Die Löwen haben ausgezeichnete Fans
1860-Anhänger erhalten Preis für Einsatz gegen Rassismus
Von unserem Redaktionsmitglied Bernhard Junginger
München
»Uh, uh, uh«, die dumpfen Rufe sollen die Laute eines Affen imitieren. Oft schallen sie aus der Fankurve, wenn ein dunkelhäutiger Spieler am Ball ist. Alltag im deutschen Fußball. Auch beim TSV 1860 München. Eine Gruppe von Löwen-Fans wendet sich seit drei Jahren gegen den Rassismus im Fußball. Für ihr Engagement wurden die »Löwen-Fans gegen Rechts« jetzt beim Wettbewerb »Aktiv für Demokratie und Toleranz« ausgezeichnet.
»Mit dem Nazi-Geplärr muss endlich Schluss sein«, beschlossen Wolfgang Cubasch und seine Freunde vor drei Jahren. Beim nächsten Spiel setzten sie mit einem Transparent mit der Aufschrift »Löwen-Fans gegen Rechts« ein erstes Zeichen. Schnell fanden sich weitere 1860-Anhänger zusammen, die sich einmal seither einmal im Monat zu einem Stammtisch treffen. Inzwischen zählt der engere Kreis rund 40 Personen. »Und ständig kommen neue hinzu, darunter viele weibliche Fans«, beichtet Klaus Joelsen von der Initiative. Mit T-Shirts, Aufklebern und Aufnähern, die neben dem Vereinslogo eine Faust zeigt, die ein Hakenkreuz zerschlägt, beziehen sie klar Stellung. »Wir sprechen Fans, die rechte Parolen brüllen, gezielt an. Viele kommen ins Nachdenken«, erklärt Joelsen. Von anderen »Blauen« werden sie aber mitunter übel beschimpft oder mit Bierbechern beworfen. Und auch von der Führung des Vereins sind sie enttäuscht: »Wir haben vor einem Jahr in einem Brief an den Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser zu einer offiziellen Stellungnahme gegen Rassismus und rechte Gewalt aufgefordert«, erzählt Klaus Joelsen. Geantwortet habe der Verein bislang nicht.
Der mit 2000 Euro dotierte Preis, den das von der Bundesregierung gegründete »Bündnis für Demokratie und Toleranz« an die Initiative vergab, ist für deren Mitglieder »Bestätigung und Ansporn zum Weitermachen«. OB Christian Ude, Bundestagsabgeordnete Gabriele Fograscher (SPD) und Reiner Schiller-Dickhut vom Bündnis würdigten im Münchner Ratbaus die »Zivilcourage«. Bei allem Engagement betonen die Mitglieder, dass sie in erster Linie »immer noch richtig heiße Löwenfans sind«. Und so gibt es bei der Toleranz eine Ausnahme: »Wir würden mit allen Gruppen zusammenarbeiten«, sagt Joelsen, »aber niemals mit denen vom FC Bayern«.
Abdruck mit freundlicher Genehmigung.