskirche auf dem gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau angefragt. Sie schlug vor, dass wir uns am besten mit dem Kuratorium kurzschließen. Bald darauf fanden erste Treffen statt. Es gab keine Vorbehalte, keine Fragen nach Glauben oder Kirchenzugehörigkeit, was wir so nicht unbedingt erwartet hatten. Vermutlich hat uns die Gemeinsamkeit im Umgang mit eigentlich aussichtslosen Aktionen von Anfang an verbunden – ein gewisser Eberhard Schulz, Religionspädagoge, meinte, er hätte mit seinen Schülern gewettet, dass er es schafft, dass in allen Stadien der 1. und 2. Bundesliga auf den 60.Gedenktag hingewiesen wird, und dass alle Vereine dazu einen Artikel in ihrem Stadionheft abdrucken. Seine Zuversicht begründete er damit, dass gute Sachen eben immer funktionieren. Also bereiteten wir gemeinsam Ansprache und Artikel vor, und Eberhard Schulz setzte sich mit Sportbund, DFB und DFL in Verbindung – aus dieser Aktion entstammt übrigens auch der 2005 erstmals verliehene »Julius-Hirsch-Preis«.
 
DFL
Nach langen Verhandlungen hat am 17. Januar 2005 die DFL an die Vereine der 1. und 2. Bundesliga den Wunsch und die Aufforderung verlauten lassen, am Spieltag um den 27. Januar 2005 auf den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch Soldaten der Roten Armee, hinzuweisen. Beigefügt waren unsere Texte für die Stadiondurchsagen und für die Stadionhefte. Die Vereine machten mit – trotz der Kürze der Vorbereitungszeit – und verlasen folgende Botschaft:
 
Gedenken, um nicht zu vergessen

Der 27. Januar ist der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit, vor genau 60 Jahren. Wir, die Vereine der Bundesliga und die Fans, gedenken heute der Opfer.

Wir gedenken derer, die aus Gründen ihres Glaubens, ihrer Herkunft und ihrer Überzeugung aus den Vereinen ausgeschlossen wurden – viele von ihnen starben später in den Konzentrationslagern. Wir nehmen diesen Gedenktag zum Anlass, auf die Verantwortung des Sports für die Völkerverständigung und für die Integration unserer ausländischen Mitbürger hinzuweisen.

Wir sagen deutlich »Nein« zu Ausgrenzung, Hass und Gewalt – im Stadion und außerhalb.
 
 
TSV
Tatsächlich hat der TSV sich an der Aktion beteiligt, sogar noch in letzter Minute das bereits druckfertige Stadionheft geändert. Und dies, obwohl man sonst beim TSV gerne so tut, als hätte es die NS-Zeit nie gegeben. Damit hat der TSV viel mehr als nur das Heimspiel gegen Aue am 28.1.2005 gewonnen. Leider bleib es bei dieser einmaligen Aktion – von einer (längst fälligen) Rehabilitierung der damals aus politischen Gründen ausgeschlossenen Mitglieder und Sportler will man bei 60 definitiv nichts wissen.
 
Eberhard Schulz
Dachau
Der ökumenische Gedenkgottesdienst zum Thema in der Ev. Versöhnungskirche Dachau am 30.1.2005 war gut besucht, und es gab im Anschluss interessierte Fragen zu den LFGR. Eberhard Schulz, der zusammen mit seinem katholischen Kollegen Burkhard Samson die Predigt hielt, hängte sich zum Ende des Gottesdienstes unseren »LFGR«-Schal um. Wir bedanken uns für die wirklich freundliche und freundschaftliche Zusammenarbeit, auch beim Hausherren, Diakon Klaus Schultz.
 
2006
Auch 2006 verfassten wir entsprechende Texte zum Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz, mit Unterstützung durch die DFL. Die Beteiligung der Vereine war allerdings nicht besonders überzeugend. In Zukunft ist deshalb geplant, den Gedenktag mit der Verleihung des Julius-Hirsch-Preises zu verbinden.
 

Artikel für die Stadionzeitungen

Gedenken, um nicht zu vergessen

Der 27. Januar ist der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

Vor 60 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Soldaten der UdSSR machten dem Morden in diesem Lager ein Ende. Auschwitz steht für Mord in bis dahin undenkbarem Ausmaß. Im Namen des deutschen Volkes wurden dort und in anderen Lagern die Juden Deutschlands und der eroberten Gebiete Europas systematisch umgebracht, aber auch andere Menschen, die den Machthabern nicht ins Bild passten: Sinti und Roma, Kommunisten, Gewerkschaftler, Homosexuelle, Kranke. Schon wer nicht im Gleichschritt mitmarschieren wollte oder gar Fragen stellte, lief Gefahr, im Konzentrationslager zu verschwinden: Wer abgeholt wurde, hatte keine Chance mehr, keine Rechte, keine Identität.

Auschwitz ist für uns heute ein Mahnmahl des Erinnerns und eine Aufforderung, aktiv zu werden für Völkerverständigung und gegen Hass und Gewalt. Unser Gedenken an die Opfer ist gleichzeitig ein Bekenntnis zu Demokratie und Toleranz, zur Würde jedes Menschen, zum Wert des Lebens und für das Leben in Freiheit und Selbstbestimmung. Wir gedenken, um nicht zu vergessen, was geschehen ist und wie es dazu kommen konnte. Wir stellen damit all jenen, deren Botschaft Ausgrenzung, Hass und Gewalt ist, ein lautes und deutliches »Nein« entgegen.

Dem Sport fällt dabei eine besondere Verantwortung zu: Sport als gemeinsame Sprache verbindet Menschen, überwindet Grenzen und Ausgrenzung. Wir lernen fremde Menschen kennen, wir erleben neue Gemeinsamkeiten, Fan-Freundschaften entstehen.

Um den Menschen diese gemeinsame Sprache zu nehmen, wurden in der Zeit des Nationalsozialismus die Sportvereine gleichgeschaltet und mit getreuen Funktionären besetzt. Wer sich dem widersetzte, wer für Freiheit und Selbstbestimmung der Vereine eintrat, wer den Machthabern nicht ins Bild passte, wurde ausgeschlossen – ungeachtet ihrer Verdienste um den Sport. Die, die zuerst »nur« ausgeschlossen wurden, verschwanden später in den Konzentrationslagern. Dort wurden sie wegen ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihrer Überzeugung ermordet.

Für die Vereine bedeutet dieses Gedenken gleichzeitig eine Aufforderung zu handeln, unsere Verantwortung, unsere Aufgaben aktiv umzusetzen: Die Integration ausländischer Mitbürger zu fördern sowie Propaganda, Gewalt und fremdenfeindliches Verhalten zu ächten.

Dieses Bekenntnis zur Völkerverständigung und gegen Gewalt soll gleichzeitig auch eine Botschaft sein, ein Willkommensgruß an die Besucher der Weltmeisterschaft 2006.


Presseerklärung der Versöhnungskirche, 20.1.2005

Am 27. Januar 2005, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch Soldaten der Roten Armee zum sechzigsten Mal.

Auf Initiative der Evangelischen Versöhnungskirche Dachau hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) alle Vereine der 1. und 2. Bundesliga aufgefordert, am Wochenende um den 30. Januar 2005 mit Durchsagen in den Stadien und Veröffentlichungen in den Stadionzeitungen auf diesen Gedenktag hinzuweisen.

Unter dem Motto »Gedenken, um nicht zu vergessen« soll an die vielen Sportler erinnert werden, die im Zuge der Gleichschaltung der Vereine nach dem 30. Januar 1933 aufgrund von Herkunft, Glauben oder Gesinnung ihre aktive Karriere beenden mussten, teils in Konzentrationslager verschleppt und ermordet wurden. Zugleich stellt dieser Aufruf ein Bekenntnis zur besonderen Verantwortung des deutschen Sports für Völkerverständigung, Versöhnung und Integration dar sowie eine klare Absage an Ausgrenzung, Rassismus, Hass und Gewalt.

Die Aktion begründet sich auf eine ähnliche Veranstaltung im Januar 2004 in den italienischen Fußballstadien der Serie A und Serie B, initiiert von Dr. Riccardo Pacifici, dem Sprecher der Jüdischen Gemeinde Rom (u.a. berichtete Birgit Schönau darüber in der Süddeutschen Zeitung). Seiner Idee: »Vielleicht wird es ja irgendwann in den Stadien anderer Länder eine ähnliche Aktion geben« folgen nun die Versöhnungskirche und die DFL mit der Hoffnung auf rege Teilnahme der deutschen Bundesligavereine und der Fans.

Die Evangelische Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau hat sich zur Aufgabe gemacht, das Gedenken an die nationalsozialistische Gewaltherrschaft und ihre Opfer wach zu halten sowie immer wieder neue Impulse zur Versöhnung zwischen Völkern und Generationen zu geben.

In gleicher Sache sind auch Gespräche mit dem Deutschen Sportbund (DSB) im Gange, mit dem Ziel, einen »Erinnerungstag im deutschen Sport« zur festen Institution werden zu lassen.


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Der Julius-Hirsch-Preis

Im September 2005 veröffentlichte der DFB eine umfangreiche Studie zum Fußball im III. Reich und rief gleichzeitig den »Julius-Hirsch-Preis« ins Leben – für besonderen Einsatz für Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit. 2005 wurde der Preis für die Unterstützung des »Perez-Center for Peace« verliehen, eines Projekts zur Versöhnung zwischen israelischen und palästinensischen Jugendlichen. In Zukunft wird eine unabhängige Jury, der der Enkel von Julius Hirsch und auch Eberhard Schulz angehört, den Preis ausloben.

Julius Hirsch und Gottfried Fuchs (beide vom Karlsruher FV) waren vor dem I. Weltkrieg prominente Spieler der deutschen Nationalmannschaft. Als Juden wurden sie 1933 aus dem aktiven und passiven Sport ausgeschlossen; 1937 wurden ihre Namen aus der offiziellen Fußball-Geschichte getilgt. Während sich Gottfried Fuchs nach Kanada absetzte, blieb Julius Hirsch in Deutschland, in der Meinung, als Träger des Eisernen Kreuzes könne ihm nichts geschehen. Er wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Julius Hirsch wurde als Stellvertreter für alle Sportler unter den Opfern des Pogroms und des Massenmordes im III. Reich zum Namensgeber dieses Preises ausgewählt.


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Gedenken – warum?

Die Frage ist bei derartigen Gelegenheiten oft zu hören: »Wie lange sollen wir denn noch gedenken? Wann ist das denn endlich vorbei?«. Eine berechtigte Frage, durchaus.

Wie lange sollen wir denn noch gedenken?

Damit ist die Frage beantwortet:

So lange noch irgendwo auf dieser Welt Menschen wahllos eingesperrt werden, so lange Massenmorde mit politischen »Sachzwängen« begründet werden, genau so lange wird es notwendig sein, den Gedenktag beizubehalten, das Thema anzusprechen. Es wird wohl nie vorbei sein können.


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Was genau waren diese KZs?

Oft hört man die Ansicht: »Die werden es schon verdient haben«. Also fragen wir mal nach, wer eigentlich in diesen Konzentrationslagern gefangen war. Abgesehen davon, dass die Gerichte in der Zeit des III. Reichs alles andere als Organe des Rechts waren, wurden Verurteilte keineswegs in KZs eingewiesen oder dort hingerichtet, dafür gab es die regulären Strafanstalten. In den KZs landeten Menschen, denen sogar die Verfahren vor den Gerichten vorenthalten wurden. Auch entschieden keineswegs Gerichte darüber, wer ins KZ kam, sondern halbstaatliche Terrorgruppen wie SS und SA – und natürlich die Partei und der Führer selbst.

Das erste KZ, das errichtet wurde, war das in Dachau bei München. Das war in erster Linie ein Internierungslager, in dem u.a. Systemkritiker verschwanden: »sei staad, sonst kummst nach Dachau«. Dachau war noch nicht als Vernichtungslager eingerichtet, obwohl »Vernichtung durch Zwangsarbeit« und »Vernichtung durch Experimente« (zu diesem Thema hat Dr. Mengele fragwürdige Berühmtheit erlangt – und durfte nach dem Krieg für die CIA weiter »forschen«). Dennoch fanden im KZ Dachau und auch auf dem nahe gelegenen Militär-Übungsplatz Massenmorde statt, da gibt es nichts zu beschönigen. Wer Internet hat, und das haben alle Leser dieser Seite, kann nachschauen: Auf der Webseite der KZ-Gedenkstätte Dachau¹ und der Ev. Versöhnungskirche¹.

Auschwitz hingegen war ein Vernichtungslager, gilt als das Berüchtigste – was die Verbrechen in Treblinka, Bergen-Belsen und anderswo keineswegs besser macht. Millionen von Menschen wurden dort hingekarrt, meist in Viehwagen der Deutschen Reichsbahn, einige wurden dort für Zwangsarbeit oder »medizinische« Versuche selektiert, der Rest wurde umgebracht, in Gaskammern und auch in speziellen LKWs, wenn die Kapazitäten nicht ausreichten. Die Krematorien waren in Dauerbetrieb, und bevor die Truppen der UdSSR dem Treiben ein Ende machten, wurden dort die Mordopfer zu Hunderten im Freien verbrannt. Man kann sich das alles nicht wirklich vorstellen. Hier hat der Massenmord erstmalig industrielle Größenordnungen angenommen, das macht die Verbrechen so einzigartig.

Es gibt Leute, die haben sich zum Hobby gemacht, die Zahl der Opfer zu diskutieren. Als ob es irgendwie strafmildernd wäre, wenn der Angeklagte sagt: »Herr Richter, ich habe nicht sechs Millionen, auch nicht vier Millionen, sondern nur eine Million Menschen ermordet«. Fakt ist, dass die Herren »Herrenmenschen« zwar genau über geklaute Wertgegenstände Buch führten – Geld, Zahngold, sogar Mäntel, Schuhe und Rasierpinsel – ihre Opfer aber nicht für würdig befanden, wenigstens in Listen aufgezählt zu werden, weder von der Anzahl geschweige denn mit Namen und Adresse. Vermutlich haben eifrige Lagerkommandanten der Parteiführung gegenüber die Zahl ihrer Mordopfer durchaus nach oben hin »geschönt«. Doch wurden die Leichenberge und die Massengräber dokumentiert, da gibt es nichts wegzudiskutieren.

Wer waren nun die Opfer der KZ-Morde?

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit hier eine Liste der Haupt-»Zielgruppen«:

Die Liste ist leider länger geworden als das für eine Internetseite gut ist. Dennoch reicht das nicht, um alle Opfer dieses Terror-Regimes hier aufzuzählen.


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Was werden wir weiter tun?

Nachdem wir zusammen mit der Ev. Versöhnungskirche Dachau ein Stück dieser Welt bewegen konnten und der 60. Gedenktag gebührend begangen wurde, jedenfalls bei unseren Löwen, gilt es nun, den Verein zu überzeugen, dass nun eine lückenlose Chronik der Jahre unter der Nazi-Diktatur erstellt wird – gerne beteiligen wir uns an diesem Projekt.

Um das noch einmal klarzustellen: Es geht nicht um weinerliche Schuldbekenntnisse, sondern um Information – alleine Information kann helfen, vermeintliche Nationalhelden zu entzaubern.

Diese Dokumentation soll ein spannendes Werk der Zeitgeschichte werden, soll die ganze Bandbreite von den begeisterten Mitläufern bis hin zu den erbitterten Gegnern darstellen, soll zeigen, wie die »Bauernfängerei« über die Vereine funktionierte, wie die Arbeiter für die angebliche Arbeiterpartei geködert wurden, und wie fatal sich falsche Toleranz und braves Dulden (»werd scho ned so arg wern«) auswirkte.

Selbstverständlich soll die Dokumentation auch anhand konkreter Beispiele zeigen, wie einige sportliche Idole aus idiotischen Gründen Verein und Liga verlassen mussten, wie sie in Konzentrationslagern ermordet wurden oder durch Exil oder Befreiung gerettet werden konnten.

Nicht zuletzt wird dort zu lesen sein, wie wenig hilfreich sich die spätere Politik des Schweigens auswirkte, wie dadurch neues Unrecht entstand.

Als Löwen sind wir praktisch chancenlose Aktionen gewohnt. In diesem Sinne: Es wird schon klappen, eines Tages wird es die Dokumentation geben.

Literaturtipp zum Thema: »Stürmer für Hitler« von Gerhard Fischer, Ulrich Lindner, Werner Skrentny. Verlag »Die Werkstatt«, 2002. ISBN 3895332410.


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Israel, der Krieg und die UNO

Das akzeptieren wir, das ist in Ordnung.

ABER:

Holiday in CambodiaMag dies nette Urlaubsfoto einen kleinen Anhaltspunkt geben,
wie sich Krieg auf die allgemeine Lebensqualität auswirkt

Das akzeptieren wir nicht, das ist nicht in Ordnung.
Das akzeptieren wir auch nicht, das ist auch nicht in Ordnung.
Das akzeptieren wir schon gar nicht, das ist schon gar nicht in Ordnung.
Das akzeptieren wir überhaupt nicht, das ist überhaupt nicht in Ordnung.

Solidarität bedeutet nicht Kritiklosigkeit. Kritik daran, dass Israel es nicht schafft, seine Existenz auf eine friedliche und zivile Basis zu stellen, ist nich israel-feindlich. Kritik an Bushs Kriegspolitik ist auch nicht antiamerikanisch. Kritik an Akteuren des TSV ist ebenfalls kein feindliches Verhalten.

Wer in Kategorien denkt wie »wer nicht für mich ist, ist gegen mich«, denkt in den Kategorien eines Adolf Hitler. Möge dies dazu beitragen, unsere Position richtig einzuschätzen.


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Nationalhelden

Zugegeben – wir leben in Zeiten, die wenig geeignet sind, einmal als »Goldenes Zeitalter« zu gelten. Pleitewellen, gesponsorte Volksvertreter, vernichtende »Pisa«-Ergebnisse, leere weil für andere Zwecke geplünderte Sozialkassen, teure Autos, die wegen Software-Problemen nachts und bei Regen nicht mehr fahren – das macht alles keinen Spaß.

Verständlich der Wunsch nach Helden.

Doch Mörder sind keine Helden.

Vgl. »Sexismus, Homophobie« – Fetischismus in Sachen Ledermäntel und Stiefel ist an sich harmlos. Es ist auch nicht verwerflich, wenn man selbst auf Ledermäntel, Stiefel, Männer-Camping, Nacktduschen im Rudel oder Pfadfinder-Klos steht. Das alles schadet niemandem; das kann man machen, wenn es die Lust fördert. Ein nicht wirklich vorhandenes Ego hinauszuplärren, ist auch nicht schlimm.

Doch es ist schlimm, Gewalt und Mord sowie Gewalttäter und Mörder zu verherrlichen. Die Hitlerei war ebenfalls kein »Goldenes Zeitalter«. Nicht für die Verfolgten, nicht für die Kriegsopfer, nicht für die Hinterbliebenen. Auch nicht für den »rechtschaffenen normalen Bürger« – Hitler hat nämnlich nicht nur Großprojekte befohlen (Autobahnen, Rüstung, Monumentalbauten), sondern den deutschen Arbeiter, nach dem er seine Partei nannte, durch Steuern bis aufs Letzte ausgequetscht. Zum »Ausgleich« gab es dann miefige Kleinstwohnungen in Kasernensiedlungen und einen Überwachungsstaat, der seinesgleichen sucht. Und Versprechen, die nie eingelöst wurden, wie das billige Arbeiter-Auto: Das konnte man zwar bestellen und im Voraus bezahlen, doch in Serie ging der Kübelwagen für das Militär.

Nein, Hitler war nicht mal annähernd der großartige Gönner für das Volk, wie er in einschlägiger Literatur gezeichnet wird. Im Gegenteil, er hat das Volk betrogen, ausgeplündert, getäuscht, drangsaliert und für einen völlig hirnrissigen, unmachbaren, »Endsieg« in den Tod geschickt.

Hitler war auch kein Volksschauspieler, der »mal so richtig gesagt hat, was Sache ist«: Nein, seine »Wahrheiten« beschränkten sich nur auf das, was seinen Machtgelüsten in den Kram passte. Sicher stimmt, dass Deutschland durch die Verträge von Versailles ganz klar auch gedemütigt werden sollte. Wie es dazu kam, verschwieg er allerdings: Deutschland hat am 1.8.1914 Russland den Krieg erklärt (als Vorwand diente ein »Terroranschlag«, kennt man ja; ein Attentäter hatte auf den Prinzen geschossen), weil Russland den Serben (man unterstellte der serbischen Regierung Drahtzieherschaft des Anschlags) Unterstützung zugesagt hatte – letztlich ein fadenscheiniger Grund, erst Europa und dann beinahe die ganze Welt mit Krieg zu überziehen. Auch von der gnadenlosen Kriegspolitik Deutschlands reden Hitler und seine Fans nicht: Annexionen auch neutraler Gebiete (Belgien), rigoroser Vernichtungskrieg auch gegen die Zivilbevölkerung u.A. durch Einsatz von Giftgas. Das war weder ein Verteidigungskrieg, und heroisch war er schon gar nicht: Es war ein abscheulicher Eroberungskrieg, mit dem Deutschland seine Macht erweitern und betonieren wollte. Der Hass, der aus den Verträgen von Versailles spricht, ist nur zu gut nachzuvollziehen.

Natürlich kann man von Unrecht reden: Unrecht erzeugt weiteres Unrecht, immer. Beenden kann man diesen Kreislauf nicht, indem man weiter mitspielt, sondern indem man irgendwann sagt: »Scheiß drauf, was war, war, wir schauen nach vorne«, und den Mut fasst, dem Gegner die Hand zu reichen. So mutig war Herr Hitler jedenfalls nicht; er zog es vor, der Gewalt und den Untaten des I. Weltkrieges noch eins draufzusetzen und einen II. Weltkrieg zu inszenieren. Auch der Anlass hierfür war eine Lüge: Polnische Separatisten (»Terroristen«) hätten einen Radiosender überfallen. Der Anschlag war, wie man heute weiß, fingiert – und selbst wenn er echt gewesen wäre, kein Grund für einen Weltkrieg.

Hitler hat gelogen und betrogen, auch dem eigenen Volk gegenüber; er war machtgeil, aber schwach. So jemand ist kein Nationalheld, sondern ein kleiner fieser Wicht.

Hitler hat noch dazu alle bisher historisch bekannten Verbrechen getoppt: Er befahl den Mord an allen Juden Europas. Das brachte das deutsche Volk nicht sonderlich auf gegen ihn, denn man konnte die Juden eh nicht leiden. Schon lange nicht: In der Bibel wird die Kreuzigung Jesu den jüdischen Priestern in die Schuhe geschoben. Wenn man darüber nachdenkt, kann das nicht ganz stimmen. Israel war damals römische Kolonie, die Macht lag alleine bei den Römern. Die Besatzungsmacht hat das Todesurteil an Jesus ausgesprochen und vollstreckt. Das mag den jüdischen Priestern in den Kram gepasst haben, aber sie wurden ganz bestimmt nicht einmal dazu gefragt. Die römische Militärregierung hat einfach Aufständische, »Terroristen«, hinrichten lassen. Punkt. Jesus war ein guter Verdächtiger, also war er »dran«. Die Bibel beschreibt, dass solche Hinrichtungen alltäglich waren. Das können wir getrost glauben.

Weiter tausend Jahre später. Europäische »Freelancer« brechen auf, um das »Heilige Land« aus den Händen der »Ungläubigen« zu befreien. Israel war damals eine unbedeutende Randprovinz des Kalifats (Hauptstadt: Baghdad). Das war für den Kalifen nicht viel aufregender, als wenn Österreich Freilassing überfallen würde. Es gab dort eh schon lange christliche Ritterorden, die auch mal mordeten und plünderten. Ein Krisengebiet am Rande der Interessenssphäre eines riesigen, wohlhabenden Kalifenreiches, mehr nicht. Insofern gab es dort auch wenig Militär; die Kreuzritter hatten beste Chancen, hier Erfolge zu erringen. Nun, als diese Kreuzritter im Handstreich das Heilige Land eingenommen hatten (jedenfalls vorerst), haben sie erst einmal die Juden (die ja laut Bibel dort die Hausherren waren) umgebracht. Auch tausend Jahre später gab es keine Proteste, wenn man Juden killte.

In Europa bezeichnet man diese Epoche als »Mittelalter«. Politisch gab es große Reiche, die aber in Wirklichkeit keine Einheiten waren, sondern durch Sub- und Sub-Subunternehmer der Herrschenden unregierbar gemacht wurden. Wirkliche Macht hatte, wenn überhaupt, die Kirche. Die Kirche wiederum verbot den Juden die Mitgliedschaft in den Handwerkskammern (Zünften), so wurden diese Händler und Banker – letzteres auch deshalb, weil es Christen verboten war, Zinsen zu nehmen – und das Bankgeschäft lebt nun mal von Zinsen. Nun haben Händler und Banker nicht gerade den Ruf absoluter Ehrlichkeit; was den Juden in der Bevölkerung nicht gerade Sympathien einbrachte. Logisch.

Hitler hat nun jüdischen Bankern (v.A. in den USA) die Schuld an der nach seiner Sicht (da könnte er durchaus Recht haben) ungerechten Machtverhältnissen in Europa zugeteilt. Banker denken nun mal ausschließlich an den Profit, jedenfalls tun das die Banker, die bis »ganz nach oben« kommen konnten. Was Hitler verschwiegen hat, ist, dass die Tatsache, dass die Banker nun mal überwiegend Juden waren, historische Gründe hatte. Dass eben nicht »die Juden« die Bösewichte waren, sondern allgemein die Schacherer in der Weltwirtschaft, die sich um die Auswirkungen ihres eigenen Tuns nicht scherten. Doch dazu hatte er gute Gründe, zu schweigen: George Walker Bush's Opa beispielsweise hat Hitler einen Haufen Geld rübergeschoben, um seinen Wahlkampf zu finanzieren. Warum? Opa Bush wusste, dass es in Russland (Sibirien) viel Erdöl gibt, und dass, wenn der russische Revolutionsstaat einmal funktionieren würde, man dort nach dem Öl bohren würde und dies zu Kampfpreisen verkaufen, was gar nicht gut für die texanische Ölindustrie gewesen wäre. Klar, Opa Bush war Ölhändler. Und er wusste, dass bei seinem Geschäft halb Europa über den Deister geht, aber er wusste (im Gegensatz zum Enkel) auch, wie weit Dallas von Berlin weg ist. So einfach.

Wir, bzw. ich, wir haben lange über den Hass gegen die Juden gesprochen. Und, Emotionen nun mal beiseite, die Juden sind so gut und schlecht wie alle anderen. Von Jesus zu kriminellen Bankern gibt es alles.

Selbst wenn wir beide, ich der Gute, du der Nazi, nicht einig werden: Es ist nicht wirklich schlimm, wenn man jemanden nicht mag, und sei es aus rassisitischen Gründen. Juden, Polen, Türken, Serben, Kroaten, Bosnier, Slowenen – und man hat ja auch seine Gründe, warum das so ist. Doch eine Bitte: Haut ihnen nicht die Schädel ein. Der Sheißhaufen, den ein Kroate, Serbe, Türke oder Reischsdeutscher hinterlässt, ähnelt dem anderen ziemlich gleich. Ich meinerseits kenne auch viele Leute, die ich nicht ausstehen kann. Doch sich deswegen umzubringen, ist Schwachsinn.

An alle, die den Führer verehren, weil sie ihn für einen Helden halten: Geht in die Bibliothek, lest die Geschichtsbücher, überprüft das, was man euch erzählt hat.

Hitler ist untauglich als Nationalheld, schaut euch den Typen genau an. Und die große Deutsche Nation gab es eben so wenig. Die Suche nach Nationalhelden ist nicht ganz einfach.

Mörder sind nun mal keine Helden.


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