Hier im Rückblick unsere Gedanken zur Ausstellung »Tatort Stadion« sowie das doch sehr umfangreiche kulturelle Rahmenprogramm.

Veranstaltungsprogramm »Tatort Stadion« München

Schwerpunkte der Ausstellung:

I. Tagesbesucher: Es ist uns sehr wichtig, dass die Ausstellung ein breites Publikum anspricht. Die Ausstellung soll nicht nur die Zielgruppe erreichen, die sich ohnehin mit der Thematik von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit beschäftigt, sondern durch die Kooperation mit dem Schulreferat der Stadt München, dem Jugendamt und der DGB-Jugend sollen breite Teile der jungen Bevölkerung angesprochen werden. Von Vorteil sind die verkehrsgünstige Lage des »Einstein« und sowie die behindertengerechten Räumlichkeiten, die das Veranstaltungszentrum bietet.

II. Schülerinnen und Schüler als besondere Zielgruppe: Lehrer und Schüler werden gezielt zu einem Besuch der Ausstellung eingeladen. So erhalten auch Schulklassen und Vereine – auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten – inhaltliche Führungen, die eine intensive Auseinandersetzung in Wort und Bild mit der Thematik von Rassismus und Diskriminierung ermöglichen. Sie erhalten umfangreiches Informationsmaterial, um ggf. die Problematik in nachfolgenden Unterrichtseinheiten zu vertiefen.

III. Begleitveranstaltungen: Begleitend zur Ausstellung finden an mehreren Abenden Veranstaltungen mit Entertainment, Satire, Kabarett und Podiumsdiskussionen statt, welche die Thematik des Fußballs und seinen Stellenwert für die jugendliche Fan-Kultur aufgreifen. Die LÖWEN-FANS GEGEN RECHTS bedanken sich sehr herzlich bei der DGB-Jugend München, der Stadt München, dem Fanprojekt München sowie den vielen anderen Sponsoren und den aufführenden Künstlern für deren Engagement. Besonders danken wir auch dem Einstein für die tatkräftige Unterstützung bei der Organisation und Präsentation der Ausstellung und für die Gastfreundschaft.

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Rahmenprogramm

10.07.2002, 20:00 Uhr: »Und täglich drückt der Fußballschuh« – Satiren und Politainment mit Gerd Dembowski. »Erscheinen Sie zahlreich, wenn möglich manisch« – Gerd Dembowski lädt zum Fußball-Politainment. Was die »Neuen Heiligen« predigen, »Ball und Birne« Bedeutsames von sich geben und der »Übersteiger« meldet, stammt aus der Feder von Politainer Gerd Dembowski und ist mal zum Lachen, immer aber erschreckend realitätstreu. Dembowski liest, politaint und plaudert aus dem Nähkästchen. Der gebürtige Westfale – Jahrgang 1972 – ist BAFF-Gründungsmitglied und der Organisator der Ausstellung Tatort Stadion. Er lebt als freier Autor und Sozialwissenschaftler in Berlin und ist nicht nur als St.-Pauli-Dauerkartenbesitzer ein Reisender in Sachen Fußball. Für Gerhard Mayer-Vorfelder ist Dembowski spätestens seit »Tatort Stadion« und den berüchtigt-realistischen Stellwand-Texten ein rotes Tuch. Seit August 2001 ist er der »allerschlimmste Albtraum« (SWR) des – wie er es sieht – Medien-Hooligans Leo Kirch. Der SPIEGEL (Nr. 32/2001) schrieb dazu: »Wo ein Mann wie Dembowski das Wort führt, können auch die Politiker nicht schweigen. Genervt vom wochenlangen Hickhack meldete sich sogar der Kanzler aus seinem Italien-Urlaub zu Wort.« Im ernsteren Part von Dembowskis Politainment geht es um Rassismus im Fußball und Hintergründe zur Ausstellung. Das ganze wird gesampelt mit Glossen der »Neuen Heiligen« und seinen Arbeiten für das St.-Pauli-Fanzine »Der Übersteiger«. Aber auch Anekdoten von einem Auftritt bei der FIFA in Buenos Aires sprudeln daher, genauso wie Versatzstücke aus seiner TAZ-Kolumne »Auf der Suche nach dem randigsten Randsport Berlins«. Das Buch von Gerd Dembowski zur Ausstellung »Tatort Stadion« (Papyrossa-Verlag) ist im Buchhandel erhältlich, ebenso wie zwei Bänder der Politainment-Bücher »Die neuen Heiligen. Reportagen aus dem Medienhimmel« (Alibri-Verlag). 1998 erschien im Hamburger VSA-Verlag »Ball & Birne«.

11.07.2002, 20:00 Uhr: »Abseitsfalle« – Ruge gegen Rechts. Feines Kabarett, Jokes und Stories mit Helmut Ruge. »In einer Mannschaft ist Rechtsaußen eine wichtige Position. Auf der Tribüne sollte Rechts draußen bleiben!« Kein Zweifel: Helmut Ruge gibt sich die Ehre – mit »Abseitsfalle«, einem Programm, das es in dieser Form nirgends anders zu sehen gibt. Exklusiv für Tatort Stadion liest und spielt Ruge seine besten politischen Satiren zum Thema Fußball, Volk und – vor allem – »Vaterland«. Den Zuschauern bietet er ein Potpourri aus seinen Programmen wie dem aktuellen »Mein Ego und ich«, dem kontrovers diskutierten »Deutsch sein oder Mensch bleiben«, dem zukünftigen Programm »Der Monolog mit der Jugend« oder »Deutsch zum Weinen und Lachen«. Emotional, lyrisch, provokant und nachdenklich sind die Texte, Gedichte, Jokes und Stories, die Helmut Ruge unter dem Motto »Abseitsfalle« an diesem Abend präsentieren wird. Vielleicht beendet er seine Darbietungen – wie häufig – mit Tucholskys »Vaterland oder Muttersprache«. Man darf gespannt sein.

12.07.2002, 20:00 Uhr: »Best of Kreuzeder« – Feinster Jazz, das Soloprogramm des Ausnahme-Saxophonisten Klaus Kreuzeder aus München live bei Tatort Stadion. Stevie Wonder, David Sanborn, Jack Bruce, Gianna Nannini, Sting, Al di Meola, Al Jarreau, Konstantin Wecker, … mit Klaus Kreuzeder zusammen standen und stehen sie alle auf der Bühne – sie und viele andere. Noch im Februar spielte Klaus Kreuzeder mit Udo Lindenberg, Nina Hagen, Nena, den Söhnen Mannheims und Xavier Naidoo, Jule Neigel, Heinz-Rudolf Kunze, Peter Maffay, Joachim Witt, Knorkator, Jazzkantine, Scooter, City, Keimzeit, Orange Blue, Heinz Hoenig und Ingo Appelt auf der »Rock gegen rechte Gewalt«-Tournee in Leipzig, Dresden, Hamburg, Rostock und Berlin vor ausverkauften Hallen. »Best of Kreuzeder« – so heißt das aktuelle Soloprogramm, das er bei Tatort Stadion ausnahmsweise in »kleinem Rahmen« präsentiert. Er spielt zur Musik von Künstlern, die ihm besonders ans Herz gewachsen sind. Das Repertoire reicht von Titeln seiner eigenen Projekte »Sax as Sax can« und BIG little GIG bis hin zu Klassikern wie Blood, Sweat & Tears. Einen großen Raum nehmen dabei Stücke von Weltstars ein, mit denen er schon gemeinsam auf der Bühne stand. Musik – das ist Klaus Kreuzeders Leben. Dass der 1950 Geborene auf Grund einer Polio-Erkrankung seit frühester Kindheit im Rollstuhl sitzt, dürfte ihn im Willen, seine Fähigkeiten zu perfektionieren, nur beflügelt haben. Es macht ihn aber auch zum Botschafter eines Teils unserer Gesellschaft, der u.a. auch in Fußballstadien und unter »Fans« Repressalien zu erleiden hat. Klaus Kreuzeder – der Weltstar des Saxophons aus München – als musikalischer Botschafter für Tatort Stadion! Kontakt-Info Klaus Kreuzeder: www.klauskreuzeder.de

18.07.2002, 20:00 Uhr: Außerhalb der Begleitveranstaltungen zur Ausstellung möchten wir Sie hiermit besonders auf folgende Veranstaltung hinweisen: »Die Zukunft des Sechz'gerstadions«. Eine Podiumsdiskussion der beiden Vereine »Freunde des Sechz'gerstadions« und »Verein der Freunde Giesings«. Teilnehmende Personen: Brigitte Meier (SPD, Stadträtin), Frank Schröger (Wählergruppe Sechzger Stadion), Alfred Fackler (BFV, angefragt), Christiane Thalgott (Stadtbaurätin, angefragt), Rudolf Behacker (Leiter des Sportamtes) sowie Herr Beimer (Sportbeiratsmitglied, angefragt). Ort der Veranstaltung: »Stadionwirtschaft Sechz'ger Stadion«, bei zu großem Andrang auch im Stadioninnenraum.

19.07.2002, 20:00 Uhr: »Vorne fallen die Tore« – Fußball-Geschichten von Sokrates bis Rudi Völler. Es lesen der Mit-Herausgeber Tilman Göhler und Wolfgang Habermaier. Lesung des Verlag Antje Kunstmann. »Jesus ging aufs Tor zu, und die Jünger standen abseits« – ein Bibelzitat. Hat Religion wirklich nichts mit Fußball zu tun? Was veranlasste chinesische Philosophen schon vor 4600 Jahren, ein Spiel zu beschreiben, wo – »ts'uh küh« – der »Ball« mit dem »Fuß« gespielt wird? Welche Beziehung spannt Franz Beckenbauers Biografie von Sokrates über Heinrich Böll zu Wolfram Wuttke? Überhaupt: Wer hat den Kick ums runde Leder erfunden? »Vorne fallen die Tore« heißt ein Buch, das von Rainer Moritz herausgegeben wurde und im Kunstmann-Verlag erschienen ist. Freilich, die Frage nach den Erfindern weiß auch dieses Lesebuch nicht wissenschaftlich nachzuweisen. Dafür stellt es um so amüsanter die Sternstunden dieses Sports in Bezug zur Kulturgeschichte. Es lässt die Protagonisten und ihre Zeitgenossen zu Worte kommen – mal zu einfachen, mal zu klügeren Zitaten: Jean Paul Sartre, Günter Grass, Rainer Maria Rilke, Franz Kafka, Wolfgang Haas, Lothar Matthäus, Reinhold Beckmann, Uli Stein … Tilman Göhler vom Kunstmann-Verlag und Wolfgang Habermaier präsentieren Anekdoten aus »Vorne fallen die Tore«. Gekonnt vorgetragen – und sicher gewürzt mit persönlichem Witz und Erfahrung mit der eigenen Fußballbegeisterung, der weder Kirch noch »KHW« oder »MV« etwas anhaben konnten. Vorne fallen die Tore – auch an diesem Abend. Zur Freude der Gäste hinten im Zuschauerraum. »Vorne fallen die Tore. Fußballgeschichten von Sokrates bis Rudi Völler«, Herausgeber: Rainer Moritz, Verlag Antje Kunstmann, ISBN 3-88897-298-1

23.07.2002, 20:00 Uhr: »Das Leben dauert 90 Minuten« – Ein Fußballabend mit Martin Butzke, Andreas Grothgar und Stephan Zinner von den Münchner Kammerspielen. Uwe Seeler wusste schon sehr früh: »Das Geheimnis des Fußballs ist der Ball.« Aber der Fußball lässt ich nicht nur treten: über ihn kann man auch wunderbar philosophieren. Martin Butzke, Andreas Grothgar und Stephan Zinner von den Münchner Kammerspielen setzen an diesem Abend die »Kopf«-Ballspieler ein – sprich: die göttlichen Fußballphilosophen mit ihren bewegenden Bekenntnissen. In einem ca. 45-minütigen »Best of« ihres Abendprogramms »Das Leben dauert 90 Minuten« präsentieren sie Texte und Lieder unter anderem von Nanni Ballestrini, Nick Hornby, Franz Beckenbauer und Toni Schumacher. Sie steigern sich von der ausschweifend eigenwilligen Poesie eines Herbert Faßbender über die präzisen Analysen deutscher Fußballer bis hin zu den bekenntnishaft verzweifelten Kolumnen des spanischen Schriftstellers Javier Marias – ohne (scheinbar) einen Zweifel an der Notwendigkeit solchen Handelns aufkommen zu lassen. Denn was könnte wichtiger sein als der Sache auf den Grund zu gehen, die Millionen von Menschen Woche für Woche in Triumph-Gefühle oder Trauer, in Trance oder Tränen stürzt, 90 Minuten lang … Im Ernst: Der Ball ist immer noch rund, nur die Menschen haben Ecken und Kanten. Und über die wird man sich an diesem Abend das Schmunzeln nicht verkneifen können.

25.07.2002, 20:00 Uhr: »Fankultur als Sicherheitsrisiko« – Podiumsdiskussion mit Vertretern des KVR München (angefragt), der Polizei (angefragt), der Olympiapark GmbH (angefragt), des Fanprojektes München, der Rollstuhl-fahrenden Fans sowie Ultras des TSV 1860 und des FC Bayern. Moderation: Achim Bogdahn, Bayerischer Rundfunk, Redaktion Zündfünk. Fans, Vereine, Polizei und KVR an einem Tisch! Der Hintergrund sind die sich häufenden Fan-Beschwerden, dass im Olympiastadion nichts mehr erlaubt sei: Choreograpien, Doppelhalter, Transparente oder auch nur so banale Sachen wie eine Sitzgelegenheit für Fahnenschwinger. Auch das Thema Pyrotechnik wird angesprochen. Außerdem interssiert die Haltung zu Stadionverboten und zur Datei »Gewalttäter Sport«. Ein Problem wird auch die Situation der Rollstuhlfaher sein. Als Diskussionsleiter konnten wir Achim Bogdahn vom Bayerischen Rundfunk gewinnen. Es wird spannend!

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Ausstellungsort und Öffnungszeiten

Die Ausstellung wird am Dienstag, den 09.07.2002 um 20.00 Uhr im Einstein-Keller durch den Schirmherrn Dr. Klaus Hahnzog, Mitglied des bayerischen Landtags, Rechtsanwalt und Bürgermeister a.D. in München eröffnet und ist bis zum 26.07.2002 erstmalig in Bayern zu sehen.

10. Juli bis 26. Juli 2002 im Kulturzentrum Einstein (Einsteinkeller), Einsteinstr. 42, 81675 München. Öffnungszeiten 15:00 Uhr bis 20:00 Uhr täglich, Donnerstags bis 22:00 Uhr (Veranstaltungen etc.). Der Eintrittspreis beträgt 1 Euro pro Person. Für Schulklassen, Vereine etc. werden nach Vorbestellung vormittags Führungen veranstaltet.

Präsentiert von den Löwen-Fans gegen Rechts in Zusammenarbeit mit dem KVR München, dem Jugendamt der Stadt München, dem Fanprojekt München und der DGB-Jugend München.

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